Lang, lang ist’s her

Es ist schon einige Jahre her, da blätterte ein bereits schwer genreverrückter Alex (also ich) eine Fernsehzeitung durch. Das war zu der Zeit, als man für aktuellere Filme noch in die Videothek gefahren ist um sich Videokassetten auszuleihen. Ihr wisst schon, diese fetten, schwarzen Glötzer mit einem Magnetband drin. Alternativ wurde abends die Glotze angeschmissen…nicht, um Werbung anzuschauen (heute läuft diese ja gefühlt über die Hälfte der Programmzeit), sondern um sich Filme reinzupfeiffen. Zum Zwecke der Orientierung in der TV Infrastruktur kaufte ich mir die TV Movie (ja, Zeitschriften konnten damals auch noch nicht digital durchgeblättert werden). Hier wurde das tägliche Fernsehprogramm mit Sternen bewertet und besondere Filme wurden nochmal extra groß gekennzeichnet (mit was? Richtig, mit einem großen Stern;). Einer dieser Streifen war Tremors – Im Land der Raketenwürmer, der wenigstens einmal im Jahr lief. Da ich schon damals komplett in Monsterfilme (heute sagt man natürlich Creature Features) vernarrt war, musste der natürlich sein. Es war Liebe auf den ersten Blick! Was habe ich das Teil gefeiert und mich dementsprechend jedesmal gefreut wie ein Mops, wenn er auf dem Programm stand (also der Film, nicht der Mops). Auf dem Schulhof erzählte ich dann meinen Freunden davon und wurde schon aufgrund des Titels belächelt. Heute würde man man wohl alleine bei dem Wort Raketenwürmer Hoffnungen auf einen neuen Trashfilm hegen, aber dieses Genre war damals noch lange nicht so groß wie heute. Aber abgesehen vom Titel war ich auch so ziemlich der Einzige in meinem Umfeld, der dermaßen vom Fantasygenre begeistert war. Tremors stand ab diesem Zeitpunkt auf jeden Fall ganz weit oben auf meiner Favoritenliste und das ist bis heute so geblieben. Später folgte dann noch ein zweiter Teil, welchen ich ebenfalls ziemlich gut fand, dann ein dritter, der mich schon nicht mehr ganz so begeistern konnte, weil es ihm an frischen Ideen mangelte, und schlussendlich kam noch ein Prequel (auch diesen Begriff hat hierzulande damals meines Wissens noch keiner verwendet), das aber nur noch ein Schatten dessen war, was das Original ausgezeichnet hatte. Die in den USA erschienene Serie habe ich nie gesehen und nach dem schwachen letzten Teil hat mich diese auch nicht sonderlich gereizt. Ansonsten habe ich jedoch alle Teile mehrfach gesehen – das Original sogar bestimmt schon zwanzigmal.

Leberwürste in der Wüste

Warum aber ist vor allem der erste Teil über die Jahre berechtigterweise zu einem Kultwerk avanciert? Zunächst einmal ist er saumäßig unterhaltsam. Tremors hat eine ganz spezielle, locker flockige Situationskomik, die hier den Stellenwert von One Linern eines Stallone oder Schwarzenegger Actionstreifens hat. Im ersten Moment freuen sich die vor den Riesenwürmern (im weiteren Filmverlauf dann „Graboiden“ (!)) Flüchtenden noch darüber, dass sie eines der Monster gesprengt haben, im nächsten werden sie von den herabfallenden Einzelteilen der Bestie bedeckt. Herrlich! Der ganze Streifen wird von einer wunderbar unkomplizierten Stimmung getragen. Dies liegt vor allem an den Darsteller, allen voran das Traumgespann Kevin Bacon, Fred Ward und Michael Gross. Erstgenannter spielt den von jugendlichem Leichtsinn geprägten Valentine, der gerne mal mit dem väterlich-vernünftigen Earl (Fred Ward) aneinandergerät. Die beiden können nicht mit- aber auch nicht ohneeinander. Das erinnert teilweise gar ein wenig an die Kings of Bodymovies Bud Spencer und Terence Hill, nur ohne die Kloppereien. Stattdessen gibt es dann ja Graboiden. Um dieser unterirdischen Bedrohung Herr zu werden, alarmiert man den Waffennarr Burt (Michael Gross), der wunderbar stereotypisch in einem bunkerähnlichen Haus lebt. Mit seiner exzentrischen, aber nicht minder komischen Art, sorgt er für weitere Diskussionen darum, wie man die Lage denn nun in den Griff bekommt. Währenddessen machen die Würmer im Wüstenboden Party und fressen den Einwohnern des vollkommen unpassend benannten Dörfchens „Perfection“ die Häuser unter den Backen weg. Dann verliebt sich Valentine schließlich noch in Rhonda (Finn Carter) und stellt sich dabei selten unbeholfen an. Ich wiederhole mich an dieser Stelle ausnahmsweise mal gerne: Das ist einfach herrlich!

Neben den tollen Charakteren sind es aber auch die Monstereffekte, die Tremors so fantastisch machen. Hier ist alles handgemacht und das verdammt nochmal richtig, richtig gut! Selbst nach so vielen Jahren braucht der Film den Vergleich zu genreverwandten Streifen keineswegs zu scheuen. Hinzu kommt, dass man die Würmer auch in ihrer vollen Pracht zu sehen bekommt und das nicht nur im Dunkeln oder erst kurz vor Ende. Nein, die Biester brechen meist am hellichten Tag aus dem Boden und ziehen ihre Beute nach unten…ab und zu liegen sie vorher aber erst noch einen Moment wie eine verschrumpelte Leberwurst im Sand.

Auch die Herkunft und das Verhalten der Würmer werden behandelt und ohne diese Vorlage hätte den Nachfolgern ein zentrales Thema gefehlt. Wo kommen die Viecher her? Wie spüren sie ihre Beute auf? Während die Frage der Herkunft erst im zweiten Teil beantwortet wird, was aber für diesen spricht und im ersten nicht weiter stört, nutzen die Einwohner von Perfection die eingeschränkte Wahrnehmung ihrer Gegner aus, um zurückzuschlagen. Die Würmer sind jedoch nicht dumm und so funktioniert ein Trick nicht zweimal. Diesem Schlagabtausch zuzuschauen macht unheimlich viel Spaß!

Zurück in die Zukunft

So, aber warum schwadroniere ich hier die ganze Zeit über einen 25 Jahre alten Streifen? Ich denke, dass ein neuer Tremors dem Genre gut tun würde! Im Oktober soll ja (zumindest in den USA) der fünfte Teil mit dem gähnend langweiligen Untertitel Bloodline erscheinen. Mit an Bord ist wieder Michael Gross, der seit dem dritten Teil (nach dem bedauerlichen Ausstieg von Kevin Bacon und Fred Ward) als letzter vom ursprünglichen Cast übrig geblieben ist und im Prequel von 2004 sogar seinen eigenen Filmvater spielte. Die Story klingt wie ein Copy & Paste Produkt der Teile zwei bis vier: Ein kleines Dorf in Nevada wird mal wieder von den Graboiden angegriffen, welche sich erneut verändert haben und jetzt noch gefährlicher sein sollen. Blablabla. Ich werde mir den Streifen zwar dennoch geben, schon alleine aus Nostalgiegründen, aber ich erwarte da nicht sonderlich viel.

Nun mögt ihr euch fragen, was ich eigentlich will?! Erst fordere ich einen Nachfolger, den bereits angekündigten zerrupfe ich jedoch, noch bevor er erschienen ist! Wie der Titel dieser Kolumne schon vermuten lässt, denke ich bereits an einen sechsten Teil. Die Chancen, dass dieser kommt, stehen auch gar nicht mal so schlecht, denn erst kürzlich hat Kevin Bacon in einem Interview mit der britischen Zeitung Metro geäußert, dass er es toll fände, seinen damaligen Charakter „Val“ wieder in die Reihe einzubauen – natürlich dann von ihm höchstpersönlich gespielt (alles andere wäre ein Frevel). Ebenfalls interessant ist ein Satz, in dem er die Effekte des Originals lobt, da diese noch komplett handgemacht waren. Und genau das ist der Grund, warum der Kerl in einem eventuellen sechsten Teil unbedingt wieder mit an Bord sein muss, am besten als (ausführender) Produzent, damit er sein Verständnis des Originals mit einbauen kann. Wenn dieser Fall eintreten sollte, dann wäre das in etwa so, wie 2010, als „Sly“ Stallone mit seinen Expendables das Actionkino der 80er Jahre wieder dem Massenpublikum zugänglich machte. Einfach etwas weniger CGI-Gedöns (sei es auch noch so gut) und mehr alte Schule. Sicher würde ein neuer Tremors selbst unter den genannten Voraussetzungen nicht so einschlagen, wie die „Entbehrlichen“, aber die Reihe bietet sich an, um den handgemachten Monsterfilm wieder salonfähig zu machen. Denn seien wir mal ehrlich, es gibt heutzutage zu wenige Genrestreifen, die sich der klassischen Effekttechnik verschreiben und die Werke, die sich daran versuchen, versinken allzu oft in der Versenkung, auch, wenn das Ergebnis stimmt (siehe bspw. Animal – Die Höllenbrut – die BMTH-Review findet ihr HIER). Eine 1 mit Sternchen gäbe es schonmal als Vorschusslorbeere, wenn man auch Fred Ward wieder „back in the desert“ brächte. Das ist vielleicht zuviel der Hoffnung, aber man darf ja noch träumen;)

Und überhaupt dürfte die Fangemeinde des Monsterfilms schon lange reif sein für ein 70’s/80’s Revival. Das zeigt beispielsweise der Erfolg von Haifilmen wie The Reef oder des schon etwas in die Jahre gekommenen Deep Blue Sea, die noch von der Faszination des Spielbergchen Meisterwerks Der weiße Hai profitieren. Ich spreche bestimmt auch vielen Genrebegeisterten aus dem Herzen, wenn ich sage, dass eine Rückkehr der Critters oder der Gremlins schlicht der helle Wahnsinn wäre. Aber bitte immer schön originalgetreu. Es muss ja auch nicht gleich das fette Budget dahinterstehen, wie der vor einigen Monaten erschienene Fanfilm Critters: Bounty Hunter zeigt (HIER könnt ihr euch diesen anschauen). Und eine erneute Fortsetzung muss auch nicht gleichbedeutend sein mit einer einfallslosen Kopie, wie zuletzt Ridley Scott’s Prometheus gezeigt hat, der den Geist der ursprünglichen Idee in sich trägt und diese mit Neuem verflechtet (warum ich das so sehe, könnt ihr in der Review nachlesen – KLICK MICH). Auch andere Filmschaffende haben das Potential erkannt, schaffen es aber zu selten, die Seele der Originale einzufangen. Ein gutes Beispiel dafür ist Predators von Robert Rodriguez, der zwar gut war, dem es allerdings am letzten Schliff fehlte (auch auf die Gefahr hin, dass ich für diese Aussage jetzt geshitstormed werde). Da hat einfach die „Seele“ des Originals gefehlt.

Ok, ich schweife ab. Worum es mir geht, dürfte klargeworden sein: Ich will einen neuen Tremors! Aber bitte einen guten, einen mit handgemachten Effekten, bestenfalls mit den Darstellern aus dem ersten Teil, mindestens aber mit Kevin Bacon. Wenn man mich nun noch nach einem Wunschregisseur fragen würde, dann wäre Gareth Edwards ganz oben auf meiner Liste. Der hat es zwar eher mit CGI-Effekten, konnte aber mit seinem Debütfilm Monsters und zuletzt mit der großartigen Godzilla-Umsetzung sein Gespür für das Genre erfolgreich unter Beweis stellen.

Das soll es nun aber gewesen sein. In diesem Sinne verabschiede ich mich für den Moment mit nostalgischen Grüßen…

euer /anawak

Quellen: Kevin Bacon hat Lust auf einen weiteren Tremors (gamona)

Filmkolumne: Tremors 6 - Nachbeben? Gerne, aber bitte mit Bacon!
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2 Responses

  1. Blog me to hell

    Sehe ich genauso! Es wäre toll, wenn sich meine Befürchtungen wegen des fünften Teils nicht bewahrheiten und dadurch die Chancen auf einen sechsten steigen. Wie klasse das einfach wäre, wenn man in der Reihe wieder mal selbst Hand anlegt um die Graboiden zum Leben zu erwecken!

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  2. Robert Alf

    Ich freue mich jetzt erst einmal auf den fünften Teil! Und wenn dann tatsächlich ein sechster kommen sollte, dann wäre es schon fast Pflicht für Kevin Bacon mitzuspielen! Und vielleicht dann sogar noch Fred Ward! Das wäre schon ziemlich geil! Ich habe von den ersten vier Filmen die Komplettbox auf Blu Ray in meiner Sammlung. Und mir persönlich sind handgemachte Effekte bei Tremors lieber als CGi! Ich habe nix gegen Computertricks, aber bei handgemachten Sachen sieht man halt die Liebe zum Detail viel besser! Und vor allem hoffe ich, das der fünfte Teil gut ankommt. Und wenn das der Fall ist, können wir Fans dann tatsächlich mit einem sechsten Teil rechnen…

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