KNOCK KNOCK Filmplakat_© SquareOneUniversum

Versetzen wir uns einmal in folgende Situation: Wir sind ein gut aussehender Mann in den Vierzigern, haben einen kreativen Job als Architekt, sind mit einer attraktiven und deutlich jüngeren Frau verheiratet und Vater zweier quirliger Kids. Auch finanziell kann man sich nicht beklagen. Ein echtes Bilderbuchleben also. Nun bedingt es die Arbeit, dass wir zuhause bleiben müssen, während unsere bessere Hälfte mit Sohn und Tochter über das Wochenende an den Strand fährt. Ärgerlich, aber so ist das nunmal. Also setzen wir uns abends an den Computer und legen ein paar alte Platten auf, um etwas Hintergrundgedudel zu haben. Plötzlich klopft es an die Tür (*knock* *knock*). Es ist schon stockfinster draußen und es schüttet wie aus Eimern, also wer in Gottes Namen mag das sein? Wir öffnen natürlich nicht einfach und fragen erst einmal nach, wer da vor dem Haus steht. Es melden sich zwei zarte Stimmchen. Nichts Böses ahnend machen wir die Tür auf und erblicken zwei extrem hübsche und bis auf die Haut durchnässte Mädels. Sie würden jemanden suchen, der in der Nähe wohnt. Leider wüssten sie nicht, wo genau sie hin müssen und die Handys funktionieren nicht. Da wir ein Gutgläubiger Kerl sind, gewähren wir den beiden Einlass, lassen sie die Adresse checken und rufen ihnen ein Taxi. Und selbst, als sie fragen, ob wir ihre Klamotten kurz in den Trockner schmeißen können, denken wir uns noch nichts dabei und willigen ein. Nun sitzen da also zwei heiße Schnitten auf unserer Couch, nur mit einem Bademantel bekleidet und verwickeln uns in ein Gespräch, das immer intimer wird. Nicht nur, dass das Thema Sex zunehmend präsenter wird, sie rücken uns auch zunehmend auf die Pelle. Just, als das Taxi vor dem Haus steht, sind die beiden in das Badezimmer entschwunden. Wir holen also ihre Kleidung und sagen ihnen bescheid. Als Antwort erhalten wir jedoch nur mädchenhaftes Kichern. Also wollen wir ihnen die Sachen ins Bad bringen, halten uns extra noch die Augen zu…tja, und da stehen sie nun, splitternackt und gehen auf Tuchfühlung. Was jetzt? Nach dem verbalen Vorspiel dürfte es da jedem Mann ziemlich schwer fallen, nicht “standhaft” zu bleiben…und die zwei gehen ganz schön ran, fallen vor uns auf die Knie. Unser Kopf geht aus, wir lassen die Triebe ans Steuer und öffnen so einem höllischen Wochenende Tür und Tor, nach dem nichts mehr so sein wird, wie zuvor…

An dieser Stelle sei genug über die Story des ganz einfach Knock Knock getauften Films gesagt. Nur soviel noch: Die beiden Damen haben es faustdick hinter den

Ohren und machen Keanu Reeves in der Rolle des naiven Familienvaters Evan ganz schön das Leben schwer. Gespielt werden sie von Lorenza Izzo (Aftershock) und Ana de Armas (Blind Alley – Im Schatten lauert der Tod). Für die Regie zeichnete niemand Geringeres als Eli Roth höchstpersönlich verantwortlich. Genrefans wird dieser Name vor allem aufgrund seiner großartigen Filme Cabin Fever sowie Hostel etwas sagen. 

Und wie man das von ihm nicht anders gewohnt ist, hat er auch für seinen neuesten Streifen am Drehbuch mitgearbeitet und diesen produziert. Kann also eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?  Ganz so einfach macht es uns der Ausnahmeregisseur dieses mal leider nicht. Wer sich nämlich auf extreme Filmkost freut (wie das bei ihm bisher so üblich war), wird enttäuscht werden, denn insbesondere in Sachen Blutgehalt dürfte Knock Knock zu einem seiner harmlosesten Streifen gehören. Auch die Story kann nicht so wirklich begeistern und erinnert stark an Julia X. Sich an diesem großartigen Film zu orientieren, ist zwar keineswegs eine schlechte Idee, aber etwas mehr Innovation hätte Roth’s Werk doch gut getan. So weit, so “schonmal gesehen”.

Doch auch, wenn er wenig Neues zu bieten hat, konnte mich der Film durchaus begeistern. Das liegt überraschender gerade an Keanu Reeves, der schon in seiner letzten Rolle als John Wick (die Review findet ihr hier: Wick…äh Klick) gezeigt hat, dass er besser spielen kann, als ich es ihm bis dahin zugetraut hätte. Für Knock Knock legt er nochmal eine gehörige Schippe drauf, sodass mir sein Schauspiel zum ersten mal wirklich positiv aufgefallen ist. Vom liebevollen und naiven Daddy, über den wahllos Fluchenden bis hin zum wimmernden Häufchen Elend kitzelt er ein erstaunliches Repertoire aus sich heraus. Sehr schön! Apropos schön: Auch Lorenza Izzo und Ana de Armas können schauspielerisch (optisch sowieso) überzeugen, bewegen sich teilweise aber hart an der Grenze zum Overacting. Das tut der Spannung des Films glücklicherweise keinen Abbruch und das verwinkelte Haus als Setting sowie die tolle Musikuntermalung von Komponist Manuel Riveiro, die insbesondere im ersten Drittel mit finsteren Klavierklängen eine fast schon klassische Gruselatmosphäre erzeugt, tragen ebenfalls dazu bei, dass Knock Knock gute eineinhalb Stunden bodenständige Thrillerunterhaltung bietet.

  

 

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Knock Knock | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 99 Min. | Verleih: SquareOne Entertainment / Universum Film | Kinostart: 10.12.2015
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https://www.youtube.com/watch?v=QBQAYoSVtwk
Knock Knock (2015)
Prädikat: Gut.
Story60%
Schauspieler80%
Spannung75%
Inszenierung80%
74%Wertung
Leserwertung: (1 Judge)
10%

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