Naturgewalten sind so faszinierend wie gefährlich. Ganz besonders trifft dies auf Tornados zu, die Jahr um Jahr ganze Landstriche verwüsten und trotz oder gerade wegen ihrer zerstörerischen Kraft die Menschen anziehen. Sogenannte Sturmjäger oder Spotter machen es sich gar zur Aufgabe, “Twister” zum Zwecke der Dokumentation zu verfolgen und arbeiten dabei mit Wetterdiensten zusammen. Wie das aussehen kann, wenn Hollywood sich der Thematik annimmt, hat man schon sehr eindrucksvoll in dem gleichnamigen Film von 1996 gesehen. Als im letzten Jahr der Trailer zu Into the Storm erschien, hätte man meinen können, es handle sich um ein Remake von Twister. Und so ganz daneben liegt diese Vermutung gar nicht einmal. Aber knapp 20 Jahre später muss das ganze natürlich noch viel imposanter aussehen. So versprach der Trailer sowohl Tornados, die in Flammen stehen, als auch Flugzeuge, die ganz ohne Crew in die Luft gehen. Als Freund gut gemachter Katastrophenfilme musste das Teil natürlich schnellstmöglich in meiner Privatvideothek landen. Nur kann der Film wirklich begeistern?

Die Story ist zunächst mal so dünn und schnell vergessen wie ein Blatt im Sturm: Eine Gruppe Storm Hunters (so der Originaltitel) hat zu lange keinen anständigen Tornado mehr hautnah erlebt. Das soll sich in dem beschaulichen Örtchen Silverton, Oklahoma ändern. Hier finden gerade die Vorbereitungen zur Jahresabschlussfeier der Highschool-Abgänger statt. Gerade erst angekommen, wird aus der Hoffnung aber ganz schnell Ernüchterung, denn das erhoffte Unwetter scheint sich wieder aufzulösen.

Dies ist allerdings nur die Ruhe vor einem Sturm, dessen zerstörerische Kraft alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt…

Den Vergleich mit Twister muss sich der Film gefallen lassen, denn Regisseur Steven Quale (Final Destination 5) und Drehbuchautor John Swetnam (Step Up All In) versuchen gar nicht erst, die Ähnlichkeiten zu verbergen. Man kann es ihnen aber auch nicht wirklich verübeln, denn welch besseres Alibi gibt es, als den Film aus Sicht der Spotter zu erzählen, um die Tornados so nah wie möglich zu zeigen? Hier macht Into the Storm aber einen kleinen Unterschied, denn neben der Geschichte um Pete (Matt WalshTed) und Allison (Sarah Wayne CalliesThe Walking Dead), die der Naturgewalt hinterherjagen, gibt es noch einen zweiten Erzählstrang, der von Donnie (Max Deacon), einem der Highschool-Absolventen erzählt. Hier versucht man durch ein angespanntes Vater Sohn Ver-

hältnis etwas Charaktertiefe in die Story einzuflechten, was mehr schlecht als recht gelingt. Dies liegt vor allem daran, dass die Protagonisten bis auf eben jenen Ansatz flach wie Pappe bleiben und ihre Hintergrundgeschichten spätestens mit dem ersten Sturm vergessen sind. Das konnte man auch Twister vorwerfen, wo man dies allerdings noch durch sympathische Charaktere und einige lustige Szenen auszubügeln wusste.

Into the Storm verlässt sich hingegen gänzlich auf das Effektgewitter, welches glücklicherweise auch nicht lange auf sich warten lässt und dem Zuschauer spätestens ab dem zweiten Drittel im Minutentakt um die Ohren knallt.

Das ist insofern sogar noch etwas cooler gemacht, als bei dem großen Vorbild, als das hier die Tornados immer wieder und sehr unvermittelt auftauchen, wobei sie zu allem Übel von mal zu mal schlimmer und größer werden, bis schließlich…oh, jetzt hätte ich fast gespoilert;) Ich sage es mal so: Im Finale bleibt kein Stein auf dem anderen. Das nimmt dann gar so drastische Ausmaße an, dass es manches mal schon ungewollt komisch wirkt. Da kann man dann lachen, muss man aber nicht. Die fliegende Kuh in Twister ist und bleibt unschlagbar (ok, da gibt’s noch Sharknados, aber das ist ein ganz anderes Niveau;).

So, und ist Into the Storm nun ein guter Film? Dazu gibt’s ein klares Jein…optisch kann das Teil absolut überzeugen und es ist ein Heidenspaß, der fortschreitenden Zerstörung zuzusehen. Auch die Schauspieler können im Großen und Ganzen überzeugen und spielen ihre ziemlich dünn gestrickten Rollen so gut es eben geht. Eigentlich dachte ich bislang, dass mir das bei einem Katastrophenfilm vollkommen ausreicht. Bei diesem hier bleibt dann allerdings doch das Gefühl zurück, dass dem Drehbuch etwas mehr Kreativität gut getan hätte. Trotz einiger Spannungsmomente fehlt ihm einfach das, was mit einer Katastrophe, egal ob im Film oder dem realen Leben, immer einhergeht: Das Drama. Ich denke da zum Vergleich gerade an The Day after Tomorrow, wo das Vater Sohn Verhältnis sehr viel glaubwürdiger und emotionaler vermittelt wurde und auch, wenn ich den Film schon dutzende male angeschaut habe, freue ich mich immer wieder wie ein Keks, wenn Dennis Quaid und Jake Gyllenhaal zusammenfinden. Diese emotionale Ebene geht Into the Storm leider komplett ab.



Into the Storm (2014)
Prädikat: Stürmisch.
Story50%
Schauspieler65%
Spannung72%
Katastrophenfaktor80%
67%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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