Viral | Cover ©capelight picturesEs ist sicher nicht leicht für einen Teenager, wenn der Papa das Familienhauptquartier aufgrund beruflicher Veränderungen in eine andere Stadt verlagern muss. Aber es hilft ja nichts. Also beginnt man sich einzugewöhnen, neue Freunde zu finden und eben das Beste aus der Situation zu machen. Genau das versuchen Emma (Sofia Black-D’Elia, Project Almanac) und ihre Schwester Stacey (Analeigh Tipton, Lucy), als es sie in ein ruhiges Kaff auf dem Land verschlägt. Und während sie damit beschäftigt sind, den Schulalltag auf die Kette zu bekommen und sich einen hübschen Burschen zu angeln, merken sie nicht, dass sich in der Welt eine zunehmend schwerwiegendere Katastrophe anbahnt: Sie beginnt wie eine Erkältungswelle, welche sich allerdings einer Seuche gleich ausbreitet und aufgrund des ihr zugrunde liegenden Parasiten die „Wurmrippe“ getauft wird. Naja, was soll einem auf dem Dorf schon passieren, denken sich die Geschwister – da ist man so weit ab vom Schuss. Dies soll sich als gravierende Fehleinschätzung herausstellen…

Seuchen, Viren, Naturkatastrophen: So schrecklich ich es selbstverständlich finde, wenn so etwas im Hier und Jetzt Menschenleben kostet, so gerne schaue ich es mir im fiktiven Kino an. Leider gibt es in meinen Augen nur recht wenige wirklich gute Vertreter dieses Subgenres, weshalb ich froh bin, wenn ich neben den immer wiederkehrenden Sichtungen von Outbreak, Contagion, Crazies und wie sie alle heißen, auch mal etwas Neues zu sehen bekomme. Da kam die Meldung über den Horrorthriller Viral von Henry Joost und Ariel Schulman, die bereits gemeinsam den tollen Streifen Nerve inszeniert haben, gerade recht. Was mich allerdings etwas kritisch gestimmt hat, war, dass hier fast ausschließlich junge Charaktere die Hauptrollen begleiten. Warum? Weil es in meinen Augen in den letzten Jahren zu einem Kinotrend geworden ist, Genrewerke aus der reinen Erwachsenenunterhaltung herauszuholen und familientauglicher zu machen. Man siehe die Versoftung des Vampirfilms (ohne da jetzt irgendwelche Titel *hust* Twi

light *hust* nennen zu wollen) oder des Zombiestreifens (in dem von mir gemeinten Warm Bodies hat Analeigh Tipton sogar mitgespielt). Dementsprechend hatte ich auch hier die Befürchtung, dass es sich bei Viral vielleicht um einen spannenden Film handeln könnte, der allerdings nur mit angezogener Handbremse auf Touren zu kommen versucht. So ganz konnte das Regieduo diese Vorahnung auch nicht zerstreuen: Ekelszenen wurden nur sehr vereinzelt eingestreut (dann aber mitunter wirklich widerlich!), es gibt kaum Erläuterungen zur Ursache der Seuche oder den entsprechenden Gegenmaßnahmen, die Story ist ziemlich vorhersehbar und auch die obligatorische Liebesgeschichte findet ihren Platz (muss das denn wirklich immer sein?). Am bedauerlichsten fand ich jedoch das sehr abrupte Ende. Da hätte ich mir gut und gerne nochmal eine halbe Stunde mehr an Laufzeit gewünscht, um zu sehen, wie es weitergeht.

Gleichwohl möchte ich dem Werk zugute halten, dass vor allem die Lovestory nur eine untergeordnete Rolle spielt. Vielmehr geht um das Verhältnis von Emma und Stacey, die in einer verheerenden Ausnahmesituation wieder zueinander finden müssen (ich stehe auf solche Familiengeschichten).

Außerdem steht auf der pro Seite, dass die Darsteller alle einen tollen Job machen und man mit einer anständigen Spannungsschraube, einem zurückhaltenden, allerdings sehr passenden Soundtrack und einer guten Atmosphäre zu punkten weiß. Zwar kann Viral trotzdem nicht mit den ganz Großen Streifen des „Katastrophenfilms“ mithalten, aber das muss er ja auch nicht zwingend. Mich hat er knapp 1 1/2 Stunden gut unterhalten und letzten Endes kommt es genau darauf an.

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Krampfadern im Gesicht können einen wahnsinnig machen...

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Die ganze Stadt steht unter Quarantäne und...

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...die Party ist vorbei.

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Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Viral | Regie: Henry Joost, Ariel Schulman | Drehbuch: Barbara Marshall, Christopher Landon | Darsteller: Sofia Black-D’Elia, Analeigh Tipton, Travis Tope | Produktion: Jason Blum, Jeanette Brill, Sherryl Clark, Harvey Weinstein | Freigabe: FSK 16 | Uncut: ja | Spieldauer: 85 Min. | Verleih: Capelight Pictures | Produktionsjahr: 2016 | DVD/BD VÖ Deutschland: 21.07.2017

Viral (2017)
Prädikat: Spannender Seuchenthriller mit Luft nach oben.
Story70%
Schauspieler80%
Spannung80%
Inszenierung70%
75%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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