Enemy Mediabook | Cover | ©Capelight/A!iVEJake Gyllenhaal ist ohne Frage einer der besten Schauspieler unserer Zeit – das ist meine ganz persönliche Meinung, die ich mit jedem neuen Werk, in dem er mitspielt, bestätigt sehe. Der erste Film mit ihm, den ich gesehen habe, war Donnie Darko und ähnlich (wenn auch nicht ganz so krass) wie Mulholland Drive oder Lost Highway von Mindfuck Mastermind David Lynch, hat auch dieser mein Hirn in einen Mixer gesteckt und anständig durchgewühlt. Es gibt nicht viele Streifen, die es schaffen, mich dermaßen aus dem Konzept zu bringen, dass ich während des Abspanns nicht anders kann, als fassungslos vor der Glotze zu hocken. Bis zum letzten Wochenende waren auch schon wieder ein paar Jahre ins Land gezogen, seit es mir zuletzt so ergangen ist. Das hat sich dann jedoch mit Enemy geändert, in dem Gyllenhaal nicht nur eine, sondern direkt zwei Rollen bekleidet. Zunächst aber lernen wir ihn nur als Adam kennen, einen Uniprofessor, der nicht nur mit seinem Job, sondern auch mit seiner Beziehung zu Mary (Mélanie Laurent) unzufrieden zu sein scheint. Sein langweiliges Leben erfährt jedoch einen Ruck, als er eines abends in einem Film sich selbst sieht. Vollkommen irritiert (wer wäre das nicht?) recherchiert er den Namen des Schauspielers und findet dessen Telefonnummer und Adresse heraus. Als er Anthony dann zum ersten mal begegnet, ist er wie von den Socken: Der Typ gleicht ihm wirklich in jeder Hinsicht! Je besser er sein Gegenüber jedoch kennenlernt, desto mehr wird seine Faszination zu einem tiefen Unbehagen und schließlich zu Angst. Warum? Nun, das ist nur eine von vielen Fragen, die man sich zurecht nach knapp 90 Minuten stellen darf…

Regisseur Denis Villeneuve, der auch schon für die beiden fantastischen Filme Prisoners (ebenfalls mit Jake Gyllenhaal) und Sicario verantwortlich zeichnete, ist mit Enemy ein extrem intensiver Trip gelungen, der mich auch jetzt noch in meinen Gedanken begleitet. Dies liegt vor allem an der Schlussszene, die mir, obwohl bar jeglicher Anlehnung an das Horrorgenre, einen regelrechten Schock versetzt hat. Jenes so kurze wie wuchtige Finale wirkte wie ein brutaler Schlussstrich, der das Ende einer tiefenpsychologischen und zu zahlreichen Interpretationen einladenden Story markiert. Tatsächlich war ich danach erst ein-

mal so “durch”, dass ich nicht anders konnte, als mir die Extras anzuschauen, um mir wenigstens ein grobes Bild davon zu machen, worum es hier gehen soll. Mein Tipp jedoch an euch: Nehmt den Film erst einmal so wie erst ist, schlaft eine Nacht drüber und macht euch eure eigenen Gedanken. Im Anschluss solltest ihr euch aber zumindest noch die Interviews mit den Hauptdarstellern und dem Regisseur geben, die einen guten Eindruck davon vermitteln, in welche Richtung Villeneuve’s Interpretation der Buchvorlage Doppelgänger (geschrieben von dem verstorbenen Nobelpreisträger José Saramago) gedacht ist. Danach bleibt immer noch genügend Freiraum, um das Gesehene anders zu deuten, was wiederum für die Story und deren Inszenierung spricht. 

Wo ich gerade beim Thema Umsetzung bin: Solch ein Projekt schauspielerisch mit Leben zu füllen, ist mit Sicherheit eine immense Herausforderung, zumal Enemy bis auf wenige (dafür aber umso intensivere) Szenen sehr effektarm ist und sich voll auf seine Hauptdarsteller verlässt.

Dies bringt allerdings weder Jake Gyllenhaal noch seine beiden Co-Akteurinnen Mélanie Laurent und Sarah Gadon (als Anthony’s Frau) aus dem Gleichgewicht.

Alle drei spielen sie auf sehr hohem Niveau. Positiv aufgefallen ist mir außerdem, dass auf große Teile des Streifens eine Art Sepiafilter gelegt wurde, der die starke Atmosphäre noch zusätzlich unterstreicht. 

Sicher habt ihr gemerkt, dass Enemy nichts für Leute ist, die sich einfach mal unterhalten lassen wollen. Um wirklich etwas von dem Werk zu haben, sollte man sich damit beschäftigen und bereit sein, das Offensichtliche zu durchdringen, um hinter den Vorhang zu schauen. Meine persönliche und ganz subjektive Meinung: Selten hat mich ein Streifen so sehr angesprochen und überrascht wie dieses Film gewordene Kunstwerk. 

 

 

Bilder in deinem Kopf

Einsam in der Masse: Mélanie Laurent.

©Capelight, A!iVE

Einsam vor der Tafel: Jake Gyllenhaal.

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Bekanntschaft mit Folgen.

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Noch ahnt er nicht, was auf ihn zukommt.

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Sieht so Glück aus?

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Wer...was...WIE?!

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Zusatzinfos | Herkunftsland: Kanada, Spanien | Originaltitel: Enemy | Freigabe: FSK 12 | Uncut: Ja | Spieldauer: 87 Min. | Verleih: Capelight/A!ive | DVD/BD/BD MB VÖ: 10.10.2014
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https://www.youtube.com/watch?v=LfXtDGPeFO0

 

Enemy (2013)
Prädikat: Kunst in Bild und Ton.
Story95%
Schauspieler90%
Spannung80%
Inszenierung95%
90%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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