Die Fliege BluRay | Cover ©20th Century FoxMindestens 15 Jahre ist es her, seit ich mir das letzte Mal David Cronenberg‘s Remake von Kurt Neumann‘s Die Fliege (1958) angeschaut habe. Doch letztes Wochenende war es mal wieder an der Zeit und wie so oft bei Filmen, die man lange nicht gesehen hat, war die Spannung groß. Kann das Werk mich nochmal genauso begeistern, ekeln und fesseln, wie es damals der Fall war? Mittlerweile haben sich ja nahezu alle Bereiche des filmischen Schaffens verändert und Vieles, was man sich in den 80er/90er Jahren voller Euphorie immer wieder angesehen hat, ist zwar noch ok, erzeugt aber nicht mehr jene BÄM-Momente von anno dazumal. Dieses Werk allerdings ist in Würde gealtert und hat überhaupt nichts von seiner Faszination verloren. Warum mich der vor drei Dekaden entstandene Streifen wieder genauso zu packen vermochte, wie in meiner Teenagerzeit, das erfahrt ihr im folgenden Artikel…

Seth Brundle (gespielt vom unverwechselbaren Jeff Goldblum, bekannt aus Jurassic Park und Independence Day) ist durch und durch das, was man heutzutage einen Nerd nennen würde: Er kleidet sich immer gleich, geht wenig aus dem Haus und verbringt seine gesamte Zeit damit, ein höchstkomplexes, technisches Projekt zu vollenden. Sinn und Zweck der von ihm entworfenen Gerätschaften soll es sein, Materie von einem Ort zu einem anderen zu teleportieren. Mit leblosen Gegenständen klappt das auch schon ziemlich gut, wenn er aber beispielsweise einen Affen in eine der beiden eiförmigen Maschinen steckt, kommt dieser als unschöner, zappelnder Mischmasch aus Blut und Innereien auf der anderen Seite an. Brundle scheint in einer Sackgasse festzustecken. Und was macht man da am Besten? Man beschäftigt sich einfach eine Weile mit etwas ganz Anderem und sucht etwas Zerstreuung. Diese findet er auch, als er die liebreizende Veronica (Geena DavisBeetlejuice) kennenlernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Und siehe da: Es dauert nicht lange, bis er die Lösung des Problems findet. Also schnell noch etwas an dem hässlichen, klobigen Ding geschraubt, das man seinerzeit Computer nannte, und einen erneuten (Affen-)Test gestartet. Nachdem dieser erfolgreich verlaufen ist, schlägt Brundle’s Euphorie allerdings schnell in die Befürchtung um, dass Veronica ihn mit ihrem Ex hintergeht. Enttäuscht und aufgebracht schaut er an jenem Abend tiefer in die Flasche, als es gut für ihn ist und unternimmt in seinem Rausch einen unüberlegten Selbstversuch. Dieser verläuft jedoch nicht so, wie er sich das gedacht hat und damit beginnt eine tragische als auch so noch nicht gesehene Geschichte…

Wie, so noch nicht gesehen? Ist doch’n Remake?! Ja, stimmt, allerdings darf man hier mit Fug und Recht behaupten, dass David Cronenberg’s Version von Die Fliege eine der (zugegebenermaßen wenigen) Neuverfilmungen ist, die sich ihre Daseinsberechtigung nicht nur hart erarbeitet, sondern auch mehr als verdient haben. Vom notgedrungenen Absprung des ursprünglich angedachten Regisseurs Robert Bierman, der das Projekt aufgrund eines tragischen Zwischenfalls in der Familie nicht mehr umsetzen konnte bzw. wollte, bis hin zu den ersten Testaufführungen, die alles Andere als gut ankamen, hat der Streifen eine lange und beschwerliche Reise hinter sich gebracht. Letztendlich haben diese Unwegsamkeiten aber sogar dazu beigetragen, dass aus dem Werk ein extrem gut gealterter Klassiker geworden ist, der auch nach 30 Jahren noch wunderbar funktioniert. Was wäre beispielsweise herausgekommen, wenn nicht der visionäre Cronenberg (A History of ViolenceVideodrome) das Regiezepter in die Hand genommen hätte oder man nach der desaströsen Aufführung vor einem Testpublikum, bei der sich mancher Zuschauer ob der Ekelszenen übergeben musste und einige sogar die Leinwand bzw. das Filmteam selbst beschimpften, um eine Entschärfung der Gewaltdarstellung bemüht gewesen wäre? Auch die Besetzung von Jeff Goldblum wäre fast zur Hürde geworden, hielt der damalige Studioboss Larry Gordon ihn doch für den falschen Kandidaten. Ein Glück überließ er die Entscheidung letztlich den für das Casting zuständigen Personen. All das hätte schief gehen können und es ist mehr als fragwürdig, ob in diesem Falle ein ähnlich meisterhaftes Werk entstanden wäre.

Was aber macht den Streifen denn jetzt zu einer wahren Perle des klassischen und neuzeitlichen Kinos? Da wäre zum Einen der großartige Cast, allen voran selbstverständlich Goldblum himself in einer seiner außergewöhnlichsten Darbietungen. Ich sehe dem Kerl ja unheimlich gerne zu und auch in Die Fliege lie-

fert er ein großartiges Schauspiel ab, welches man in dieser Form nur von ihm kennt. Dabei stellte seine Rolle als Seth Brundle ganz besondere Herausforderungen an ihn, denn abgesehen von der körperlichen Verwandlung musste er peu á peu vom Protagonisten zum Antagonisten übergehen, dabei aber immer noch die Sympathie für seinen Charakter bewahren. Dies ist ihm definitiv gelungen und so kann sein Schauspiel mich heute immer noch stark berühren, was die finale Szene selbstverständlich nicht erträglicher macht.

Nun soll jedoch nicht das ganze Lob des Casts auf Goldblum fallen, denn auch seine Kollegen machen einen sehr guten Job. Da wäre zum Beispiel die zauberhafte Geena Davis, die ihre bravouröse Hälfte sowohl zum dramaturgischen Aufbau, als auch zu besagter herzzerreißenden Schlusssequenz beiträgt. Abgesehen davon ist sie ein Bild von einer Frau! Auf John Getz in der Rolle von Veronicas’ Ex Stathis Borans trifft Letzteres selbstverständlich nicht zu. Dafür liefert er aber schauspielerisch genauso ab und weiß die Entwicklung seiner Figur, welche konträr zu der des Seth Brundle verläuft, klasse umzusetzen. Apropos Wandlung der Charaktere: Da möchte ich auch das Drehbuch aus der Feder von George Langelaan, Charles Edward Pogue und David Cronenberg loben, weil hier die Trennlinie zwischen dem “Guten” und dem “Bösen” schlichtweg nicht vorhanden ist. Das sieht man nur selten in Filmen, obwohl es so eine sympathische und angenehme Wirkung haben kann, wenn man keine der Figuren hassen “muss”, nur weil die Filmemacher es so wollten. Bravo!

Die Fliege | Scheiß AkneScheiß Akne!

Und dann wären da ja noch die Spezialeffekte, welche bei der heutigen Flut an CGI sogar noch besser wirken, als es anno 1986 der Fall gewesen sein muss. Die äußerliche Veränderung von Jeff Goldblum wurde formidabel umgesetzt und hat nichts von ihrer abstoßenden Wirkung verloren (ich sage nur Fingernägel und Nahrungsaufnahme). Was diesen Punkt angeht kann Cronenberg’s Werk selbst gegen handgemachte SFX in aktuellen Streifen mühelos bestehen. Umso erfreulicher ist es, dass die BluRay-Fassung von 2008 sehr gut gelungen ist und den Film als optischen Leckerbissen präsentiert. Außerdem hat man es sich nicht nehmen lassen, die Disc mit haufenweise Extras zu bestücken, die ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann. Hier finden sich u.a. zahlreiche Hintergrundinfos zu der Entstehungsgeschichte, den Erfahrungen der Crew und den Effekten. 

Wenn man nun unbedingt etwas zum Meckern sucht, dann wird man einen solchen Anlass höchstens in Bezug auf das uninspirierte Cover finden. Da möchte ich jetzt aber aus der Mücke keinen Elefanten machen (jepp, der musste jetzt noch sein) und außerdem hat das Label ´84 Entertainment gerade in den letzten Jahren einige Mediabook und Hartbox-Editionen mit fantastischen Artworks auf den Markt gebracht. 

Zusammenfassend kommt für mich also nichts Anderes infrage, als Die Fliege als ein zeitloses Meisterwerk des Creature Horrors zu bewerten, welches in jede anständige Genresammlung gehört. Solltet ihr das Teil also noch nicht kennen, dann wisst ihr ja nun, was ihr zu tun habt;)

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: The Fly | Regie: David Cronenberg | Freigabe: FSK 18 | Uncut: Ja | Spieldauer: 95 Min. | Verleih: 20th Century Fox | DVD VÖ: 21.06.2001 | BD VÖ: 30.05.2008 | BD MB (’84 Entertainment/Fox) VÖ: 29.08.2014 | BD Hartbox (’84 Entertainment/Fox) VÖ: 20.07.2015
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https://www.youtube.com/watch?v=9qiee9rRHPo
BMTH Classics #02: Die Fliege (1986)
Prädikat: Ein zeitloses Meisterwerk.
Story83%
Schauspieler92%
Spannung92%
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Leserwertung: (0 Votes)
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