Er sagt: „Komm, lass uns raus fahren in die Wüste, zu diesem Ort, du weißt schon wo.“ Also nehmen wir die Schlüssel und treten hinaus ins Licht des Tages. Wir steigen ins Auto, er dreht den Zündschlüssel und die CD beginnt zu rotieren.

„Ah“, denke ich bei mir, „da möchte er hin…alright, let´s go!“.

Here To Die, die ersten stampfenden Riffs, das Schlagzeug lässt die Karosserie erbeben, Ivan L. Moody setzt ein und er tritt auf´s Gaspedal, bringt uns raus aus der Stadt. Die Sonne scheint, ich kurbele das Fenster runter, strecke den Kopf hinaus. 100, 120, 140 – Tempo!

Wir haben die Wüste erreicht, die uns unter einem strahlend blauen Himmel begrüßt. Weight Beneath My Sin, ein Rammstein´scher Rhythmus treibt uns über die leere Straße und wir schütteln die Köpfe bis uns schwindlig wird. Die Anlage steht längst auf Anschlag. Wer sollte uns aufhalten?

Wir erreichen eine Absteige im Sonnenuntergang, von drinnen dröhnt laute Musik – Wrecking Ball. Ohne zu zögern fährt er auf den Parkplatz und nimmt mich an die Hand, zieht mich durch die hölzerne Tür nach drinnen. Dämmerlicht, Bier fließt in Strömen, lange Haare werden im fetten Rhythmus der Base drum auf und ab geschleudert. Die Gestalten sehen bullig, wenig freundlich aus, doch meine Befürchtungen vergehen, als man uns die Arme um die Schultern legt und wir gemeinsam mit der Menge die Tanzfläche einnehmen. Wir wirbeln die Köpfe, brüllen den Text mit bis unsere Stimmen versagen („Why should I always be the one to back away, why should I have to be the one not to say what´s on my mind“) und die Stunden verstreichen…

Wir treten in die Nacht hinaus, Battle Born. Die Luft ist klar und der Himmel voller Sterne. Wir nehmen auf der alten Holztreppe Platz, lehnen unsere schweißnassen Köpfe aneinander und schauen in die mondbeschienene Ferne. Sie ist leer doch voller Hoffnung. Wir sind frei. An seiner Schulter schließe ich die Augen und drifte davon. Ist dies ein Traum?

Der Morgen bricht an und die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich wache auf. Wir sind alleine, das Gebäude ist verschwunden, ebenso unser Auto. Cradle to the Grave. Was ist geschehen? Doch ich finde keine Antwort. Hinter mir vernehme ich ein Schnauben und drehe mich herum. Dort stehen 2 Pferde, die uns gelangweilt anschauen. Ich blicke ihm in die Augen, er lächelt und nickt. Das Ziel steht fest und niemand wird uns aufhalten. Wir satteln auf und geben den Pferden die Sporen bis uns der Wind wild um die Ohren pfeift. Tempo…

Als der Tag voranschreitet vernehmen wir neben dem Galoppieren der Tiere ein weiteres Geräusch. Motoren, deren Dröhnen über die weite Ebene hallt und schnell näher kommt. Ich drehe mich um und sehe hinter uns eine Staubwolke, aus der heraus fünf Gestalten auf Motorrädern erscheinen. Sie holen auf, umkreisen uns, das Rattern ihrer Maschinen hüllt uns gänzlich ein und wir bleiben stehen. Sie tun es uns gleich, steigen ab und treten bedrohlich nahe heran, begutachten uns abfällig. Dann verlangen Sie unser Hab und Gut…es folgt eine kurze Stille, ein Geier kreist über uns. Unvermittelt rammt man uns die Fäuste in den Bauch, wir gehen in die Knie. Durch die Tränen in meinen Augen schaue ich ihn an. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt, doch nur für einen Moment…dann lächelt er mich an und ich lächle zurück. Dieses Mal nicke ich ihm zu, hole tief Luft und schleudere die Faust in das Gesicht meines Angreifers…

Matter Of Time. Mein Gegenüber blickt mich überrascht an und geht rückwärts taumelnd zu Boden. Im gleichen Moment werde ich von hinten gepackt und ein weiterer Mann baut sich vor mir auf, schlägt mir ins Gesicht. Blut läuft mir in die Augen, verschleiert meinen Blick, doch ich sehe noch wie er von hinten auf den Unbekannten zugeht und ihm in die Kniekehlen tritt. Mit einem Aufschrei fällt der Mann auf die Knie, dreht sich um und bekommt seine Faust ins Gesicht. Ich ziehe meinen Kopf nach vorne, ramme ihn nach hinten und höre das Brechen einer Nase. Der Kerl lässt mich los, hält seine Hände vor das Gesicht und Blut strömt zwischen seinen Fingern hindurch. Dann verdreht der Mann die Augen und kippt zur Seite. Ich schaue mich um, die Fünf liegen im Staub. Er legt eine Hand an meine Wange und blickt in mein geschundenes Gesicht, doch anstatt Mitleid sehe ich wieder dieses freche Lächeln und er nickt zur Seite in Richtung der Motorräder. Die Schlüssel stecken, die Reise geht weiter und der Tag zuende…

Die Maschinen an einen Felsen gelehnt und mit einem kleinen Lagerfeuer zwischen uns blicken wir verträumt in den glühend roten Horizont, wo die Nacht den Tag verdrängt. The Agony Of Regret. Unsere Gesichter sind grün und blau, es schmerzt, doch das ist egal. Nein, ich bereue nichts. Das Licht schwindet und mit ihm die Wärme. Cold. Wir liegen auf dem Rücken, blicken in die Leere, die unendliche Leere. Gibt es etwas Schöneres?

Ohrenbetäubende Explosionen, ich möchte meine Hände an die Ohren legen, doch ich kann es nicht, ich kann es nicht…sie liegen in Ketten, in diesem gottverdammten Keller, wieder hier, wieder in der Hölle. Let This Go. Verzweiflung, Wut kocht in mir hoch, ich zerre an meinen stählernen Fesseln. Eine Druckwelle wirft mich zu Boden und zerreißt die Mauer hinter mir. Ich bin frei, doch ich kann nicht aufstehen. Er kommt durch die Trümmer auf mich zugelaufen und schleppt mich hinaus. My Heart Lied. Das grelle Licht brennt in meinen Augen. Zu lange war ich dort unten in der Finsternis. Oben (so weit oben) angekommen scheint die Welt um uns herum unter dem Dröhnen und den Erschütterungen der Panzer zu zerbrechen. Doch er hält mich, zieht mich, trägt mich über das Schlachtfeld und rennt immer weiter bis wir ankommen („an diesem Ort, du weißt schon wo“).

A Day In My Life. Ein Schrei ertönt, mein eigener Schrei und er schüttelt mich wach, sagt es war nur ein Traum von vergangenen Zeiten, doch die Explosionen halten an und zitternd schmiege ich mich an ihn, während der Regen zu fallen beginnt und Blitze über den Himmel zucken. Der Donner lässt die Erde erbeben und es scheint, als würde die Nacht nie enden, als wolle sie nicht von mir lassen…

…doch irgendwann endet der Himmelskrieg und der Regen hat allen Schmutz hinfort gespült. Meine Augen sind geschlossen und eine Weile noch verharre ich so. Doch schon bald spüre ich warmes Sonnenlicht auf meiner Haut und lasse los.

Endlich.

Meine Augen gehen auf und ich erblicke sein Lächeln, das nun ganz sanft ist. „Wir sind da“ sagt er nur. Ich stehe auf und sehe ihn, den Ort, der mich einst geheilt hat:

House Of The Rising Sun

Euer /anawak

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