In Fear

In_Fear_CoverMit dünn besiedelten Gegenden ist das im Horrorfilm ja so eine Sache, denn hier lauert meistens nichts Gutes. Egal ob ein Wald (Wrong Turn), die Wüste (The Hills Have Eyes) oder ein Sumpf (Hatchet) – die Genreregeln sind da äußerst streng und schreiben eine zügige Dezimierung derer vor, die sich an solche Orte verirren. Aber wie verhält es sich, wenn es nur wenige potentielle Opfer gibt? Dann spielt der Menschenjäger, der in diesem Falle nicht mehr als ein Raubtier ist, eben noch etwas mit seiner Beute. Hierbei geht es dann meist darum, den Gejagten erst eine Weile psychisch zu quälen, um ihm letztlich den Todesstoß zu verpassen.

So in etwa kann man sich das bei In Fear von Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Lovering vorstellen, der uns in das noch recht unverbrauchte Setting des irischen Flachlands entführt. Hierhin verschlägt es das frisch verliebte Pärchen Tom (Iain De Caestecker) und Lucy (Alice Englert), die eigentlich auf dem Weg zu einem Festival sind. Vorher möchten die beiden aber noch eine romantische Nacht in einem abgelegenen Hotel verbringen. Leider ist selbiges gar nicht so leicht zu finden und so verfahren sich sich immer wieder auf’s Neue, nur, um schließlich feststellen zu müssen, dass sie scheinbar im Kreis gefahren sind. Letztlich geben sie die Suche auf und wollen zurückfahren, was sich aber ebenfalls sehr schwierig gestaltet. Während sie zunehmend verzweifeln, bricht die Nacht herein und mit ihr beginnt ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel…

Mehr möchte ich nicht verraten, denn auch, wenn In Fear nahezu keine Wendung hat, die der aufmerksame Zuschauer nicht schon eine ganze Weile vorher erahnt, schafft der Film es doch, eine unglaublich intensive Spannung

aufzubauen. Das ist insofern mehr als beeindruckend, als das man in Sachen Setting und Schauspieler sehr sparsam ist. Gerade einmal drei Darsteller stemmen den Streifen und abgesehen von der mit Sträuchern flankierten Straße, auf der Tom und Lucy knappe 90 Min. lang herumfahren, gibt es nicht viel zu sehen. Lediglich zu Beginn und am Ende bekommt man einen Eindruck der weitläufigen Landschaft, was aber insbesondere in den ersten Minuten eine wohlig ungemütliche Atmosphäre schafft, die sich über den gesamten Film fortsetzt. Unterstützt wird diese Stimmung durch die lange unbeantwortete Frage, was hier eigentlich vor sich geht. Spätestens, wenn dann die Nacht hereinbricht zieht die Spannung spürbar an. Das dies so gut gelingt, liegt vor allem an Kameramann David Katznelson und an der extrem guten Beleuchtung. Ich hatte es Anfang letzten Jahres ja schon einmal in meiner Kolumne Licht und Schatten geschrieben: Horrorfilme sind einfach grusliger, wenn es in den dunklen Szenen auch verdammt nochmal wirklich finster ist! Und genau diesen wichtigen Aspekt meistert In Fear mit Bravour, was bei mir dann auch sogleich die so häufig erhoffte Wirkung hatte – alter, was hab ich mich gegruselt! Das ständige Spiel mit dem Licht und der Ungewissheit, was sich in der Dunkelheit dahinter verbirgt, dazu der bald einsetzende Regen, die verschwommene Sicht durch die Frontscheibe des Autos…einfach großartig!

Da lässt es sich auch verschmerzen, dass sich insbesondere in der zweiten Hälfte die Situationen häufen, in denen die Protagonisten nicht so agieren, wie es die Vernunft gebieten würde. Selbst die äußerst flachen und über weite Strecken nicht einmal sympathischen Charaktere sowie die fehlende Abwechslung können diesem Streifen nicht das Genick brechen, denn relativ schnell wird klar, dass man sich ausschließlich darauf konzentriert hat, Spannung zu erzeugen und diese möglichst lange aufrecht zu erhalten. Das ist definitiv gelungen!


Zusatzinfos | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 85 Min.
In Fear (2013)
Prädikat: Einfach aber effektiv!
Story55%
Schauspieler75%
Spannung90%
Atmosphäre80%
75%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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