6 Ways to Die | CoverLiest man den Titel von Nadeem Soumah‘s neuestem Regiewerk, könnte man vermuten, dass es sich dabei um einen neuen Torture-Streifen handelt. Und regelmäßigen Konsumenten solch blutiger Filmkost dürfte es auch nicht schwer fallen, sich “sechs Wege zu Sterben” auszumalen…zerhacken, ertränken, verbrennen – so Sachen eben. Tatsächlich hat 6 Ways to Die mit alledem aber überhaupt nichts zu tun. Ok, um die Ermordung eines Menschen geht es hier. Allerdings soll dem Opfer, Drogenbaron Sonny “Sundown” Garcia (Michael Rene WaltonThe Mourning), vorher das Leben mächtig zur Hölle gemacht werden. Die Strippen zieht dabei der mysteriöse Fremde John Doe (Vinnie JonesSnatch), welcher sich dafür rächen möchte, dass Sonny vor vielen Jahren nicht nur ihre Freundschaft verraten, sondern auch alles zerstört hat, was ihm lieb und teuer war. Nun schickt Doe ihm sechs Verbrecher auf den Hals und gibt jedem einen Auftrag: Sie sollen ihm Freiheit, Liebe, Ruf, Gefolgschaft, Geld und letztlich das Leben nehmen. Jetzt könnte man eigentlich davon ausgehen, dass es schwer ist, an ein so hohes Tier im Drogenbusiness heranzukommen. John Doe jedoch verfügt über Mittel und Wege, die selbst für einen “Sundown” eine Gefahr darstellen. Seine stärkste Waffe jedoch ist ein Geheimnis, das im Finale alles auf den Kopf stellt…

Die Story von 6 Ways to Die strotzt zwar nun nicht gerade vor Innovation, hätte aber durchaus Potential gehabt, einen starken Thriller hervorzubringen. Das dies leider nur mäßig gelingt, liegt vor allem an der Inszenierung. Offensichtlich wollte man sich an Christopher Nolan‘s Meisterwerk Memento orientieren und erzählt so auch die hier aufgezogene Rachegeschichte rückwärts. Ergo ist der erste Auftrag, den man gezeigt bekommt der eigentlich letzte: Die Ermordung des Drogenbarons. Da dies schon kurz nach Beginn gezeigt wird, könnt ihr den Spoiler Alarmknopf wieder zur Seite schieben;) Das Problem dabei ist, dass man der Spannung schon viel zu früh den Wind aus den Segeln nimmt und bis zum Finale zu wenig nach-

schiebt, um den Zuschauer am Ball zu halten. Hinzu kommt, dass die Ausführung der sechs Aufträge viel zu einfach vonstatten geht. Da wird der mächtigste Drogenhändler Nordamerikas regelrecht herumgeschubst, ohne nennenswerten Widerstand zu leisten. Sonny scheint hier seelenruhig seinen Untergang zu beobachten. Das Verrückte ist, dass all dies im Gesamtzusammenhang absolut Sinn ergibt, allerdings kann auch das plausible und tatsächlich überraschende Finale das Ruder nicht mehr ganz herumreißen, weil es bis dahin einfach an Nervenkitzel fehlt. Vielleicht hätte Nadeem Soumah sich doch eher für die klassische Inszenierung entscheiden sollen. Diese hätte in meinen Augen gleich zwei Vorteile gehabt: Zum Einen hätte man die Spannungsschraube vom ersten Auftrag bis zur Ermordung langsam anziehen können, weil dann eben nicht von Anfang an klar gewesen wäre, dass der Antagonist am Ende stirbt. Zum Anderen würde die Auflösung immer noch funktionieren. Dies ist aber nur meine bescheidene Meinung;) 

Abgesehen davon wird in Sachen Schauspiel leider auch nur Mittelklasse serviert und teilweise wirken die Darsteller fast schon gelangweilt. Allerdings liegt dies mitunter auch an der deutschen Synchronisation, die teils schon fast an Trashniveau kratzt. Und wer wie ich nach dem Film gerne noch ein paar Interviews, ein Making-Of oder anderweitige Extras sehen möchte, schaut in die Röhre: Bis auf ein paar Trailer findet sich kein Zusatzmaterial auf der Scheibe – schade!

Das klingt nun alles sehr vernichtend und tatsächlich handelt es sich bei 6 Ways to Die bestenfalls um einen durchschnittlichen Thriller, dessen durchaus vorhandenes Potential leider nicht sonderlich gut umgesetzt wurde. Allerdings ist es auch nicht so, dass mich der Streifen überhaupt nicht unterhalten hat oder ich gar ständig auf die Laufzeit geschaut habe, in der Hoffnung, dass er bald vorbei ist. Es ist eben ein Film, den man sich am besten anschaut, wenn man gerade Lust auf was Lockeres hat, bei dem man sich nicht allzu sehr konzentrieren muss. Bevor man dann durch die TV-Programme zappt, zieht man sich dann doch lieber dieses Werk rein. 

 



Zusatzinfos | Herkunftsland: Kanada | Originaltitel:6 Ways to Sundown – Revenge is never easy | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 105 Min. | Verleih: Pierrot Le Fou Filmvertriebs-GmbH | DVD/BD VÖ: 26.02.2015
6 Ways to Die - Rache ist niemals einfach (2015)
Prädikat: Eine an sich spannende Story, die
Story75%
Schauspieler65%
Spannung45%
Inszenierung45%
58%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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