Morgenstern: Blutige Eiszeit

Chris Morgenstern ermittelt wieder! Folge drei der inszenierten Lesung führt den sympathischen Privatermittler zwar nicht ins Ausland, dafür aber in den abgelegenen Ort Pulkwitz. Zu Beginn der Folge wird er von Henry Esser, einem alten Freund, angerufen. Durch das Knarzen und Rauschen der schlechten Verbindung schildert dieser, dass Elmar, ein guter Kumpel, verschwunden sei und er Chris’ Hilfe brauche, um den Vermissten wieder zu finden. Auf die Frage, warum er nicht die Polizei einschalte erwidert Henry, dass er die örtlichen Beamten in Verdacht hat, in die Sache verwickelt zu sein. Wenn das mal kein Fall für Chris ist. Also macht er sich auf den Weg nach Pulkwitz, um dem guten Mann zu helfen. Aber vorher darf natürlich das mittlerweile obligatorische Treffen mit dem “Bagger” (siehe Rezension zu Todeszone Sinai) nicht fehlen. Nach einer recht holprigen Anreise trifft unser Protagonist vollkommen erledigt im Hause Esser ein und wird von seinem Freund auf den neuesten Stand gebracht. Es dauert nicht lange, bis sich herausstellt, dass in Pulkwitz einiges im Argen liegt. Chris geht den dunklen Machenschaften auf den Grund und findet sich plötzlich gefesselt mitten in einer Schießerei wieder…

So, bevor ich ans Eingemachte gehe, muss eine Frage geklärt werden: Where the heck is Pulkwitz?! Angeblich liegt das Dorf in Brandenburg, nicht weit von Potsdam entfernt und wissbegierig, wie ich nunmal bin, habe ich mich auf Erkundungstour durch das World Wide Web begeben, um herauszufinden, wo dieser Ort denn genau sein soll. Und siehe da…nichts da! Diese Stadt ist entweder so klein, dass es sich nicht lohnt, sie in den Tiefen des Internets auch nur einmal zu erwähnen, oder, es ist eine erfundene Stadt, ODER, man meint den tatsächlich in Brandenburg gelegenen Ort Putlitz:

Putlitz

Nun denn, genug Geographie für heute. Was kann das Hörbuch neben einem vermeintlich nicht existenten Ort sonst so bieten? Wem die oben genannte Zusammenfassung der Story bekannt vorkommt, der erinnert sich vielleicht noch an den Artikel zu Todeszone Sinai. Das Grundgerüst von Blutige Eiszeit ähnelt dem Vorgänger nämlich schon sehr. Neben der erneuten Suche nach dem Freund eines Freundes gibt es auch noch weitere Parallelen zur zweiten Folge (bspw. die zwielichtige Staatsgewalt). Auch was den Stil angeht, bleibt man größtenteils beim bewährten Rezept: Morgenstern’s flachse Sprüche, Rätselraten darüber, was vor sich geht und ein paar Actionszenen. Glücklicherweise bietet diese Folge aber auch genug Abwechslung: Das verschlafene, und nebenbei komplett zugeschneite Städtchen, in das es Morgenstern verschlägt, hat so gar nichts gemein mit dem Sinai. Ich persönlich stehe ja auf Geschichten, die sich fernab der Großstädte und bei möglichst ungemütlichem Wetter abspielen. Kerzen an, Tee brühen, unter die Decke schlüpfen…herrlich! Blutige Eiszeit transportiert dafür genau die richtige Atmosphäre. Es gibt aber noch ein paar weitere Neuigkeiten. Zwar wird die dritte Folge zum Großteil ebenfalls in guter, alter Hörbuchmanier erzählt, allerdings hat man nun auch ein paar Hörspielelemente eingeflochten. Diese kommen an genau den richtigen Stellen, wenn Chris bspw. auf einer verlassenen Straße durch die frostige Nacht stapft und in den umliegenden Wald hineinruft oder während des bereits erwähnten Telefonats mit Henry Esser. Hier wird der Text dann ebenfalls inszeniert. Sehr gut! Außerdem wurde die Erzählung mit einigen Hintergrundinfos verfeinert, die sich erst im späteren Verlauf erschließen. Nach Todeszone Sinai geht man also noch einen Schritt weiter und baut neben leichten Anpassungen in der Inszenierung nun neue Storyelemente ein. Das ist sehr lobenswert, zumal man sich fragen darf, was die nächsten Geschichten an frischen Ideen mit sich bringen mögen. Ich hoffe jedenfalls, dass man diese kleinen Schmankerl beibehält.

In den letzten Artikeln habe ich ja zum einen die für eine Freigabe ab 16 sehr zaghafte Herangehensweise, als auch das etwas zu glatte Profil des Protagonisten kritisiert. An diesem Punkt schließe ich jetzt einmal damit ab. Ja, ich wünsche mir immer noch etwas mehr Härte und ja, Chris’ Charakter sollte weiter ausgearbeitet werden, aber mittlerweile bin ich einfach zu sehr im Morgenstern-Fieber, als weiter darauf herumreiten zu wollen. Wird ja auch irgendwann langweilig. Zudem sind wir ja erst bei Folge 3 und wer weiß, was noch so passiert. Denkt euch also diese Punkte in Zukunft einfach dazu und wenn sich was ändert, erfahrt ihr es als Erste;)

Sonst gibt es an Blutige Eiszeit wahrlich nichts zu kritisieren. Es ist genauso locker, wie die beiden Vorgänger und gerade als Vielhörer von solch intensiver Kost wie bspw. Gabriel Burns, finde ich hier genau die richtige Abwechslung. Die Fälle, die der Privatermittler zu lösen hat, sind bis jetzt alle unterhaltsam und kurzweilig. Vor allem für längere Fahrten mit dem Auto oder dem Zug ist die Hörbuchreihe voll und ganz zu empfehlen.

Ach ja, eine Sache hätte ich fast vergessen: Das Ende von Blutige Eiszeit bleibt der Serie ebenfalls treu. Man darf sich also beim letzten Titel wieder auf ein kurzes Telefonat mit dem Unbekannten einstellen. Bin ja mal gespannt, was da irgendwann noch mal kommt. Bis dahin freue ich mich auf die nächste Folge (Die Axt) und die, die hoffentlich sehr bald noch folgen.

Morgenstern: Blutige Eiszeit
Prädikat: Eiskalte Unterhaltung aus Pulkwitz (Putlitz?)
Sprache80%
Inhalt85%
Atmosphäre90%
Ton90%
86%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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