Nach der durch den Wanderplaneten Ikarus ausgelösten Katastrophe auf der Erde, geht es auf unserem blauen Planeten zu wie in einem Dritte-Welt-Land: Während die aufgewirbelte Staubschicht es unmöglich macht, Nahrungsmittel anzubauen, üben sich Regionalgouverneure in Selbstjustiz. Die Ressourcenknappheit trifft auch die Raumnotretter mit voller Wucht, denn nachdem ihnen die finanziellen Mittel entzogen wurden, sind sie quasi handlungsunfähig. Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, wird Mark Brandis auch noch von einem mysteriösen Unbekannten entführt und dazu gezwungen, auf die Suche nach einem Artefakt zu gehen, welches seinerzeit mit dem Ikarus auf die Erde kam. Um den Druck noch zu erhöhen, werden sowohl Mark, als auch seiner Frau Ruth Nanosender eingepflanzt, die es dem Entführer leicht machen, beide auf Schritt und Tritt im Auge zu behalten…irgendwas ist aber auch immer…

Zugegeben, selbst nach mehrmaligem Hören dieser Folge 28, hatte ich so meine Probleme, dem Storyverlauf zu folgen. Vielleicht habe ich mich auch einfach nicht richtig konzentriert, auf der anderen Seite finde ich, dass so mancher Zufall, der Mark Brandis letztlich zu der titelgebenden Zeitspule führt, doch einen Tick zu konstruiert wirkt. So möchte er sich nach der Entführung erst einmal absetzen, um in Ruhe seinem geheimen Auftrag nachgehen zu können, wird auf dem Weg nach Metropolis jedoch von einem Funkspruch abgelenkt, ohne den er wohl kaum, oder zumindest nicht so zügig, auf die richtige Spur gelenkt worden wäre. Das die Erzählstränge von Hörspielen aber mitunter ohnehin sehr dicht sind und in ca. 70 Minuten eine ganze Menge Informationen verpackt werden müssen, sehe ich das wirklich nur als kleinen Kritikpunkt, der sich durchaus verschmerzen lässt.

Dies gilt vor allem deswegen, weil Die Zeitspule 1 ansonsten wieder durch eine grandiose Produktion, tolle Stimmen, großartige Musik und eine spannende Geschichte mit einem (glücklicherweise nicht ganz so fiesen) Cliffhanger besticht. Letzterer bildet übrigens den direkten Übergang zu Folge 29, die, wer hätte es erraten, Die Zeitspule 2 heißt. Natürlich könnte ich jetzt die Lobhudelei und damit den Artikel beenden und zur finalen Wertung übergehen, allerdings möchte ich schon noch einmal kurz auf ein paar Aspekte eingehen, die mir ganz besonders gefallen haben.

Asche über mein Haupt, falls ich mich wiederhole, aber die Dialoge der Mark Brandis-Reihe sind einfach überragend! Das betrifft in dem vorliegenden Fall vor allem die Formulierungen und die Dynamik, mit der die Sprecher diese in die Ohren die Zuhörers zu transportieren vermögen. Es ist eine wahre Freude, wenn

sich bspw. Mark Brandis mit einem regelrechten “Beamtenbibliothekar” über dessen Berufsauffassung streitet. Das sind nicht einfach nur vorgetragene Gespräche ohne Seele, da wird mit jedem Satz ein bisschen mehr von der fiktiven Persönlichkeit offenbart, die dort gerade spricht. Es sind diese starken Momente, die das Franchise ausmachen, denn hier, und entschuldigt, wenn ich diesen abgedroschenen Spruch nun bringe, ist man nicht nur dabei, sondern wahrlich mittendrin. Das liegt sicherlich auch daran, dass bei vielen Aufnahmen die Sprecher im Studio tatsächlich in Augenkontakt zueinander standen, wodurch natürlich vielmehr ein echter Dialog möglich ist, als wenn man seinen Part einem vorher eingesprochenen Teil hinzufügt. Ihr wisst, was ich meine;)

Über den Sound habe ich mich ja schon in meinem Artikel zu Planetaktion Z begeistert gezeigt und dieser Eindruck bleibt hier bestehen. Worauf ich damals aber nur kurz eingegangen bin, ist die Musik. Diese hat in Die Zeitspule 1 einen ganz besonders großen Auftritt, als Marks Brandis und sein Navigator Lt. Iwan Stroganow ein Raumschiff von der Raumstation Las Lunas entführen wollen. Fast unmerklich setzt da im Hintergrund die Musik ein und steigert sich mit zunehmender Spannung der Szene, welche ohne diese akustische Untermalung nicht einmal halb so sehr zum Mitfiebern einladen würde. So wird daraus ein mehr als gelungener Titel, den ich mir immer wieder gerne anhöre und dafür auch einmal kurz alles links liegen lasse…

Was die Sprecher betrifft, bin ich schon die ganze Zeit am hadern, ob ich überhaupt irgendwelche Namen nennen soll. Warum? Diese machen allesamt und ohne Ausnahme einen so guten Job, dass ich entweder alle aufführen müsste, was wohl etwas zuviel des Guten wäre, oder bestimmte Sprecher durch eine Nennung hervorheben würde…ok, es gibt da drei Personen, die einfach erwähnt werden müssen, auch, wenn sie lediglich einen kurzen Auftritt haben. Gemeint sind Peter Groeger (Bibliothekar), André Beyer (Leonardo Assante) und Reinhard Scheunemann (Leo S. Smirnoff…ja, der heißt wirklich so;). Alle drei fallen sie durch ihre ungewöhnliche Performance inmitten der vielen großen Stimmen nochmal besonders positiv auf. Wer gerne wissen möchte, welche Sprecher noch an dieser Folge beteiligt waren, dem wird unter folgendem Link geholfen: KLICK.

Ansonsten bleibt nichts mehr zu sagen, außer, dass Die Zeitspule 1 ein weiteres großes Stück Hörspielgeschichte ist. Zusammen mit dem zweiten Teil bereitet sie auch wunderbar auf die ergreifende und epische Folge 30, Planetaktion Z vor.

Hinweis: Ab sofort könnt ihr unten eure eigene Wertung zu der Serie abgeben. Dafür müsst ihr nicht auf B.M.T.H. registriert sein. Einfach auf der Leiste eine Wertung anklicken (erscheint, wenn ihr mit dem Mauszeiger über die Leiste geht).

Mark Brandis - Die Zeitspule 1
Prädikat: Spannende Schatzjagd im Weltraum...
Sprache96%
Inhalt85%
Atmosphäre85%
Ton94%
90%Sci-Fi-Faktor
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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