James Hetfield, Kirk Hammett, Lars Ulrich und Robert Trujillo – wie kaum eine andere Gruppierung stehen diese 4 Herrschaften seit Anfang der 80er Jahre (Trujillo seit 2002) für Metal. Was Elvis Presley für den Rock´n Roll und Michael Jackson für den Pop, das sind Metallica für den Metal. Dabei stehen sie nicht nur für eine unvergleichliche Art des Musizierens, sondern auch für stets neue Ideen, neuen Drive, neuen Bombast. 1999 nahm man mit dem San Francisco Symphony Orchestra ein Live-Album auf…danach wurde es zunächst ruhig um die Band und das 2003er Album „St. Anger“ wollte nicht so wirklich gut ankommen (trotz hoher Platzierungen in diversen Charts). 2008 lieferten Metallica mit „Death Magnetic“ eines der besten Alben ihrer Geschichte ab. 5 Jahre später war es an der Zeit für einen neuen Live-Film – das Resultat war „Through the Never“…

Grundsätzlich hätte ein reiner Mitschnitt der Konzerte (welche u.A. in Mexiko und Kanada aufgezeichnet wurden) vollkommen ausgereicht um die Kinnlade für gut 90 Minuten auf Tiefstand zu halten. Aber Metallica wären nicht Metallica, wenn sie nicht auch hier etwas vollkommen Neues ausprobieren würden. So holte man sich mit Nimród Antal (u.A. „Kontroll“ und „Predators“) einen erfahrenen Regisseur an Board, der neben den 4 Bandmitgliedern selbst auch an dem Drehbuch mitgeschrieben hat und das Ergebnis visuell extrem beeindruckend umzusetzen weiß. So wird parallel zu dem Konzert eine kleine Geschichte um „Trip“ (!), einen Roadie der Band, erzählt. Dieser bekommt zu Beginn des Auftritts den etwas geheimnisvollen Auftrag einen stehengebliebenen LKW mit Benzin zu versorgen. In diesem Gefährt befinde sich etwas, dass die Band unbedingt benötige. Also macht sich Trip auf den Weg. Irgendetwas scheint jedoch mit der Stadt nicht zu stimmen…zuerst ist keine Menschenseele auf der Straße, keine Autos sind unterwegs. Dann kommt wie aus dem Nichts ein einzelnes Fahrzeug angeschossen und rammt in die Seite von Trip´s Transporter. Also muss er zu Fuß weiter…doch die Geschichte wird immer bizarrer. Die ganze Welt scheint aus den Fugen zu geraten, Polizei und seltsam vermummte Gestalten liefern sich Straßenschlachten und die Stimmung kippt mehr und mehr in Richtung Endzeit. Metallica spielen indes einfach weiter…

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Die Geschichte um Trip wird in kurzen Sequenzen erzählt und ist ein extrem gutes Mittel um Zuschauer, denen eine reine Konzertaufnahme zu eintönig wäre, bei der Stange zu halten. Im Fokus steht aber ganz klar das Konzert und was man hier zu sehen bekommt ist schlichtweg der Hammer! Das nach allen Seiten offene Bühnenbild ist grandios und verändert sich ständig. Mal werden Scheinwerfer an Halterungen heruntergefahren, die an Särge erinnern. Bei „Ride The Lightning“ lässt man ein riesigen, von Tesla-Spulen flankierten, elektrischen Stuhl von der Decke und setzt diesen unter Strom. Während „Justice For All“ wird eine gewaltige Justitia aufgebaut, was neben dem Intro von „One“, bei dem die gesamte Bühne unter Beschuss genommen wird, zu den beeindruckendsten Szenen gehört. Hiermit ist keineswegs zuviel verraten, denn all das muss man einfach gesehen haben um auch nur ansatzweise die Wucht, die dadurch entsteht, zu spüren. Aber auch Metallica selbst verschießen ihr ganzes Repertoire und beweisen damit, dass sie zu einer der besten Live-Bands zählen: Ganz nahe bei den Fans wird gemeinsam gesungen, gegrölt und Schweiß vergossen. Als das Publikum nicht müde wird das „gelallte“ Finale von „The Memory Remains“ zu wiederholen zeigt sich Hetfield gar ganz ergriffen. Dies sind einfach schöne Szenen, die man als Fan der Band sehen möchte.

Ride The LightningC´Mon, let´s “Ride The Lightning”

Das Line-up umfasst 16 Songs und deckt die gesamte Bandgeschichte ab: Klassiker wie „Hit The Lights“ reihen sich an aktuelle Werke wie „Cyanide“. Grundsätzlich sollte für jeden etwas dabei sein. Ich persönlich hätte mir ein paar mehr melodische Songs wie bspw. „The Unforgiven“ oder „The Day That Never Comes“ gewünscht…aber das ist wirklich meckern auf sehr hohem Niveau und natürlich sollte dabei auch beachtet werden, dass die Songauswahl ganz offensichtlich die Geschichte um Trip unterstützen soll und so passt es wieder…

Soundtechnisch ist die BluRay über alle Zweifel erhaben. Die 3D-Effekte sind gut, aber nicht überragend. Wer jedoch das volle Erlebnis genießen will und die entsprechende Technik sein Eigen nennt, der sollte sich die durchaus erschwingliche 3D-Version zulegen/ausleihen.

Es bleibt noch zu sagen, dass Metallica mit dem Drehbuch ein sehr gutes Gefühl für spannende Geschichten beweisen. Aus der Story um Trip wird optisch und erzählerisch das absolute Maximum herausgeholt und besonders spannend wird es, wenn peu a peu alle Erzählstrukturen und Ebenen ineinander fließen. Am Ende bleibt dann sogar noch etwas zum Rätseln.

Metallica haben es erneut geschafft und ein vollkommenes Werk abgeliefert, wie man es so nicht nicht gesehen hat. Egal ob Musikfan oder ein nur interessierter Cineast: Diesen Film sollte man sich nicht entgehen lassen. Und bitte die Subwoofer auf Anschlag drehen!

 

Über den Autor

Film- und Seriennerd, Musikliebhaber, Hörspielverrückter, Zocker und ein kleiner Dichter. Als Inhaber von B.M.T.H. möchte ich euch besondere Werke aus diesen Bereichen vorstellen. Außerdem werden hier erstmals meine selbstgeschriebenen Gedichte veröffentlicht. Wenn ihr mehr über mich und das Projekt B.M.T.H. erfahren wollt, dann besucht doch einmal den Bereich "Über mich";)

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