Zwei nackte Frauen räkeln sich auf einem Bett. Ihre Körper wiegen in Ekstase vor und zurück. Sie schmiegen sich aneinander, ihr Lippen berühren sich. Danach legen sie sich schwer atmend auf den Rücken und während die eine liebestrunken in das Gesicht der anderen blickt, scheint diese von Zweifeln zerrissen, ja, sie scheint den Akt zu bedauern. Da klopft es im Erdgeschoss an der Tür. Eine von beiden zieht sich ein T-Shirt an und geht hinunter. Wenige Sekunden später hört die andere laute Geräusche wie von einem Kampf. Sie legt einen Bademantel an und stürmt hinunter. Voller Entsetzen sieht sie ihre Freundin am Boden liegen, das Gesicht voller Blut und über ihr ein Mann, der sie verprügelt. Da er sie noch nicht bemerkt hat, schleicht sie sich von hinten an ihn heran und schlägt ihm einen Kerzenständer auf den Kopf. Schwer getroffen flüchtet er aus dem Haus und auf einen nahe gelegenen Hügel. Dort entledigt er sich seiner Kleidung und presst wie von Schmerzen gepeinigt sein Gesicht in die Erde. Danach wurde er nie wieder gesehen…

Nach dieser verstörenden Eröffnungssequenz, die aus Spoilergefahr in ihrer Drastik etwas entschärft wurde, sieht man das Ehepaar Felix (Francisco Barreiro) und Sol (Laura Caro), die mit den beiden Kindern Adolfo (Alan Martinez) und Sara (Michele Garcia) einen gemeinsamen Ausflug unternehmen. Das Geschwisterpaar möchte gerne auf einen Hügel in der Nähe (wir ahnen bereits, um welchen Ort es sich handelt) und verspricht, bald wieder zu kommen. Als sie jedoch spät in der Nacht immer noch nicht wieder aufgetaucht sind (Felix und Sol sind zwischenzeitlich im Auto eingeschlafen), rufen die Eltern die Polizei. Nach einer sorgenreichen Nacht findet man die Kinder tags darauf, sehr zur Erleichterung der Eltern. Allerdings müssen sie in den kommenden Tagen feststellen, das Adolfo und Sara nicht mehr die selben sind…

The Kids aren't alright...
The Kids Aren’t Alright…

Here comes the Devil ist in vielerlei Hinsicht wie eine angenehm kalte Dusche an einem heißen Sommertag. Dieser Eindruck entsteht bereits mit der Eröffnungssequenz, die in Sachen erotischer Schauwerte sehr erfrischend ist, vergleicht man sie bspw. mit dem doch eher prüden US-Kino. Diese Tendenz wird auch über die restliche Laufzeit stets beibehalten, jedoch ohne dabei pornographisch zu werden. Noch interessanter ist, dass diese ästhetischen Elemente stets eingesetzt werden, um die Situation zu intensivieren. So wäre gerade die oben beschriebene Misshandlungsszene weitaus weniger brisant gewesen, hätte es unmittelbar davor nicht den wunderschönen Akt zwischen den beiden Frauen gegeben. Daher fühlte ich mich auch wie vor den Kopf gestoßen, als auf diese angenehme Einführung plötzlich ein erschreckend direkter und in seiner Inszenierung äußerst schonungsloser Wechsel folgte.

Ähnlich wie diese Elemente, wissen Regisseur Adrián García Bogliano und sein Kameramann Ernesto Herrera die blutigen Schauwerte und die Jump Scares geschickt ein- und umzusetzen. Beide Stilmitteln werden nur sparsam, dafür aber mit umso größerer Wirkung eingesetzt. Ebenso verhält es sich mit der Musik, den Kameraeinstellungen, die auf positivste Art und Weise an Horrofilme aus den 70er und 80er Jahren erinnern, und der immer stärker anziehenden Spannungsschraube. Insbesondere der letzte Aspekt ist sehr erstaunlich, weil die Geschichte an sich sehr entschleunigt erzählt wird und mit nur wenigen schnellen Szenen aufwartet. Das der Film den Zuschauer dennoch voll und ganz einzunehmen vermag liegt daran, dass das Gesamtwerk mehr als die Summe seiner Einzelteile ergibt: Es ist die neuartige Kombination von an und für sich bekannten Elementen, die den besonderen Reiz ausmacht. Jeder Einzelaspekt dient stets dem großen Ganzen, dem Katz-und-Maus-Spiel, das den Zuschauer ein ums andere mal in eine falsche Richtung lockt. Wenn man etwas genauer hinschauen möchte, dann wird man in einigen Szene sogar den einen oder anderen Raum für Interpretationen finden.

Aber in welche Schublade steckt man Here comes the Devil nun? Am besten in gar keine. Es wäre wohl zu weit gegriffen, ihn als Kunstfilm zu bezeichnen, wenngleich er auch sehr abstrakte Momente beinhaltet (zum Beispiel eine Traumsequenz, die kaum erkennbare Bilder in schneller Abfolge zeigt und damit mehr ein Gefühl, denn eine visuelle Erinnerung beschreibt). Am ehesten kann man ihn als Drama mit zahlreichen Versatzstücken aus dem Horrorgenre beschreiben. Das der Film diese Tendenz anstrebt, wird jedoch erst kurz vor Ende mit der Auflösung enthüllt. Diese wird hier natürlich nicht verraten, denn es wäre ein Unding, euch die Spannung vorwegzunehmen (abgesehen davon wird hier nicht gespoilert…SO!). Genau das ist auch der Grund, weshalb ich in diesem Artikel so wenig wie möglich auf den Inhalt eingegangen bin, denn jeder sollte die Chance bekommen, ihn das erste mal mit seiner vollen Sogkraft zu erleben. Nicht, dass der finale Twist einen komplett umhaut…darum geht es auch gar nicht. Wie in nur wenigen Filmen ist es die Umsetzung und die Art, wie die Spannung erzeugt wird, was Here comes the Devil so besonders macht.

Gleichwohl, und das möchte ich noch kurz anschneiden, scheint der Streifen auch die Gemüter zu spalten. Die Kritiken reichen von gut bis sehr schlecht. Es kommt allerdings sicher darauf an, wie man an den Film herangeht und daher kann ich jedem nur raten, am besten keine Erwartungen zu haben. Das Einzige, worauf man sich einstellen sollte ist, dass einen hier keine leichte Kost erwartet. Aber es lohnt sich!

Prädikat: Teuflich gut!

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