Horns | CoverErinnert ihr euch noch an eure erste Liebe? Das Kribbeln im Bauch, ständig an den anderen denken zu müssen und die sexuelle Begierde? Man scheint förmlich füreinander geschaffen, ja, gar zwei Teile eines Ganzen zu sein. Wenn dieses Gefühl auf beiden Seiten nun so intensiv und langanhaltend ist, dass man das ganze Leben miteinander verbringen möchte, dann ist das so selten, wie wunderschön. Denn seien wir einmal ehrlich: Die erste Liebe verändert einen, wie kaum ein anderes Gefühl es vermag. Ig Perrish (Daniel RadcliffeHarry Potter) gehört zu den wenigen Menschen, die schon in ihrer Kindheit den Partner für’s Leben gefunden haben. Für ihn ist klar: Seine Freundin Merrin (Juno TempleBlack Mass) ist die Eine für ihn und nun, da beide erwachsen sind, denkt er daran, den nächsten Schritt zu tun. Doch es kommt alles anders. Nachdem die beiden eines abends im Streit auseinandergegangen sind, ertrinkt “Iggy” seinen Frust im Alkohol. Als er am nächsten Morgen erwacht, liegt seine Welt in Trümmern. Merrin wurde in der Nacht vergewaltigt und ermordet und als wäre das noch nicht genug, hält man ihn für den Mörder. Während Ig’s bester Kumpel Lee (Max MinghellaDarkest Hour), der zufälligerweise auch Anwalt ist, versucht, seine Unschuld zu beweisen und die Presse ihm auf Schritt und Tritt folgt, weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Die Wut auf den eigentlich Mörder seiner Freundin droht ihn innerlich zu zerfressen. Als er schließlich eines morgens erwacht und in den Spiegel schaut, traut er seinen Augen nicht: Sind das Hörner, die da aus seinem Schädel wachsen und immer größer zu werden scheinen? Noch bevor er sich weiter darüber Gedanken machen kann, nehmen die mysteriösen Ereignisse weiter ihren Lauf. Plötzlich scheinen alle Menschen um ihn herum nicht mehr umhin zu kommen, ihm die Wahrheit über ihre dunkelsten Seiten zu erzählen. Nach der ersten Verwirrung gewöhnt Ig sich langsam an seine Hörner und beginnt sie dafür einzusetzen, den wahren Mörder von Merrin zu finden. 

Ganz ehrlich: Als ich das erste mal die Story von Horns gelesen habe, war ich eher gelangweilt. Ich meine, wenn schon ein Film davon handelt, das einem Menschen Hörner aus dem Kopf kriechen, dann möchte ich doch bitte etwas mehr Feuer, brennende Flügel und Dämonen…stattdessen erwartete mich hier ein…naja, was eigentlich? Ein Liebeskrimi mit Fantasyelementen? So richtig wusste ich nicht einzuordnen, was da auf mich zukommt. 

Das Gefühl hielt auch während der ersten halben Stunde des Films an. Ok, der Soundtrack schien ganz cool zu sein und bewegte sich gekonnt zwischen Klassik und David Bowie. Auch die Schauspieler, allen voran Daniel Radcliffe, dessen unrasiertes Äußeres eine willkommene Abwechslung zu dem Zauberlehrling Harry Potter war, und Juno Temple als seine engelsgleiche bessere Hälfte, machten einen guten Eindruck. Die Story konnte mich hingegen erst einmal nicht so ganz mitreißen. Nach dem ernsten Einstieg schwenkte die Stimmung in Richtung einer ziemlich abgedrehten Komödie. Wo sollte das noch hinführen?

Nur kurze Zeit später gab es eine Szene, die mir bewusst machte, dass der Streifen mich schon längst in seinen Fängen hatte. In diesem ausschlaggebenden Moment, da sich eine Gruppe von Reportern zu Marilyn Manson‘s Coverversion von Personal Jesus anfing zu prügeln, kam ich nicht umhin laut zu jubeln. Im Film ist dies die Szene, in der Ig anfängt, seine Kräfte bewusst einzusetzen und plötzlich wurde mir bewusst, welch große Sympathie ich für diesen Kerl empfand und wie unheimlich stark sein Leiden mit den neu errungenen Fähigkeiten kombiniert wurde. Ab da war ich voll und ganz der Faszination um Horns verfallen…und es sollte auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich freudige Jubelrufe von mir gab. 

Dabei ist es auch bis zum Ende hin nicht die Story gewesen, sondern vielmehr deren Inszenierung, die mich so begeistern konnte. Regisseur Alexandre Aja (High TensionThe Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen) beweist ein tolles Gespür dafür, seinen Plot zwischen einer märchenhaften Liebe und der dämonischen Coolness eines von Gott abgewandten jungen Mannes voller Hass zu balancieren. So entsteht im Laufe von zwei Stunden eine Atmosphäre, die mich gar ein wenig an die 1999er Verfilmung von William Shakespeare‘s Ein Sommernachtstraum erinnerte, nur eben nicht ganz so harmlos. Sicher werden viele etwas enttäuscht sein, da es dem Streifen für ein Werk von Alexandre Aja etwas an Drastik und Brutalität fehlt, doch man sollte ihm definitiv eine Chance geben, zumal man dann in der zweiten Filmhälfte doch nochmal etwas Blut und Splatter zu sehen bekommt. Im großartigen Finale bekam dann schließlich auch ich noch das, was ich mir von Anfang an erhofft hatte: Feuer, brennende Flügel und einen verdammt coolen Dämonen. 

 



Zusatzinfos | Herkunftsland: USA, Kanada | Originaltitel: Horns | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 120 Min. | Verleih: Universal Pictures Germany | DVD/BD VÖ: 17.12.2015
 

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https://www.youtube.com/watch?v=3uE0ASufPTs
Horns (2013)
Prädikat: Teuflisch gut!
Story75%
Schauspieler83%
Inszenierung90%
Soundtrack90%
85%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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