After | CoverEin nahezu leerer Bus gleitet über die nächtliche Landstraße. Lediglich Freddy (Steven Strait) und Ana (Karolina Wydra) sitzen darin und hängen ihren Gedanken nach. Sie kommen ins Gespräch, unterhalten sich über dieses und jenes. Der junge Mann ist offensichtlich verzückt von Ana und möchte sie auf einen Kaffee einladen. Sie wirkt wenig interessiert, doch Freddy gibt nicht auf. Er spielt mit seinem Charme, bringt sie zum Lachen und seine Chancen auf ein Date scheinen zu steigen. Diese aufkeimende Romanze wird jedoch jäh unterbrochen, als der Bus in einen Unfall gerät. Die beiden Passagiere werden ohnmächtig und als sie wieder erwachen, ist die Welt um sie herum nicht mehr dieselbe. Alle Menschen außer Ana und Freddy scheinen wie vom Erdboden verschluckt und am Horizont taucht plötzlich eine Art dunkler Nebel auf, der immer näher kommt. Das ist jedoch erst der Anfang…

Wer nun befürchtet, dass ich damit schon zuviel über Ryan Smith‘s ersten abendfüllenden Film verraten habe, den kann ich beruhigen. Eine Stärke von After ist nämlich, dass die Zusammenhänge nur stückchenweise aufgedeckt werden und so bis zum Ende die Spannung erhalten bleibt. Selbst die relativ frühe Beantwortung der Frage, was es mit der scheinbar menschenleeren Welt auf sich hat, tut dem keinen Abbruch, denn anstatt danach in eine inhaltslose Inszenierung abzudriften, wirft der Film weitere Fragen auf und hat mich so ein ums andere mal auf’s Neue abgeholt.

Gleichwohl sollte man hier keinen Nailbiter erwarten. After wird in ruhigen Tönen erzählt, gleitet fast schon gemächlich dahin und konzentriert sich auf seine beiden Protagonisten, die den Film nahezu komplett alleine tragen. Umso bedauerlicher ist es, dass gerade die Beziehung zwischen Ana und Freddy nicht so recht an mich ging. Der Plot hätte definitiv das Potential dazu gehabt, eine ergreifende Geschichte zu erzählen, jedoch bewegt man sich mit der Umsetzung immer auf einem recht oberflächlichen Niveau. Das dies auch im Fantasygenre durchaus anders aussehen und einen gar zu Tränen rühren kann, ohne ins Pathetische abzu-

driften, hat David Mackenzie 2011 mit seinem Meisterwerk Perfect Sense gezeigt. Was After jedoch durchaus gut auf die Reihe bekommt, ist der Aufbau einer düsteren Atmosphäre. Dies ist insbesondere auf das Spiel mit den Farben zurückzuführen. Während die Szenen aus der Vergangenheit in warmen Sepiatönen gehalten sind, ist die Gegenwart in dunkles und kaltes Blau getaucht. Dadurch kommt eine melancholische, wenn auch nicht bedrückende Stimmung auf, die ich sehr gut fand. 

Ganz anders sieht das wiederum bei der Synchronisation aus. Hierfür stand scheinbar nicht mehr allzu viel Budget zur Verfügung, denn während Freddy und Ana noch recht akzeptabel gesprochen werden, ist die Qualität bei den Nebendarstellern teils dermaßen schlimm, dass ich das Gefühl hatte, einen Trashstreifen allerletzter Güte zu sehen. Das wirkt sich dann leider wieder zu Ungunsten der Atmosphäre aus, was aufgrund der visuell starken Umsetzung sehr schade ist. Zwischendurch habe ich dann mal auf englische Originalsprache umgestellt, doch obwohl ich normalerweise selbst slanggetränktes Englisch einigermaßen verstehe, hatte ich insbesondere bei Steven Strait starke Verständnisprobleme. Sicher gibt es viele, die hier noch locker mitkommen, alle anderen können sich leider auch nicht mit Untertiteln aushelfen, denn diese gibt es nicht, was heutzutage eigentlich ein No-Go ist. 

Hinsichtlich der Effekte und der Schauspieler bewegt sich der Film auf Durchnschnittsniveau. Dies ist auch ein gutes Stichwort, um After abschließend nochmal in seiner Gesamtheit zu betrachten. Während manche Aspekte, wie die Bildsprache oder die Story, durchaus eine sehr gute Basis bilden, liefert man in anderen Bereichen das Kontrastprogramm (Synchro und fehlende Untertitel). So pendelt sich der finale Eindruck im Mittelfeld ein, was bei dem vorhandenen Potential schade ist. Eine Idee davon, wie der Film hätte werden können, vermittelt der Trailer, den ihr euch unten anschauen könnt. Hier wird eine Stimmung präsentiert, die das Ergebnis bedauerlicherweise nicht ganz halten kann. Grundsätzlich kann man sich das Teil aber durchaus mal anschauen, nur sollten die Erwartungen dann nicht allzu hoch geschraubt werden.

 



Zusatzinfos | Originaltitel:  After | Freigabe: FSK 16 | Uncut: ja | Spieldauer: 90 Min. | Studio (Verleih): Alive – Vertrieb und Marketing/DVD | BR/DVD VÖ: 24.04.2015
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https://www.youtube.com/watch?v=Bz4jVO27bhM
After (2012)
Prädikat: Da wäre mehr drin gewesen.
Story80%
Schauspieler75%
Inszenierung65%
Atmosphäre72%
73%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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