Feear the Walking Dead St. 2 Ep. 7 - Shiva | Verwandschaftstreffen ©amc

Spoilerwarnung: Diese Review kann Spuren von Informationen zu den bisherigen Folgen der Serie enthalten. Sollte bei dir eine Allergie gegen Spoiler diagnostiziert worden sein, empfehle ich, die letzten Ausgaben von Fear the Walking Dead zu schauen, bevor du diesen Artikel konsumiert. Die Zusammenfassung der hier besprochenen Folge verabreiche ich natürlich frei von Spoilern.

Fear the Walking Dead Staffel 2 | Cover ©amc

Shiva heißt sie also, die letzte Folge dieser ersten Staffelhälfte und wieder stellt sich die Frage: Was will man uns damit sagen? Mit dem Titel nimmt man Bezug auf den gleichnamigen Gott, welcher im hinduistischen Glauben sowohl für die Schöpfung und den Neubeginn, als auch für die Zerstörung steht. Das passt insofern sehr gut, da sich die Episode im Kern mit genau diesen Themen beschäftigt. Aber der Reihe nach…

Nachdem unsere Überlebenden zuletzt einen sicheren Hafen gefunden haben, steht es nun auf der Kippe, ob sie dort auch verweilen dürfen. Grund hierfür ist vor allem Victor Strand’s (Colman Domingo) Entscheidung, seinen Partner Thomas (Dougray Scott) mit einem Kopfschuss vor einem Dasein als Zombie zu bewahren. Dessen Mutter Celia (Marlene Forte) gefällt das allerdings gar nicht, denn sie wollte, dass er sich und ihren Sohn vergiftet, sodass sich beide verwandeln. Sie ist nämlich (ähnlich, wie man das ja auch schon in The Walking Dead erlebt hat) dem festen Glauben verfallen, dass das Leben als Untoter (höhö, kleines Wortspiel) weniger ein Fluch, als vielmehr ein Neubeginn und der Segen des ewigen Lebens ist, womit der erste Bezug zum Titel hergestellt wäre. Nachdem Victor jedoch ihren Plan durchkreuzt hat, möchte sie ihn und die anderen wieder vor die Tür setzen. Einzig Nick (Frank Dillane), zu dem sie eine enge Beziehung aufgebaut hat, könnte sie davon überzeugen, seine Familie und Freunde nicht fortzuschicken. Travis (Cliff Curtis) ist indes in Sorge um Chris (Lorenzo James Henrie), der plötzlich nicht mehr aufzufinden ist und in all dem Trubel merkt keiner so recht, was mit Daniel (Rubén Blades) abgeht. Dieser verliert sich nämlich zunehmend in seiner dunklen Vergangenheit als (Kinder-)Soldat, ist von Visionen geplagt und lässt dabei langsam aber sicher seinen Verstand auf der Strecke. Die daraus resultierende Aktion wirft alles andere über den Haufen, sorgt für ein fulminantes Mid-Season Finale und steht für den zerstörerischen Aspekt von Shiva…

Obwohl das “auf dem Papier” erst einmal so klingt, als würde hier eine ganze Menge passieren, mangelt es der Folge an Action und vor allem an Spannung. Ok, es gibt da diesen einen starken Moment zwischen Travis und seinem Sohn, in dem Chris eindeutig zu weit geht. Das kam so unvermittelt, dass ich um ein laut ausgerufenes “Alter, geht’s noch?!?!” nicht herumkam. Zum Ende liefert man schließlich mit dem audiovisuell sehr gut inszenierten Finale noch einen echten Hingucker ab. Abgesehen von diesen beiden Situationen kann die Episode jedoch in Sachen Twists und Nervenkitzel nicht sonderlich überzeugen. Bis auf wenige Ausnahmen gilt das letztlich auch für alle anderen Folgen dieser Staffel – da muss in der zweiten Hälfte noch mehr kommen! Den Charakteren fehlt aktuell ein klares Profil, was weniger an den Darstellern liegt, die sich redlich Mühe geben und ihre Sache im Großen und Ganzen auch anständig machen, als vielmehr am Drehbuch, welches ihnen nicht genügend Werkzeuge an die Hand gibt. Wo beispielsweise sind die emotionalen Situationen, die sich über mehrere Folgen hinweg entwickeln? Man hat doch schon die Vorlagen, kommt damit aber nicht so recht aus dem Quark. Warum ist man nicht schon längst bezüglich der Probleme von Chris mehr ins Detail gegangen (das er seine Mutter verloren hat mal außen vor), um seine inneren (Ver-)Wirrungen greifbarer zu machen? Auch mit Daniel hätte man mehr machen können, die Ansätze waren in der ersten Staffel ja schon klar zu erkennen. Mittlerweile hat man aber scheinbar den Faden verloren und macht es dem Zuschauer damit deutlich schwerer, eine Bindung zu seiner Person herzustellen. Und bei aller Liebe zur Inszenierung des Finales: Ich konnte seine Reaktion bis zu einem gewissen Grad verstehen, fühlen jedoch nicht. Da liegt auch der große Unterschied zu anderen Hochkarätern im Serienformat. Was hat mich The Walking Dead schon zu Tränen gerührt und was habe ich Glenn Close als Patty Hewes in Damages gehasst! Es funktioniert also selbst bei so etwas eher Langweiligem wie einer Rechtsanwaltsstory. Dagegen bleiben die Figuren in FTWD größtenteils viel zu blass. Ein Extrembeispiel sind fatalerweise die zentralen Charaktere Madison (Kim Dickens) und ihr Mann Travis. Diese scheinen mitunter nicht einmal in der Lage zu sein, eine klare Entscheidung zu treffen. Das hatte sich schon in der Folge Der Ouroboros angedeutet, wo sie nicht den Schneid besaßen, Victor die Stirn zu bieten, als er zwei hilfsbedürftigen Menschen einen Platz auf der Yacht verwehrte. Da fehlt mir das Durchsetzungsvermögen, der Moment, in dem man sie entweder mag oder eben nicht. Grundsätzlich bin ich ja sehr dafür, dass man nicht alles vorgebetet bekommt und sich sein eigenes Bild macht (wie zuletzt ja auch in meiner Review zu Die Fliege erwähnt). Das hier ist jedoch so ein komisches Rumgeschlubber, bei dem mich die beiden schon deswegen langsam anfangen zu nerven, weil sie nicht einfach mal klar Stellung beziehen. Warum zum Beispiel schickt Travis Nick mit einer Lüge zurück zu dessen Mutter, anstatt dazu zu stehen, dass er sich hier und jetzt mal um seinen Sohn kümmern muss. ARGH!

Ok, bevor ich mich hier nun in Rage schreibe, möchte ich (auch, wenn es in den letzten Sätzen sicher nicht so klang) nochmal betonen, dass ich die Serie trotz ihrer Defizite weiterhin mag. Ich fühle mich nach wie vor gut unterhalten und freue mich auf die neuen Folgen, einfach weil…naja, weil es eben im The Walking Dead Universum spielt und ich es sehr schade fände, wenn man den Schauspielern nicht die Chance gibt, sich in diesem Format anständig auszutoben. Daher wünsche ich mir und hoffe inständig, dass man in der zweiten Staffelhälfte endlich den Arsch hochbekommt und auch mal ein Risiko eingeht. Außerdem will ich wieder mehr Zombies sehen – so!

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Fear the Walking Dead – Shiva | Freigabe: FSK 18 | Uncut: ja | Spieldauer: 43 Min. | Verleih: Splendid Film/WVG | DVD/BD VÖ: 04.11.2016 | Erstausstrahlung auf Amazon Instant Video: 22.05.2016 | Streaming Link: Amazon
Fear the Walking Dead Staffel 2 Ep. 7 - Shiva (2016)
Prädikat: Die Hoffnung stirbt zuletzt...und kommt dann stinkend, faulend und mit Heißhunger auf Hirn zurück (oder so ähnlich).
Story55%
Schauspieler75%
Spannung60%
Inszenierung75%
66%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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