Es ist heiß. Unsere Kleidung ist von Schweiß durchtränkt. Die Sonne steht hoch am wolkenlosen Himmel, sticht in den Augen. Und dann dieser Sand…er bedeckt das trockene Land, kriecht in unsere Schuhe, bedeckt unsere Haut. Wir kurbeln das Fenster des alten Toyota Geländewagens hinunter um etwas frische Luft hinein zu lassen. Vergebens. Vor uns taucht eine Straßensperre auf. Wir halten an und sehen, wie bewaffnete Polizisten mit grimmigen Gesichtern auf unseren Wagen zukommen. Dieses korrupte Pack…wir sehen, wie Chris’ Hand auf dem Vordersitz langsam nach vorn wandert und erinnern uns an die Pistole, die darunter liegt…die Polizisten sind bei uns angekommen und flankieren den Wagen. Man fordert Farid, unseren Fahrer auf, das Fenster zu öffnen.

Willkommen auf dem Sinai.

Die zweite Folge der Hörbuchreihe Morgenstern führt den gleichnamigen Privatdetektiv Chris nach Ägypten. Dort soll er Robert, den Sohn einer Bekannten, ausfindig machen. Dieser wird seit mehr als zwei Wochen vermisst und das Land der Pyramiden ist sein letzter bekannter Aufenthaltsort. In Kairo angekommen, macht sich der Ermittler direkt an die Arbeit. Erste Anhaltspunkte führen ihn zu den Büros der Hilfsorganisation OF (One Future) sowie zu den örtlichen Polizeidienststellen, in denen man ihm jedoch alles andere als hilfreich begegnet. Dann trifft er auf Farid, einen guten Freund von Robert, der die Vermutung hat, dass der Gesuchte in den Sinai entführt wurde. Doch bereits auf dem Weg dorthin müssen die beiden feststellen, dass hier einiges im Argen liegt und bald finden sie sich im Fadenkreuz korrupter Polizisten und noch weitaus schlimmerer Zeitgenossen wieder…

Da ist sie nun also, die zweite Folge Morgenstern. Aufgrund des fast schon apokalyptisch anmutenden CD Covers war ich gespannt, was für ein Fall Chris dieses mal zu lösen hat und ich muss sagen, dass die Idee, ihn mit dieser Ausgabe in die Wüstengegend des Sinai zu führen, sehr lobenswert ist. Nicht, das Potsdam nach der Debütfolge schon langweilig geworden wäre, aber der Ortwechsel zeigt doch, dass die Autoren einige Abwechslung im Sinne haben. Und ohne zu spoilern, kann ich schon jetzt verraten, dass die dritte Folge wieder mit einem radikalen Wechsel, dieses mal in kältere Gefilde, aufwarten wird.

Das war es dann aber noch nicht, denn man tauscht nicht nur das Setting. Auch atmosphärisch und in Sachen Storytelling erwartet den Hörer einige Abwechslung. So hört man, kaum das Chris in Ägypten angekommen ist, im Hintergrund hupende Autos wie von einem großen Stau und die passende Musik lässt einen die brütende Hitze über Kairo förmlich spüren. Ganz nebenbei wird schließlich noch die instabile politische Situation des Landes in die Erzählung eingeflochten und auch der spätere Verlauf der Story wird davon angetrieben. Es entsteht also ein sehr schlüssiges und stimmungsvolles Gesamtbild. Klasse, so geht Kopfkino!

Damit der Hörer aber trotz des Ortswechels schnell in die noch recht junge Erzählung um den Privatermittler findet, trifft dieser zu Beginn der Folge erst einmal auf ein paar bekannte Personen. Insbesondere ein Wiederhören mit Knut alias “Der Bagger” war sehr erfreulich und amüsant. In Sachen Spannungsaufbau bedient man sich eines Elements, das schon zum Ende der ersten Ausgabe kurz zum Zug kam. Hier hat man einen Erzählstrang geöffnet, der bereits am Ende von Todeszone Sinai weiter gesponnen wird und auch in den kommenden Folgen sicher noch eine größere Rolle spielen dürfte.

[spoiler]Gemeint ist der Anrufer, der im Hintergrund die Strippen gezogen hat und zum Schluss von Leben und Sterben Chris anruft.[/spoiler]

Des Weiteren erwähnt Chris in dieser Folge kurz, dass in seine Wohnung eingebrochen wurde, dies aber eine andere Geschichte sei. Interessant ist dies vor allem deswegen, weil man weitere Storyebenen andeutet, diese aber nicht komplett ausleuchtet. Was spielt sich hinter den Kulissen ab? Ist eine Art Verschwörung im Gange? In welche Richtung geht die Geschichte? Es sind diese kleinen Hinweise, die etwas Größeres vermuten lassen.

Morgenstern nimmt also langsam aber sicher an Fahrt auf, schraubt an der Spannungsschraube und obwohl ich nach wie vor hoffe, dass die Reihe irgendwann nochmal eine etwas härtere Gangart einlegt (siehe Bericht zu Leben und Sterben), kann ich sie sehr empfehlen. Denn ein “schmutzigerer” Stil würde der Geschichte zwar meiner Meinung nach gut tun, gleichwohl steht es umso mehr für die Qualität von Morgenstern, dass es dennoch voll und ganz zu überzeugen weiß. Gerade Einsteigern, die mit dem Medium noch nicht so vertraut sind, kann ich daher erneut eine Empfehlung aussprechen.

Morgenstern: Todeszone Sinai
Prädikat: Es geht voran.
Sprache80%
Inhalt85%
Atmosphäre90%
Ton90%
86%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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