Nazis sind Schweine, soviel ist schonmal klar. Und weil sie sich zu dem größten Abschaum der Geschichte zählen dürfen, werden sie auch seit jeher in nahezu jedem Filmgenre regelmäßig als Personifikation des Bösen genutzt. Dies hat in den letzten Jahren schon verrückte Formen angenommen: Quentin Tarantino hat in Inglourious Basterds Jagd auf sie machen lassen, in Iron Sky kamen sie aus dem Weltall und in dem großartigen Dead Snow traten sie als Zombies auf. Dies sind wahrlich nur einige wenige Beispiele in denen die Jungs mit dem steifen Arm ihren Auftritt hatten. Ein weiterer Vertreter erblickte mit Frankstein’s Army im letzten Jahr das Licht der Welt. Eine von mir sehr hoch geschätzte Filmzeitschrift, die Deadline, machte bereits früh auf diesen Streifen aufmerksam und so landete er auf meiner Wunschliste. Gestern war es so weit und ich habe das Teil gesichtet. Was ich davon halte? Keep reading…

Die Story ist relativ schnell zusammengefasst: Im zweiten Weltkrieg kämpft eine kleine Gruppe russischer Soldaten auf deutschem Boden. Der Funkspruch einer verbündeten Einheit, die um Hilfe bittet, führt die Männer zu einem kleinen, abgelegenen Dorf, welches jedoch vollkommen verlassen zu sein scheint. Kurze Zeit später müssen sie feststellen, dass sie alles andere als alleine sind. Doch anstatt die gesuchten Kameraden zu finden, müssen sich die Soldaten plötzlich mit schrecklich entstellten Kreaturen herumschlagen. Ein Alptraum aus Blut, Gedärmen und allerhand verrückten Experimenten erwartet sie…

Um Frankenstein’s Army authentischer wirken zu lassen und vielleicht auch, um das geringe Budget etwas zu kaschieren, bedient man sich der found footage Optik. Das bedeutet in den meisten Fällen insbesondere eines: Wackelkamera. Auch hier bleibt diese nicht aus, hält sich aber in Grenzen. Ich persönlich habe mich ja zwischenzeitlich mit dieser Art des Filmens angefreundet und finde sie, wenn richtig eingesetzt, sogar richtig gut. Bei diesem ersten abendfüllenden Streifen von Regisseur Richard Raaphorst hat sie mich weder gestört noch sonderlich begeistert. Da man von Anfang an auf das “nach einer wahren Geschichte”-Gebrabbel verzichtet, hätte man auch auf die Wackelkamera verzichten können. Andererseits sorgt diese auch immer wieder auf’s Neue für eine Atmosphäre, die man mit klassischer Kameraführung schwerlich erreichen dürfte. Schlussendlich bleibt es Geschmackssache. Sehr angetan war ich im Übrigen von solchen Kleinigkeiten, wie dem Wechsel zwischen den einzelnen Zoomstufen, der tatsächlich wie bei einer Kamera aus jener Zeit umgesetzt wurde. Auch wird im Laufe des Films einmal die Frage gestellt, ob das Gerät denn schon mit Ton aufnimmt – da wurde sehr gut auf Details geachtet und nicht einfach nur die Technik genutzt, weil es eben gerade hip ist.

Yammi…Hunger?

Als großer Fan von Filmen mit blutigen Schauwerten (wenn es denn passt), war ich sehr erfreut darüber, dass Frankenstein’s Army trotz der Wackeloptik definitiv nichts für Zuschauer mit schwachem Magen ist. Insbesondere, wenn es um das Herumwerkeln am menschlichen Gehirn geht, kaue ich die Schokopopcorn schon einmal etwas langsamer…gut, dass es zum Abendessen keine Spaghetti gab;) Aber auch sonst fühlte sich der Streifen gerade zum Ende hin ein wenig wie Rob Zombie‘s House of 1000 Corpses an: Überall Leichen, abgehackte Körperteile, Blut und mittendrin ein wahnsinniger Doktor, der mit seinen Versuchspersonen allerhand Schindluder treibt. Sehr cool fand ich, dass man peu a peu in diesen Alptraum hineingezogen wird und so fast schon unmerklich ein Unwohlsein entsteht, dass man erst erkennt, wenn man sich schon mittendrin befindet. Das dennoch Platz für manch lustige Situation gefunden wird, ist beachtlich! Ich möchte nicht zuviel verraten, aber die Ideen des titelgebenden Doktors sind teils so vollkommen abgefahren, dass ich mir ein Schmunzeln schwerlich verkneifen konnte…obwohl mir selbiges dann im nächsten Moment schon wieder verging. Frankenstein’s Army geht, auch, wenn das hier jetzt etwas anders klingt, nicht verschwenderisch mit den blutigen Effekten um. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum er in Deutschland komplett ungeschnitten gekauft werden kann – mit fehlender Jugendfreigabe versteht sich.

Oh, hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch nochmal Karel Roden, der den Wahnsinn seiner Figur Viktor großartig transportiert. Die restlichen Darsteller spielen alle bodenständig, was für einen Film dieser Art schonmal nicht selbstverständlich ist.

Ich hatte definitiv eine Menge Spaß mit Frankenstein’s Army und werde ihn mir sicherlich irgendwann noch einmal anschauen. Denn obwohl der Film das Rad nicht neu erfindet, ist doch die Summe der Einzelteile und wie diese zusammengesetzt wurden Grund genug, sich den Streifen als Fan des Genre auch mehrfach anzuschauen!

Prädikat: Definitiv eine Sichtung wert!

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