Als großer Fan der Serie ist natürlich auch das von Telltale Games veröffentlichte Spiel The Walking Dead nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Vor einer ganzen Weile habe ich es mir schon einmal für das iPad zugelegt, dann hat aber irgendwann nicht mehr die Motivation gereicht, die mir bei solchen dialoglastigen Games öfter mal abhanden kommt. Kürzlich habe ich Episode 1 der ersten Staffel dann nochmal von neuem begonnen und heute zuende gebracht. Um was es hier geht und wie mir das Spiel bislang gefällt, möchte ich euch in den folgenden Zeilen gerne spoilerfrei schildern.

Der Ausbruch

Der Hauptcharakter Lee wird gerade in einem Polizeiwagen aus Atlanta heraus eskortiert, als die Zombieseuche ausbricht. Es kommt zu einem Unfall, in dessen Folge der fahrende Polizist schwer verletzt und kurz darauf infiziert wird. In letzter Sekunde kann Lee sich seinem Angriff erwehren und vom Ort des Geschehens flüchten. Unweit des Waldes, in den es ihn verschlagen hat, schafft Lee es gerade noch, sich in die schützenden 4 Wände eines vermeintlich verlassenen Hauses zu flüchten. Hier trifft er auf die kleine Clementine, deren Eltern offensichtlich ebenfalls der Pandemie zum Opfer gefallen sind. Lee nimmt das kleine Mädchen in seine Obhut und versucht mit ihr dem blutigen Wahnsinn zu entkommen, was sich alles andere als leicht gestaltet. Auf ihrem Weg treffen sie auf neue und, für Kenner der Serie, alte Bekannte wie bspw. Hershel oder den sympathischen Glenn…

Wer die Wahl hat…

Das Spiel orientiert sich in vielerlei Hinsicht an der Serie: Es nimmt sich viel Zeit um die Charaktere vorzustellen sowie weiterzuentwickeln und es gilt viele schwere Entscheidungen zu treffen, die den Spieler nicht selten vor die Wahl stellen, welche von zwei Figuren man rettet, was für die andere den Tod bedeutet. Gerade diese Qual der Wahl ist es, die das Spiel auszeichnet, denn auch während der Dialoge, in denen man, ganz wie in einem Rollenspiel, mehrere Antwortmöglichkeiten hat, wird einem relativ schnell klar, dass Entscheidungen auch für den weiteren Verlauf des Spiels von Bedeutung sind. Hat man sich für eine Reaktion entschieden, erscheint dann bspw. der Hinweis, dass der Gesprächspartner sich diese Antwort gemerkt hat. So erhalten die getroffenen Entscheidungen eine dramaturgische Relevanz, die schon zu Beginn eine emotionale Bindung an die Charaktere fördert, ja im Grunde sogar fordert. Aber nicht nur das Wissen, dass die eigenen Handlungen Konsequenzen nach sich ziehen , auch der Aspekt, dass für die Wahl einer Antwort meist nur eine stark begrenzte Zeit zur Verfügung steht, fordert dem Spieler einige Konzentration ab. Reagiert man nicht in der vorgegebenen Zeit, wird dies als Schweigen gewertet, was selbstverständlich auch eine Auswirkung hat. Spätestens also, wenn die Ereignisse sich einmal überschlagen und urplötzlich das Dialogfenster erscheint, ist volle Aufmerksamkeit gefordert. Sehr großes Kino!

Brenzlige Situation

Es gibt eine brenzlige Situationen…da heißt es schnell zu reagieren.

Eine blutige Angelegenheit

The Walking Dead orientiert sich aber nicht nur dramaturgisch am großen Vorbild, sondern auch in Sachen drastischer Darstellung. Die Zombies sehen schön abgefressen aus und werden im Verlauf der ca. 2 Stunden dauernden Episode (sofern man alle Dialoge mitnimmt und sich etwas umschaut) u.a. mit Schraubenziehern, Äxten, Pistolen und Schrotflinten bearbeitet. Und wie sollte es auch anders sein, wird hier immer schön draufgehalten. An Explizität mangelt es also nicht und, soviel darf schon verraten werden, in Episode 2 wird hier nochmal eine Schippe draufgelegt. Etwas entschärft wird die Gewalt durch die comichafte Grafik, die dem Spiel zudem einen sehr individuellen Stil verpasst, den ich so bisher noch nicht gesehen habe und der mir sehr gut gefällt. Auch in Sachen Optik macht das Game also einiges her und überzeugt auf ganzer Linie. Ich gehe auch fest davon aus, dass die Grafik auf anderen Systemen wie der XBox 360 oder dem PC nochmal eine ganze Ecke besser ausschaut.

Touch me

A propos System: Ich muss sagen, dass die Steuerung des Spiels auf dem iPad wirklich gut von der Hand geht. Das liegt vor allem daran, dass die Touchsteuerung prädestiniert ist für diese Art Game. Die Spielfigur wird nur recht selten direkt geführt und wenn, dann geschieht dies über eine sehr intuitive Eingabe: Streicht man mit dem Finger nach oben, geht Lee in das Bild hinein, streicht man nach unten geht er aus dem Bild heraus. Ansonsten sind die Punkte, die man anwählen kann markiert, sodass immer klar ist, welche Möglichkeiten der Interaktion man hat.

Cliffhanger

Die erste von 5 Episoden endet erwartungsgemäß sehr offen. Die Vorschau auf kommende Ereignisse gab mir dann auch den Rest und die zweite Folge musste umgehend geladen werden. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht und vor allem, wie weitreichend die Konsequenzen der von mir getroffenen Entscheidungen sind. Ehrlich gesagt bin ich sogar etwas froh darüber, mich erst so spät an das Spiel gesetzt zu haben, da mittlerweile ja sogar Staffel 2 am Start ist und mir der Nachschub erst einmal nicht so schnell ausgehen dürfte. Bis jetzt kann ich das Game sehr empfehlen und daher gibt es auch das…

Prädikat: Ganz großes Kino, das der Vorlage gerecht wird!

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