How to Catch a Monster - Die Monsterjäger | CoverAdam Green gehört ohne Zweifel zu einem der wenigen jungen Regisseure unserer Zeit, die das Horrorgenre noch so anpacken, dass das Ergebnis auch hartgesottene Fans klassischer Werke begeistern kann. Dies mag insbesondere daran liegen, dass er bei seinen Filmen fast ausschließlich auf handgemachte Effekte setzt und dabei immer den Wurzeln seines Schaffens Tribut zollt. So entstanden in den vergangenen Jahren Werke wie der unglaublich spannende Frozen oder die hochglanzveredelte Trashreihe Hatchet 1-3. Da er sich zwischenzeitlich als feste Größe seiner Zunft etabliert hat, ist es umso mutiger, dass Green sich mit seinem neuesten Streifen auf das Terrain des Independentbereichs begibt. Warum dies so ist und ob How to Catch a Monster – Die Monster-Jäger was kann, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen…

Adam Green (von sich selbst gespielt) ist durch und durch ein Monsterfan. Wenn man dies nicht schon anhand seiner Filme erahnen kann, dann doch spätestens nach den ersten Interviews mit ihm, wo im Hintergrund zahlreiche Figuren, Poster und Zeichnungen von mehr oder weniger bekannten Filmkreaturen in Regalen aufgereiht sind. In den ersten Szenen erzählt er von einem Fanbrief eines gewissen William Dekker (gespielt vom großartigen Ray Wise, u.a. bekannt aus der Serie Mad Men), der behauptet, den Beweis für tatsächlich existierende Monster gefunden zu haben. Was für andere klingen dürfte, wie die Phantasie einer leicht gestörten Persönlichkeit, ist für Green ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass es dort draußen vielleicht wirklich Kreaturen gibt, die bislang im Verborgenen gelebt haben. Dekker nennt diese Wesen “The Marrow” und erklärt dem Regisseur, dass es sich dabei um Menschen handelt, die mit Missbildungen geboren wurden und sich unter der Erde eine eigene Gesellschaft aufgebaut haben. Und obwohl der ehemalige Cop zeitweise etwas verwirrt zu sein scheint, ist Green Feuer und Flamme. Er will an das glauben, was ihm da erzählt wird! Also macht er sich mit ihm auf, um die Wahrheit ans Licht zu bringen…

Um Digging Up the Marrow (so der deutlich passendere Originaltitel) richtig einordnen zu können, ist es wichtig, die Nähe von Adam Green zu seinen Fans zu verstehen. Die Idee des Films basiert nämlich im Kern auf den Zeichnungen von Alex Pardee, der dem Regisseur eine Kostprobe seiner Illustrationen zugesendet hat. Green war von den verzerrten, entstellten und jeglicher Biologie spottenden Gestalten, die er hier zu Gesicht bekam, dermaßen begeistert, dass er sich entschied, um eben diese herum einen Film zu entwerfen. Tja, und der Rest ist Geschichte;)

Diese Grundidee und ihre Umsetzung haben mich von der ersten Sekunde an gepackt und das, obwohl anfangs die Befürchtung groß war, dass ich hier kein cineastisches Festmahl serviert bekomme. Vielleicht lag es an dem wenig imposanten Cover oder dem ziemlich nichtssagenden Titel, den man hierzulande gewählt hat. Nach der Sichtung waren jedoch alle Zweifel verflogen. 

How to Catch a Monster vereint mal wieder die großen Stärken von Adam Green und macht doch etwas Neues daraus. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, das der Streifen eine echte Herzensangelegenheit des Filmemachers ist und er mich auf eine zugleich lustige, als auch verdammt spannende und mitunter sehr gruselige Reise mitnimmt. Dieser Eindruck entsteht vor allem dadurch, dass nahezu alle Darsteller im Film sich selbst spielen und die Drehorte, wie das Büro von Green oder sein Zuhause, äußerst authentisch wirken – wenn sie es nicht sogar sind. Eine richtig große Idee war es zudem, dass sich der Regisseur einmal selbst in den Mittelpunkt stellt. So beweist er nicht nur sein tolles Schauspieltalent, sondern auch, dass er sich nicht davor scheut, seinen Platz im “Off” zu verlassen und den Fans einen großen Schritt näher zu kommen. 

KarlNach seinem Besuch beim Gesichtschirurgen war Karl einfach nicht mehr Derselbe…

Bevor ich nun langsam zum Ende komme, möchte ich euch zwei Dinge nicht vorenthalten: Bei dem Film handelt es sich um einen Found Footage Streifen. Will heißen, dass hier sehr viel mit Handkamera gedreht wird, was mit dem für dieses Genre üblichen Wackelbild einhergeht. Das mag schließlich nicht jeder. Außerdem sollte man wissen, dass man “The Marrow” nicht allzu oft zu Gesicht bekommt. Für mich sind dies aber keine Punkte, die ich kritisieren möchte, zumal mich der Stil solcher Werke immer wieder auf’s Neue begeistert und in diesem speziellen Fall auch noch sehr gekonnt eine Spannung aufgebaut wird, aufgrund derer ich ständig die Befürchtung hatte, dass beim nächsten Kameraschwenk irgendeine Kreatur im Bild auftaucht. Mitunter hat sich dies dann auch bestätigt, sodass ich mich ruckartig in den Sessel gedrückt habe;) Das bei all dieser Lobhudelei die Creature Effects auch noch sehr gut gelungen sind, wirkt fast schon wie ein Bonus, sollte aber nicht unerwähnt bleiben. Für mich ist How to Catch a Monster schon jetzt ein Highlight des noch jungen Filmjahres!

 

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Digging up the Marrow | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 98 Min. | Verleih: Tiberius Film | DVD/BD VÖ: 11.02.2016
How to Catch a Monster - Die Monster-Jäger (2014)
Prädikat: Adam Green trifft mal wieder ins Schwarze - dieses Mal nicht nur als Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch in der Rolle des Genrefans. Ganz groß!
Story75%
Schauspieler85%
Spannung80%
Inszenierung80%
Creature Effects95%
83%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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