Feierabend? Denkste!

Demonic - Haus des Horrors | ©TiberiusFilmGerade noch stand Detective Mark Lewis an der Tanke, um ein “gutes” Fläschchen Wein für einen gemütlichen Abend mit seiner Freundin zu holen, im nächsten Moment muss er sich auf den Weg zu einem leerstehenden Haus machen, wo laut eines Notrufs frisches Blut gefunden worden sei. Am Ort des Geschehens angekommen, nimmt Lewis die Bude erst einmal selbst in Augenschein und muss schnell feststellen, dass aus dem geplanten Rendezvous an diesem Abend wohl nichts mehr werden dürfte. Neben dem Blut findet er nämlich auch drei Leichen und den vollkommen desorientiert wirkenden John. Die erste Befragung des Burschen ergibt, dass zwei weitere Freunde wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheinen. Obwohl Lewis sich ziemlich sicher ist, mit John den Verantwortlichen für die schrecklichen Ereignisse gefunden zu haben, holt er seine Freundin, Dr. Elizabeth Klein, die zufälligerweise Psychologin ist, zur Hilfe. Diese versucht zu dem Verdächtigen vorzudringen und herauszufinden, was genau vorgefallen ist. Der junge Mann redet aber immer wieder davon, dass das Haus seine Freunde umgebracht habe. Das klingt dann auch in den Ohren der Fachärztin arg Banane. Parallel zu der Befragung werten die Polizisten das auf Festplatten enthaltene Videomaterial aus, welches von den Freunden in jener Nacht aufgenommen wurde. Die Daten sind zwar aus unerfindlichen Gründen stark beschädigt, aber nach und nach lässt sich manches davon retten. Es scheint ganz so, als hätten die Jungs und Mädels versucht, Geistererscheinungen auf Video zu bannen und zu diesem Zwecke auch eine Séance abgehalten. Schließlich verdichtet sich der Verdacht, dass an John’s Aussagen doch etwas dran sein könnte…

 

Demonic - Haus des Horrors | ©TiberiusFilm

Einmal, nur einmal möchte ich pünktlich Feierabend machen!

Demonic - Haus des Horrors | ©TiberiusFilm

Erstmal schön den Puls messen…

 

Vergangenheit und Gegenwart

Gute fünf Minuten – mehr braucht der Film nicht, um kräftig an Fahrt aufzunehmen. Nachdem ich erst so meine Zweifel hatte, ob ich den Film (ob eines harten Arbeitstages) wach überstehe, saß ich schon nach kurzer Zeit gespannt vor der Mattscheibe. Das lag weniger daran, dass ständig irgendetwas passierte, sondern vielmehr an dem Erzählstil. Nach einer kurzen Einleitung werden parallel zu der Aufklärungsarbeit von Mark Lewis (Frank Grillo, The Grey) und Dr. Klein (Mario Bello, A History of Violence) peu á peu die Geschehnisse des vorangegangenen Tages und der verhängnisvollen Nacht gezeigt. Erst dadurch erfährt der Zuschauer etwas über John (Dustin Milligan, Slither), seine Freundin Michelle (Cody Horn, End of Watch), ihren Ex-Freund Bryan (Scott Mechlowicz, Peaceful Warrior) sowie Jules (Megan Park, Diary of the Dead), Sam (Alex Goode) und Donnie (Aaron Yoo, Disturbia). Dabei wird sich allerdings auf das absolut Wesentliche und leider auch ziemlich Belanglose konzentriert: Die Rechnung “Hübsches Mädchen + Freund + Ex-Lover = Krieg” zündet einfach nicht mehr und auch sonst bleiben die Charaktere ziemlich blass. Glücklicherweise weiß Regisseur Will Canon (Brotherhood) die im Filmbusiness schon fast inflationär verwurstete Story mit einer Dynamik zu versehen, die Demonic mit einem schön vorwärts gerichteten Drive veredelt. Durch den häufigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die nur zögerliche Freigabe von Informationen sowie die selten, aber dafür effektiv eingesetzten Jump scares bleibt ein permanentes Spannungslevel erhalten. Dieses entlädt sich schließlich in einem temporeichen Finale, dessen Twist allerdings weder überraschend kommt, noch so gut umgesetzt wurde, wie es der vorangegangene, dramatische Aufbau erhoffen lässt. 

 

Demonic - Haus des Horrors | ©TiberiusFilm

Mit dickem Gepäck ab ins “Haus des Horrors”

(dem Titelgeber gehört eine gewatscht!)

Demonic - Haus des Horrors | ©TiberiusFilm

Es gibt gute und es gibt schlechte Ideen…

hier eine Séance (schlechte Idee).

 

Die Marke James Wan

Ich finde es ja immer etwas frech, wenn das Marketing mit einem großen Regisseur oder Produzenten wirbt, obwohl dieser offensichtlich nur die Kohle und nichts oder nur wenig von seiner Kreativität hat einfließen lassen. Unmöglich finde ich es einerseits deswegen, weil dem naiv veranlagten Kunden weisgemacht werden soll, dass hier großer Filmschaffender am Werk war, aber auch, weil der eigentliche Verantwortliche nicht für sein Werk stehen darf…oder muss, je nach Qualität des Streifens. Im Falle von Demonic und James Wan (Saw, Insidious, The Conjuring), der hier als Produzent fungierte, sieht die Lage allerdings etwas anders aus. Wer die Werke des kreativen Malaysiers kennt, der wird auch um seine einzigartige Handschrift wissen, mit der er selbst abgedroschenen Themen eine neue Würze verleihen kann. Auch in Will Canon’s Werk findet sich die Marke James Wan wieder. Dies trifft insbesondere auf das Finale zu, dessen Spannungsaufbau mich gar ein wenig an Saw erinnert hat. Ein weiteres interessantes Element sind die Versatzstücke aus dem Found Footage Genre, die wie selbstverständlich in die Inszenierung eingeflochten wurden, ohne auch nur im Geringsten zu stören. Solche Ideen und ihre Umsetzung zeugen von einem kreativen Querdenker mit dem richtigen Gespür für’s Timing. Selbstverständlich sollen all diese positiven Aspekte des Films nicht alleine James Wan zugeschrieben werden, es kam Will Canon und seinem Werk jedoch sicherlich zugute, ihn als Inspirationsquelle im Hintergrund zu wissen. 

Jetzt komm mal zum Punkt!

Mit Demonic erwartet Freunde des gepflegten Horrorthrillers ein Streifen, der zwar nicht über alle Zweifel erhaben ist, dessen Stärken ihn jedoch in der oberen Liga des Haunted House Genres mitspielen lassen. Seine Faszination zieht er dabei insbesondere aus der tollen Inszenierung, der ungewöhnlichen Kombination von Genreelementen und der Frage, was tatsächlich in jener Nacht vorgefallen ist. Diese Aspekte lassen schließlich auch die im Kern belanglose Story, die flachen Charaktere und einen leider nur mittelmäßigen Finaltwist verzeihen. Ab dem 5. November 2015 könnt ihr euch persönlich ein Bild davon machen, denn dann steht das Teil im Laden. Wer übrigens überlegt, sich den Film in 3D zu geben, der darf beruhigt zuschlagen! Zwar gibt es keine Popouts, der ohnehin spannenden Erzählung kommt die klasse umgesetzte Technik aber definitiv zugute. Wer es dann noch richtig fett haben möchte, der dunkelt sein Zimmer ab und dreht die Anlage auf…aber das sollte bei diesem Genre ohnehin Pflichtprogramm sein;)

 

Zusatzinfos | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 83 Min. | Verleih: Tiberius Film | 3D BR/BR/DVD VÖ: 05.11.2015
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https://www.youtube.com/watch?v=s75Ax1cuVjA
Demonic - Haus des Horrors (2015)
Prädikat: Kleiner Inhalt, große Inszenierung!
Story55%
Schauspieler80%
Spannung85%
Inszenierung88%
77%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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