Hellraiser MB | Cover ©Kinowelt1987 erschuf Regisseur Clive Barker mit seinem Spielfilmdebüt Hellraiser ein Werk, für das er bei Genrefans bis heute in aller Munde ist. Mit einer handwerklich meisterhaften Umsetzung, einer Geschichte, die, ähnlich wie auch andere große Werke der Filmgeschichte, viele Spekulationen und Interpretationen zulässt, sowie einer düsteren Optik, hat der Streifen über die Jahre Kultstatus erlangt. Und doch hatte er es insbesondere in Deutschland alles andere als leicht, da u.a. die häufige Darstellung von Menschen mit abgezogener Haut dem Jugendschutz ein Dorn im Auge war und bis heute ist. So muss man auch anno 2016 auf die (glücklicherweise zahlreichen) Kanäle im Ausland zurückgreifen, möchte man das Teil in seiner vollen visuellen Pracht erleben. Sicher hat ihm das auch zu einer gewissen Popularität verholfen, gleichwohl sollte man ihn keineswegs nur darauf reduzieren. Im folgenden Artikel werde ich näher darauf eingehen, was Hellraiser im Detail so besonders macht, warum er bis heute als einer der bedeutendsten Klassiker des Horrorgenres gilt und wieso ich ihn unbedingt in der dritten Ausgabe der BMTH Classics Reihe besprechen wollte…

Die Geschichte beginnt mit einem so gut aussehenden wie widerlichen Kerl namens Frank (Sean Chapman), der auf der Suche nach immer neuen und abgedrehten Gegenständen die Welt bereist. Ein Sammler des Bizarren könnte man sagen. Eines Tages fällt ihm ein mysteriöser Würfel in die Hände. Als er daran herumfingert, beginnen sich plötzlich einzelne Teile an dem Gegenstand zu bewegen. Einen Wimpernschlag später ist Frank wie vom Erdboden verschluckt. Kurze Zeit darauf zieht sein Bruder Larry (Andrew Robinson) samt Frau Julia (Clare Higgins) und Tochter Kirsty (Ashley Lawrence) in ein Haus, dass sich schon seit einigen Jahren in Familienbesitz befindet. Und wie das echte Heimwerker so machen, verletzt der Familienvater sich eines Tages an einem Nagel, woraufhin einige Tropfen seines Blutes auf den Boden fallen. Diese wachsen zu einer immer größer werdenden Masse an, aus der eine fleischige, blutrote Gestalt emporsteigt. Was zunächst aussieht, wie ein insektoides Etwas, formt sich nach und nach zu der Perversion einer menschlichen Gestalt und schließlich zu Frank (ab hier gespielt von Oliver Smith), der allerdings nur aus Knochen und ein paar Muskelsträngen besteht. Es stellt sich heraus, dass er mit dem Würfel einen Übergang zu einer anderen Dimension geöffnet hat und in diese hineingezogen wurde. Die Zenobiten, also die Bewohner der „anderen Seite“, sind jedoch gar nicht erfreut darüber, dass der Kerl es zurück in unsere Welt geschafft hat. Also machen sie Jagd auf ihn. Frank wiederum ist von seinem Aufenthalt bei den Zenobiten noch so geschwächt (die Damen und Herren verstehen unter Gastfreundschaft offensichtlich etwas Anderes als wir), dass er sich vor der Flucht erst einmal regenerieren muss. Dazu benötigt er Blut und an dieser Stelle kommt Larry’s Angetraute Julia ins Spiel…

Es dauerte nicht lange, bis Hellraiser mich in seinen Bann gezogen hatte. Schon nach wenigen Minuten ließ die Szene von Franks‘ Auferstehung meine Kinnlade gen Boden knallen. Diese wurde technisch überragend umgesetzt und ist für Freunde blutiger Filmkunst eine echte Augenweide. Auch im weiteren Verlauf sind die handgemachten Effekte sowie die Maske über jeden Zweifel erhaben. Schauspielerisch gibt es ebenfalls nichts zu mäkeln. Alle Darsteller machen einen hervorragenden Job und tragen zu der düsteren, ja fast 

schon bedrückenden Stimmung bei. Und dann wäre da natürlich noch die Story, welche rein oberflächlich gesehen zwar nicht viel hergeben mag, aber schon zu Beginn der Reihe Tür und Tor für zahlreiche Fortsetzungen öffnet – wohlgemerkt ganz ohne das typische, offene Ende, welches in Horrorfilmen mittlerweile ja schon zum „guten“ Ton gehört. Hellraiser schafft dies durch die inszenatorische und stilistische Kreativität, mit der das Bild einer anderen Dimension gezeichnet wird. Hierzu gehört auch, dass man (zumindest in diesem ersten Teil) nicht allzu viel von der Welt der Zenobiten sieht und man als Zuschauer gerne mehr darüber erfahren möchte.

Facelifting gone wrong...Facelifting gone wrong…

Welche Kreaturen treiben dort ihr Unwesen und auf was für schreckliche Höllenqualen müssen sich die armen Teufel gefasst machen, die es dorthin verschlägt? Das Design der Zenobiten lässt ja schon Rückschlüsse darauf zu, dass man in deren Dimension eher weniger zimperlich ist, was Schmerzen anbelangt. Diese nur andeutende Komponente erinnerte mich gar ein wenig an Ridley Scott’s Alien. Auch hier habe ich in zahlreichen Sichtungen immer wieder versucht, noch ein weiteres kleines Detail über die Herkunft der Xenomorph’s zu ergattern (die Auflösung brachte dann ja zumindest teilweise Prometheus) oder ich habe mir ausgemalt, wo die Viecher herkommen. Diesen Durst nach Hintergrundinfos oder gar das Anstacheln des Zuschauers, sich seine eigenen Gedanken zu machen, vermögen nicht viele Werke zu schaffen. 

Wie bei dem kürzlich besprochenen Die Fliege von David Cronenberg wundert es mich daher auch bei Hellraiser nicht, dass dieser in den letzten Jahrzehnten Kultstatus erreicht hat und sich eine beachtliche Fanbase aufbauen und erhalten konnte. Clive Barker hat hier nicht weniger als ein technisch sowie atmosphärisch hochkarätiges Werk abgeliefert und ich freue mich, dass es mit diesem Artikel nun auch Teil der BMTH Classics ist. Abgesehen davon kann man solche Filme nicht oft genug in das Gedächtnis heutiger (Jung-)Cineasten rufen;) Demnächst werde ich mir dann mal ein Bild davon machen, ob dies auch auf die zahlreichen Fortsetzungen zutrifft, welche dieser erste Teil nach sich zog. Für den Moment kann ich erst einmal jedem, der Hellraiser – Das Tor zur Hölle noch nicht kennt, wärmstens empfehlen, dies dringend nachzuholen.

 


Zusatzinfos | Herkunftsland: Großbritannien | Originaltitel: Hellraiser | Regie: Clive Barker | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Nein (es gibt jedoch eine ungeprüfte Fassung, die komplett ungeschnitten ist) | Spieldauer: 93 Min. | Verleih: Kinowelt | DVD/BD/BD MB VÖ (uncut): 21.07.2011

 

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https://www.youtube.com/watch?v=VmQTKJZU3Rw
BMTH Classics #03: Hellraiser - Das Tor zur Hölle (1987)
Prädikat: Ein blutiges Stück klassische Horrorkunst, das Lust auf mehr macht.
Story80%
Schauspieler90%
Spannung85%
Inszenierung95%
88%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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