Es gibt Filme, die haben das Potential Menschen ganz tief zu berühren. Filme, die direkt ins Herz gehen, weil sie so schön sind, dass man es kaum noch zu erfassen mag. Für mich war „Into the Wild“ ein solcher Film, den ich, seitdem ich ihn das erste Mal gesehen habe, neben „Fight Club“ zu meinen all-time Favourites zähle. Und jetzt kommt „Away we go“…

Burt und Verona bekommen ein Baby. Was eigentlich eine schöne Neuigkeit sein sollte kommt für die beiden in erster Linie einmal überraschend. Haben sie bisher eher in den Tag hineingelebt sehen sie sich nun mit einer Zukunft konfrontiert, in der sie Verantwortung für ein neues Leben übernehmen müssen und auf die sie so gar nicht vorbereitet zu sein scheinen. Wie soll das Leben zu dritt aussehen? Wie gibt man einem Kind all das, was es braucht um glücklich zu sein? Wie stemmt man die Aufgaben, die da auf einen zukommen? Naja, wenigstens kann man auf die Unterstützung von Burts Eltern setzen, die im gleichen Ort wohnen…oder doch nicht? Diese geben nämlich völlig überraschend bekannt, dass sie nach Belgien auswandern. Da sie nun auch nichts mehr hier hält beschließen Verona und Burt nach einem neuen zuhause zu suchen. Auf ihrer Reise, die sie unter Anderem nach Phoenix, Montreal und Miami führt besuchen sie Verwandte und Freunde und versuchen Orientierung für die Zukunft zu finden.

Es beginnt ein Roadmovie der soviel Charme, soviel Witz und Liebe zum Leben vermittelt, dass man nicht anders kann als sich darin zu verlieren. Die Charaktere sind dabei so schrullig wie normal. Angefangen bei dem leicht chaotischen und dennoch äußerst liebevollen Burt und seiner ob ihrer vagen Zukunftsvorstellungen ängstlichen Freundin Verona bis hin zu der hardcore-esoterischen mehr-oder-weniger Cousine, die Kinderwagen als eine Ursache dafür sieht, dass unsere Welt zugrunde geht. Dann gibt es da noch das befreundete Pärchen, das gerne mal einen zuviel hebt, auf Hunderennen setzt und Witze über die eigenen Hängebrüste macht. Da scheinen die ehemaligen Kommilitonen schon etwas bodenständiger zu sein. Unfähig eigene Kinder zu bekommen haben sie sich für den Weg der Adoption entschlossen und hier scheint alles perfekt zu sein…oder? Egal auf wen sie treffen, alle stehen sie für unterschiedliche Lebensstile und bei allen spielen Kinder auf die eine oder andere Art eine tragende Rolle. So erhoffen sich Burt und Verona ein Bild davon machen zu können, wie ihre Zukunft aussehen soll. Auch die Überlegung, ob man, wenn ein Kind ansteht, heiraten sollte steht dabei im Raum und wird ganz bodenständig beantwortet.

Der Film stellt also essentielle Fragen zum plötzlichen und notgedrungenen Erwachsenwerden. Was stockernst klingt kommt dabei vollkommen locker und teils sehr, sehr lustig daher. Der Witz bedient sich meist der Situationskomik und schießt so plötzlich um die Ecke, dass man in dem Moment besser nichts zum Trinken in der Hand hat (Verschüttungsgefahr!). Es ist also alles Andere als ein trauriger Film, vielmehr ein nachdenklicher. Dabei verwundert es auch nicht, dass Sam Mendes (American Beauty) hier die Regieführung innehatte.

Neben den Schauspielern John Krasinski (Burt) und Maya Rudolph (Verona), die die Rollen absolut fantastisch ausfüllen, gibt es aber auch bis in die kleinste Nebenrolle keinen Ausfall. Dort begegnen einem bekannte Schauspieler wie Jeff Daniels (Arachnophobia, Speed) , Maggie Gyllenhaal (Donnie Darko, The Dark Knight / im Übrigen grandios in der Rolle der esoterischen Cousine) und Catherine O´Hara (die Mutter aus den „Kevin allein…“-Filmen). Da ich mit vielen Filmen, in denen diese Schauspieler eine Rolle hatten, aufgewachsen bin, war es eine helle Freude diese gesammelt in einem so tollen Film zu sehen.

Der Soundtrack spielt hier ebenfalls ein große Rolle und kann mit einem Wort zusammengefasst werden: Wunderschön! In dem Moment wo der Abspann lief habe ich mir den OST auch sogleich gekauft und momentan läuft er im Hintergrund. Die meisten Songs sind von Alexi Murdock und haben ein sehr ruhigen, gitarrengetragenen Sound, der einen unbeschreiblich schönen Klangteppich für die Stimme von „Mr. Murdock“ bildet. Mit je einem Song sind aber auch The Stranglers, Bob Dylan , George Harrison und The Velvet Underground vertreten. Wer ruhige, fast schon träumerische Musik mag, die auch jedes noch so dunkle emotionale Tief zu erhellen vermag, der ist hier an der richtigen Stelle.

Mehr gibt es zu Away we go nicht zu sagen, denn jeder Versuch zu beschreiben, wie tief mich dieser Film berührt hat wäre zum Scheitern verurteilt. Kann man sich in einen Film verlieben? Ich glaube ja.

Euer /Anawak

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