Morgenstern – Die Axt

“Nicht alle Detektive saufen.” Also bei einer Folge, die so anfängt, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen, oder? Die Axt beginnt mit einem verkaterten Chris Morgenstern, der von einem Anruf seines Kumpels Knut aufgeweckt wird. Dieser ist, wie sollte es auch anders sein, mitten in einem Filmprojekt. Aus dem normalerweise nur kurzen Auftritt des “Baggers”, entwickelt sich dieses mal jedoch die Kernstory dieser Folge. Am Set des Films, für den Knut eine Rolle ergattern konnte, wurde ein Mord verübt. Aylin, eine gute Freundin und Schauspielkollegin von Knut, konnte den Täter auf frischer Tat ertappen. Bei der Zeugenbefragung bekommt sie allerdings zunächst nur ein Wort heraus: Axt. Dies ist insofern seltsam, als das der ums Leben Gebrachte offensichtlich erschossen wurde. Selbstverständlich erfahren wir im späteren Verlauf noch, was es mit dem Forstwerkzeug auf sich hat…bis dahin jedoch werden Chris, Aylin und Knut, der hier auch mal eine größere Rolle spielt, von Unbekannten durch ganz Potsdam gejagt. Während unser Titelheld verzweifelt versucht herauszufinden, warum seine Verfolger ihm immer einen Schritt voraus zu sein scheinen, hinterlassen selbige eine blutige Spur in der Hauptstadt Brandenburgs. Und dieses mal Rollen Köpfe…

Die Zusammenfassung lässt es bereits vermuten: In der bis dato aktuellsten Folge von Morgenstern gibt es Action! Und fast scheint es so, als wolle man die wichtigsten Personen in dieser bislang aktuellsten Folge noch einmal zusammenbringen. Neben dem bereits erwähnten Knut haben auch Kriminalhauptkommissar Max Kritze und die Wirtin Anna einen Auftritt. Nach den Ausflügen in den Sinai und nach Pulkwitz (Putlitz?) und den damit verbundenen neuen Bekanntschaften, ist es auch recht angenehm, nochmal etwas mehr über die Personen zu erfahren, die Chris am nächsten stehen. Damit sei jedoch nicht gesagt, dass es sich um eine langsam dahinschleichende Kennenlernfolge handelt – ganz im Gegenteil. Noch keine Morgenstern-Ausgabe war so rasant, wie die vorliegende und nachdem ich in meinem Artikel zu Blutige Eiszeit noch gemeint habe, dass ich von weiterer Kritik hinsichtlich fehlender Härte absehen möchte, muss ich nun doch nochmal darauf eingehen. Die Axt verdient sich in meinen Augen als erste Folge voll und ganz die Freigabe ab 16, denn wenn ich oben schreibe, dass hier Köpfe rollen, dann ist das nicht bloß eine Phrase. Während Chris und seine Freunde auf der Flucht sind, wird es mitunter so brenzlig, dass selbst der sonst so friedliebende Privatdetektiv gezwungen wird, von der Waffe Gebrauch zu machen. Nicht nur diese actionlastige Inszenierung vermittelt das Gefühl von einem Zwischenfinale: Am Ende der Folge erfahren wir außerdem endlich etwas mehr über den geheimnisvollen Anrufer und, dass auch Chris’ engste Vertraute nicht über jeden Zweifel erhaben sind…

Neben diesen spannungstreibenden und deswegen absolut positiv zu wertenden Aspekten, gibt es auch ein paar Dinge, die mir nicht gefallen. Da wäre zum einen die Darstellung von Knut. Das dieser vor allem für den komödiantischen Part der Reihe zuständig ist, haben ja schon die letzten Folgen gezeigt. Die Inszenierung von Chris’ Freund will aber nicht so recht an mich gehen. Nennt mich kleinlich, aber die Art und Weise, wie Olaf Reitz den “Bagger” spricht lässt vermuten, dass dieser doch ein ziemlicher Trottel ist. Dabei lassen dessen Handlungen keinen Zweifel daran, dass er durchaus ein empathischer Mensch ist, der etwas auf dem Kasten hat. Rein oberflächlich betrachtet wird er jedoch nicht nur plump, sondern sogar ziemlich nervig dargestellt. Hier kann und sollte definitiv noch etwas gefeilt werden.

Der zweite Kritikpunkt bezieht sich auf die Art und Weise, wie der Privatdetektiv mit den Geschehnissen in Die Axt umgeht. Was das betrifft, fehlt mir stellenweise das Feingefühl für die Brisanz der Situation. Man bedenke einmal, dass Chris durch ganz Potsdam gejagt wird und jederzeit damit rechnen muss, dass seine Verfolger ihn zur Strecke bringen. Dann kommt es auch noch zu einigen recht unappetitlichen Situationen und doch scheint der Mann immer wieder einen flotten Spruch auf den Lippen zu haben. Hier hätte ich mir einfach gewünscht, dass ihm die brisante Lage etwas mehr auf das Gemüt schlägt. In einer Sequenz sagt er sogar, dass er sich nie daran gewöhnen wird, einen Toten zu sehen. So ganz konnte ich ihm das aber nicht abnehmen…

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Spagat zwischen einer angemessen bedrückenden Atmosphäre und dem Witz, der die Hörbuchreihe ja auch ausmacht, möglich ist. Es mag genretechnisch nicht vergleichbar sein, aber selbst ein Werk wie Gabriel Burns, welches das bislang düsterste, mir bekannte Hörspiel ist, schafft es, dem Hörer in den richtigen Situationen ein Schmunzeln auf die Lippen zu zaubern. Ohne gleich in ähnlich finstere Gefilde abzudriften, was auch gar nicht zu Morgenstern passen würde, könnte man sich doch eine kleine Scheibe hiervon abschneiden. Das liegt auch gar nicht so fern, ist Raimon Weber doch bei beiden Serien als Autor tätig.

Trotz dieser Kritikpunkte ist Die Axt eine weitere unterhaltsame Folge, die ich mir auch schon mehrfach angehört habe, um nach der Arbeit etwas runterzukommen;) Einer erneuten Empfehlung steht daher nichts weiter im Wege.

Morgenstern - Die Axt
PRÄDIKAT: Gut.
Sprache80%
Inhalt70%
Atmosphäre75%
Ton90%
79%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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