Wilde Hunde - Rabid Dogs 3D | Cover ©Tiberius FilmEigentlich wollten Sabri, Vincent, Manu und ihr Boss nur mal schnell eine Bank überfallen. Rein, raus, reich. Doch als ob ein reibungsloser Ablauf zuviel verlangt wäre, sehen sich die vier Räuber mit Murphys Gesetz konfrontiert: Was schief gehen kann, geht schief. Bereits der Überfall selbst endet in einem Schusswechsel, der den Anführer der Truppe das Leben kostet. Na gut, dann bleibt für jeden mehr von der erbeuteten Kohle über. Bevor diese aber aufgeteilt werden kann, muss man erst einmal vor den Bullen flüchten, denen es gar nicht gefallen hat, dass ein paar ihrer Kollegen während der Ballerei nicht mehr ganz so fit sind (nächster Halt: Leichenhalle). Und so schnappt man sich ein neues Vehikel inklusive dreier Geiseln. Bei diesen handelt es sich um eine junge Frau, ein todkrankes Kind und dessen Vater, der seine Tochter innerhalb der nächsten Stunden zu einer lebensrettenden Organtransplantation bringen muss. All das kümmert die Kriminellen, die sich auch untereinander nicht so recht riechen können, allerdings reichlich wenig. Und während dem Mädchen die Zeit davonläuft, bleibt ihrem Daddy nichts anderes übrig, als zu tun, was die skrupellosen Burschen ihm befehlen. Doch wie sagt man so schön: Abgerechnet wird am Ende. 

Für sein Spielfilmdebüt hat sich der französische Regisseur Éric Hannezo des Streifens Cani arrabbiati (“tollwütige Hunde”) von seinem italienischen Kollegen Mario Bava angenommen und es neu verfilmt. Da ich das 1974er Original bislang (noch) nicht gesehen habe, fehlt mir der Vergleich und so bewerte ich das Remake auch entsprechend frei von Erwartungen (was in meinen Augen ohnehin öfter gemacht werden sollte, aber das ist ein anderes Thema). Die Version von Wilde Hunde – Rabid Dogs anno 2015 wirft den Zuschauer ohne große Erklärungen in eine dementsprechend vollkommen undurchsichtige Lage. Wer sind die Bankräuber und welchen Plan B verfolgen sie, nachdem der Beutezug nicht ganz gekonnt verlaufen ist? Mit den Antworten hält der Streifen lange hinter dem Berg und gibt nur bröckchenweise Informationen über die Vergangenheit der Protagonisten preis. Diese kurzen Ausschnitte lassen dabei nur vage erahnen, wie der undurchsichtige Sabri (Guillauma Gouix), der durchgeknallte Unsympath Vin-

cent (François Arnaud) und Manu (Franck Gastambide), bei dem man nie so recht weiß, auf wessen Seite er steht, zusammengefunden haben. Über den Chef der Gang (Laurent Lucas und ja, seine Figur heißt wirklich nur “Le chef”;) erfährt man überhaupt nichts, was ob seines kurzen Auftritts auch ok ist. Diese zurückhaltende Offenlegung der Vorgeschichten ist ein sehr gutes Mittel, um den Zuschauer in die Situation der Geiseln zu versetzen, die ja auch überhaupt nichts über ihre Entführer wissen.

So bleibt die Spannung schon alleine deshalb auf einem anhaltend hohen Niveau, weil die Antagonisten stets unberechenbar bleiben.

Lediglich im letzten Drittel macht es den Eindruck, als würde der Streifen etwas an Drive verlieren, wobei kurze Zeit später klar wird, dass dies nur die kurze Ruhephase vor einem unglaublich großartigen Finale war. Ach, wo ich gerade von Drive spreche: Während ich mir Wilde Hunde angeschaut habe, musste ich öfter an eben jenen Film mit Ryan Gosling denken, denn beide Werke werden von stilistisch ähnlichen Retro-Soundtracks vorangetrieben, die alleine schon eine Sichtung wert sind. In Éric Hannezo’s Streifen zeichnet jedoch nicht Cliff Martinez, sondern Laurent Eyquem für die musikalische Beschallung verantwortlich und macht einen grandiosen Job! Ohne seinen Beitrag, der sich von ruhigen und zurückhaltenden Melodien, bis hin zu treibenden Beats erstreckt, wäre Wilde Hunde maximal halb so geil. Dieses Lob kann ich leider nicht für die 3D-Qualität aussprechen, welche zwar nicht schlecht, aber auch nicht mehr als Durchschnitt ist. Kann man haben, muss man aber nicht. Ansonsten ist der Film jedoch ein äußerst spannender und dank des Scores sehr atmosphärischer Thriller mit einem Finale der Marke “What the Fuck?!”. Übrigens: Wenn ihr euch das “Rudel” inklusive des Originals im Director’s Cut sichern wollt, dann weise ich an dieser Stelle gerne auf das am 23.06.2016 erscheinende Mediabook hin, welches neben beiden Versionen noch haufenweise Extras mitbringt. 

 

 

Wilde Hunde(bilder)

Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren!

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Planlos auf der Flucht? (vlnr.: Virginie Ledoyen, François Arnaud, Guillaume Gouix)

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Seiner Tochter läuft die Zeit davon. (Lambert Wilson)

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Die Lage spitzt sich immer mehr zu.

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Auf der Suche nach einer Möglichkeit zur Flucht.

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Auf der Flucht in eine Straßensperre zu geraten ist eher suboptimal.

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Zusatzinfos | Herkunftsland: Frankreich | Originaltitel: Enragés | Regie: Éric Hannezo | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 100 Min. | Verleih: Tiberius Film | DVD/BD/3D BD VÖ: 04.05.2016 | Mediabook VÖ: 23.06.2016
Wilde Hunde - Rabid Dogs (2015)
Prädikat: Ein stylischer und spannender Roadtrip.
Story75%
Schauspieler80%
Spannung90%
Inszenierung85%
83%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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