Zweifel

Zweifel 

Vorwort

Hallo liebe Leser!

Heute möchte ich mal wieder einen Gedankensplitter präsentieren. Die positive Resonanz auf das eine oder andere Gedicht hat mich letzte Woche angespornt, mal wieder die Kreativität in diese Richtung zu lenken. Eigentlich sollten es nur ein paar Zeilen werden, ich freue mich aber, dass dann doch mehr daraus geworden ist, sind die Worte doch nach einiger Zeit der Abstinenz mal wieder regelrecht aus mir herausgesprudelt. Als kleines Dankeschön für die Rückmeldungen zu meiner Seite, den Gedankensplittern im Speziellen und weil ich mal wieder etwas Neues versuchen wollte, habe ich mir für Zweifel etwas Besonderes ausgedacht. Wer also das Stück gerne auch einmal hören und nicht nur lesen möchte, dem sei der Downloadlink am unteren Ende des Beitrages empfohlen;) Wenn ihr darauf klickt, könnt ihr das von mir vorgetragene Gedicht als MP3-Datei herunterladen. Kostenlos versteht sich. Wenn ihr möchtet, könnt ihr außerdem unten in Prozenten angeben, ob und wie euch der Text gefällt. Natürlich würde ich mich auch über Feedback in Textform freuen.

Bis auf eine Lesung vor einigen Jahren im Freundeskreis ist dies das erste Mal, dass ich diese Form meiner Gedanken so präsentiere. Über Kommentare hierzu würde ich mich ungemein freuen;) Andernfalls wünsche ich euch natürlich viel Spaß mit dem neuen Stück.

Und jetzt lehnt euch zurück und genießt…Zweifel:

 

Zuhause Es ist der Abend nach einem anstrengenden Tag und ein leichter Schwindel schwächt meine Glieder. Ich besteige die Stufen im Treppenhaus, das von Rauchschwaden und dem Geruch nach Verbranntem erfüllt ist. Schneller, die Treppe hinauf, bis zu meiner Wohnungstüre, an der ein Zettel hängt. Mit verwackelter Schrift, wurde ein Wort darauf geschrieben:

ANGST

Mein Herz geht schneller und ich denke einige Stunden zurück. Hastig schiebe ich den Schlüssel in das Schloss und versetze der Tür einen Stoß. Eine Wand aus Rauch schlägt mir entgegen und treibt Tränen in meine Augen. Schnellen Schrittes betrete ich die Küche und sehe die Anrichte lichterloh in Flammen stehen. Mit einem Tuch versuche ich das Feuer zurück zu drängen, doch es ist zwecklos.

Wasser!

Auf dem Weg zum Bad sehe ich, dass das Fenster im Wohnraum weit offen steht. Das Zimmer ist leer, all mein Hab und Gut verschwunden. Lediglich ein silberner Koffer steht mit offener Klappe in der Mitte des Raumes. Flackernd heißes Licht, das die Luft verzerrt, steigt daraus hervor und verbrennt meine Gedanken in schwarze Asche, die den Boden bedeckt.

Der Schwindel wird stärker, Übelkeit steigt in mir auf und ich schmecke Galle.

Mit unsicheren Schritten gehe ich auf das Bad zu und drücke die Türklinke nach unten. Ein Schwall Wasser umspült meine Füße, zieht in meine Schuhe und Kälte kriecht meine Beine hinauf. Ich kämpfe mich durch den überfluteten Raum und drücke den Wasserhahn nach unten.

Da fällt mein Blick durch das Fenster nach draußen in den späten, dunklen Abend. Ich schaue in den Himmel, wundere mich über die tiefhängenden Sterne. Nach einer kurzen Weile stelle ich mit Erschrecken fest, dass es keine Himmelskörper sind, die da ihr Licht aussenden.

Es ist die Stadt.

Sie hängt kopfüber und spitze Dächer scheinen voller Häme auf mich zu zeigen und zu verspotten. Mein Blick wandert nach unten, dorthin, wo zuvor Straßen, Laternen und Häuser standen. Jetzt ist dort nur ein unendliches Nichts, ein Meer aus Schwärze, auf dessen Grund Sterne wie abertausende feindselige Augen zu mir hinauf starren.

Meine Beine geben nach, die Übelkeit überwältigt mich. Ich gehe zum Waschbecken, werfe mir kaltes Nass ins Gesicht, schaue in den Spiegel und…

…sehe eingefallene Wangen, fahle, blasse Haut und bleiche Augen, von denen rote Tränen in Schlangenlinien nach unten wandern. Wenige Haare stehen verdorrtem Unkraut gleich von meinem Kopf ab und mit einem letzten Gedanken erreicht mich die Erkenntnis:

Ich.bin.tot.

Während das Gefühl aus meinem Körper verschwindet, halte ich den Blick auf den Spiegel gerichtet.

Mein Ebenbild schaut mich an.

Ich halte den Blick auf den Spiegel gerichtet und spüre:

Ich.bin.am.Leben.

Draußen bricht ein neuer Tag an und ich reibe mir die Augen, fahre mir durch das Haar. Die Nacht war kurz, doch ich fühle mich gut. Mein junges Ebenbild im Spiegel lächelt mich an, dann gehe ich ins Wohnzimmer und schalte den Fernseher aus, nehme einen Zettel und schreibe ein einziges Wort darauf.

Ein letzter Schluck Kaffee und ich öffne die Tür, verlasse meine Wohnung. Bevor ich nach unten gehe, schaue ich noch einmal auf den Zettel in meiner Hand. Einen tiefen Atemzug später hänge ich ihn an die Tür und laufe zum Bus.

Er fährt los und die Landschaft zieht an mir vorüber. Kleine, moppelige Cumuluswolken kleiden das strahlend blaue Himmelsdach.

Mit einem Schmunzeln im Gesicht denke ich an heute Abend, wenn ich nach hause komme und den Zettel an meiner Tür vorfinde. Darauf werde ich ein Wort lesen:

MUT.

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