Ende Januar 1959 machte sich eine Gruppe von acht Männern und zwei Frauen auf den Weg zu dem Berg Otorten in Russland um dort Ski zu fahren. Diesen Ort erreichten sie jedoch nie. Bis Mitte Februar besagten Jahres dauerte es, bis ein Suchtrupp ausgesandt wurde. Am 26. des Monats fand man das verlassene Lager der Vermissten im nördlichen Ural, 10 km südlich des Otorten. In der Nähe der stark beschädigten Zelte fand man fünf Leichen von denen einige trotz der eisigen Temperaturen nur Unterwäsche trugen. Die vier anderen fand man erst 2 Monate danach. Bei der darauffolgenden Obduktion stellte man bei diesen später gefundenen Leichen teils enorm schwere Verletzungen wie Schädelfrakturen und Rippenbrüche fest, wie sie von keinem Menschen zugefügt werden könnten. Weitere Fragen wurden aufgeworfen, da man keine äußeren Wunden an besagten Opfern fand. Bis heute wurde nicht gänzlich aufgeklärt, was seinerzeit geschehen ist. Lediglich einer der zehn überlebte, da dieser die Reise aus gesundheitlichen Gründen nach einem Tag abbrechen musste. Der Ort des Unglücks wurde nach dem Leiter der Gruppe, Igor Djatlow benannt – der Djatlow-Pass…

Soweit die Fakten, auf denen „Devil´s Pass“ basiert (Interessierte können weitere Details zu den Vorfällen hier bei Wikipedia nachlesen). In dem Film von Regisseur Renny Harlin („Stirb Langsam 2“, „Cliffhanger“) macht sich eine Gruppe aus 5 Hobby-Filmern auf zum Djatlow-Pass um eine Dokumentation über die damaligen Geschehnisse zu drehen. Im verschneiten Russland angekommen wollen Holly, JP, Jensen, Denise und Andy zunächst den Überlebenden, Pjotl Karov, interviewen. Dieser hatte nach den Vorfällen einen Nervenzusammenbruch und wurde in eine Psychiatrie eingewiesen. Dort angekommen wird die Gruppe von Ärzten aufgefordert das Grundstück zu verlassen – Karov wäre ohnehin gestorben. Im selben Moment hält ein älterer Mann aus dem Innern der Anstalt ein Pappschild mit russischen Schriftzeichen an das Fenster. Kurz danach stellt sich heraus, dass auf dem Schild „Bleibt weg“ stand. Zu spät müssen die fünf feststellen, dass sie dem Rat hätten folgen sollen…

Found footage – ein Begriff, den viele Filmliebhaber überhaupt nicht gerne hören. Viele wissen jedoch nicht, dass sich dieses Sub-Genre seit „The Blair Witch Project“ stetig weiterentwickelt und fest in der Filmlandschaft verankert hat. Schon lange ist es nicht mehr nur im Indie-Bereich zuhause. Große Produktionen wie „Cloverfield“ bedienen sich ebenfalls der Wackelkamera-Optik und machen diese auch außerhalb des Horror-Genres populär. Letzteres jedoch ist es aber, das im nahezu wöchentlichen Rhythmus neue Werke in diesem Stile zutage fördert. Dazu gehört der kürzlich erschienene „Devil´s Pass“, ein Film, der es seit vielen, vielen Jahren mal wieder geschafft hat, dass ich nicht mehr hinschauen wollte…vor Angst!

Kein Zutritt...Rausschmiss aus der Psychiatrie…

Der Streifen hat seine Schwächen, keine Frage. Bedauerlicherweise sind es genau die Schwächen, die in den meisten Found footage-Filmen auftauchen. Warum wird weiter gefilmt, obwohl man offensichtlich in Lebensgefahr schwebt? Warum muss man diese eine Tür öffnen, auch wenn dahinter ganz eindeutig eine Gefahr lauert? Ja, leider Gottes brechen sich viele Filme dieser Art alleine mit diesen beiden Aspekten selbst das Genick und können dies auch kaum verhindern. Denn auf der einen Seite will das Sub-Genre möglichst glaubwürdig sein, auf der anderen Seite will man dem Zuschauer ja auch etwas zeigen und das geht eben in aller Regel nur, wenn die Protagonisten Gefahren in Kauf nehmen, bei denen sich der normale Menschenverstand mit Grausen abwenden würde. Und das dabei immer weiter gefilmt wird…tja, das wären eben kurze Filme, wenn die Kamera ausgemacht würde, sobald es gefährlich wird. Das man dieses Dilemma auch sehr geschickt umgehen kann zeigte „Chronicle“, aber auch „Devil´s Pass“ geht nicht gänzlich ungeschickt mit der Problematik um. In dem Moment nämlich, wo man sich als Zuschauer denkt „Ok, jetzt mach die scheiß Kamera aus und sieh zu, dass du Land gewinnst!“ ist es a) schon zu spät und b) zeitweise dann so dunkel, dass die Kamera als einzige Lichtquelle herhalten muss. Aber diesem Punkt gehen schon etliche (zunächst) unlogische Entscheidungen voraus. Generell wirken Teile der Story gerade in der ersten Hälfte arg konstruiert. Beispielsweise sind die Konflikte, die sich innerhalb der Gruppe ergeben, wenig glaubhaft und erscheinen aufgesetzt.

Der Film schafft es dennoch recht geschickt diese Kritikpunkte in den Hintergrund zu drängen. Nach gut 40 Minuten gibt es da nämlich diese Szene, die sich ganz still und heimlich im Hintergrund abspielt, keine 5 Sekunden dauert und von der die Protagonisten nichts mitbekommen…aber alleine dieser kurze Moment hat gereicht um mich die nächsten gut 50 Minuten das Grauen zu lehren, denn gerade, dass die fünf Hobby-Filmer keinen Schimmer haben, was sich da hinter ihren Rücken abgespielt hat, treibt die Spannung ins nahezu Unerträgliche. Ständig wünscht man sich, sie mögen sich doch nochmal das Filmmaterial anschauen (wie in diesem Genre üblich filmen die Protagonisten selbst, was der Zuschauer sieht) um zu sehen, was da aufgezeichnet wurde. Stattdessen machen sie einfach weiter und man selbst bleibt mit dem Wissen zurück, dass da früher oder später, aber ganz sicher irgendwann eine ganz fiese Szene kommen wird. Und das ist die große Stärke von „Devil´s Pass“. Das Spiel mit dem Unbekannten, das bis zuletzt ausgereizt wird, nur um dann kurz vor Schluss in einer interessanten und innovativen Auflösung zu resultieren.

Mir hat es danach jedenfalls gereicht. Ich schaue mir wirklich viel shit an und kann bei den meisten Gruslern sogar noch recht entspannt einschlafen…nach diesem hier hatte ich jedoch ein echt mulmiges Gefühl. Nicht, dass ich mich schlecht gefühlt habe – ich musste einfach noch lange über das Ende nachdenken und spätestens, als ich heute mal recherchiert und herausgefunden habe, dass die Vorkommnisse, auf denen der Film basiert, wirklich geschehen sind, musste ich meine zunächst noch recht durchwachsene Meinung doch nachträglich revidieren…denn plötzlich möchte ich selbst wissen, was damals passiert ist, finde es aber gleichzeitig unheimlich. Wie weit würde ich gehen? Würde ich am Djatlow-Pass übernachten? Ganz sicher nicht, aber alleine, dass ich mir diese Gedanken mache wertet den Film doch ungemein auf…

Zuletzt ist „Devil´s Pass“ also ein wirklich gemeiner Horrorstreifen mit einigen Schwächen, aber der großen Stärke, dass er mir Angst bereitet hat. Respekt! Er sei also jedem empfohlen, der sich gerne mal richtig gruselt…außer ihr mögt das Found footage-Genre nicht, aber in diesem Fall habt ihr sicherlich gar nicht erst so weit gelesen.

Bis demnächst,

euer /anawak

 

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