Neverlake

Neverlake | CoverNicht selten ist es bei Filmen so, wie mit einer Pralinenschachtel: Man weiß nicht so genau was einen erwartet (so ähnlich ging der Spruch doch, oder?;). Der italienische Film Neverlake von Regisseur Riccardo Paoletti ist so ein Fall. Das fängt mit der sehr vagen Beschreibung auf der Disc-Hülle an und auch während der Sichtung wusste ich lange Zeit nicht so recht, wo der Streifen mit mir hin möchte. Wenn dann aber peu á peu die aufgekommenen Fragen beantwortet werden, entfaltet sich das volle Potential mit einer Wucht, die ich so nicht erwartet hätte…

Jenny kehrt nach dem Tod ihrer Mutter das erste mal zurück zu dem Ort ihrer Geburt. Hier lebt ihr schweigsamer und vielbeschäftigter Vater mit seiner nicht minder verschlossenen Haushälterin in der Nähe eines abgelegenen Sees, um den sich zahlreiche Mythen rangen. Angeblich soll das Gewässer über heilende Kräfte verfügen und schon vor tausenden Jahren als Kultstätte für religiöse Rituale gedient haben. Das interessiert Jenny zunächst eher sekundär, denn in erster Linie möchte sie das angespannte Verhältnis zu ihrem Vater in Ordnung bringen, was er ihr jedoch alles andere als leicht macht. Also begibt sie sich doch zum Neverlake und trifft dort auf ein kleines Mädchen, welches zusammen mit anderen Kindern in einem nahegelegenen Waisenhaus lebt. Jenny freundet sich mit den etwas unheimlichen Kids an und bekommt von ihnen Dinge gezeigt, die sie sich zunächst nicht erklären kann. Sie gräbt tiefer und kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur…

Es ist in der Tat so, dass sich die Story schwer zusammenfassen lässt, ohne in den Spoiler-Fettnapf zu treten, denn es ist u.a. die finale Auflösung, die den Streifen zu

etwas Besonderem macht. Dabei schlägt diese nicht nur eine Richtung ein, die ich in der Form noch nicht kannte und auch als recht heftig empfand, sondern überrascht auch mit einem sehr handfesten Twist, der viel weniger mit dem Übernatürlichen zu tun hat, als man zunächst meinen möchte. Mich hat das Ende schließlich sogar auf zweierlei Weise berührt: Zum einen die tragische Seite, die Unglaube, Wut und Traurigkeit in mir ausgelöst hat, zum anderen aber auch der schöne Aspekt, der sich gegen all das Unheil behaupten kann und mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hat.

Die Story wird zudem von einem überraschend atmosphärischen Score begeleitet, der sich völlig zurecht auch mal in den Vordergrund schiebt. Komponist Riccardo Amorese hat hier ganze Arbeit geleistet. In Sachen Optik wird ebenfalls abgeliefert. Hier zeichnete Cesare Danese verantwortlich, der es versteht, die Szenerie in der Toskana auf wenig opulente, dafür aber umso effektivere Weise einzufangen. Egal ob das Anwesen von Jennys‘ Vater, der See oder das Waisenhaus – alles wirkt sehr stimmig. Zudem wird der Streifen von nur wenigen Schauspielern getragen, was der völlig unaufgeregten Atmosphäre zugute kommt (Jump Scares sind hier Fehlanzeige). Besonders gefallen haben mir Daisy Keeping als Jenny, ihr Filmvater David Brandon sowie Joy Tanner als Haushälterin. Zusammen mit den Kindern bzw. den Jugendlichen (im Falle von Martin Kashirokov) tragen sie maßgeblich zu der bedrückenden Atmosphäre bei.

Neverlake ist eigentlich ein Film, den man sich am besten im Herbst anschaut, doch obwohl heute draußen die Sonne gescheint und die Vögel gezwitschert haben, konnte mich die Stimmung in ihren Bann ziehen. Das Team um Riccardo Paoletti, der hier sein Spielfilmdebüt abliefert, hat also ganze Arbeit geleistet!

Zusatzinfos | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 86 Min.
Neverlake (2013)
Prädikat: Auch in der Toskana lässt sich's gruseln.
Story85%
Schauspieler83%
Atmosphäre88%
Score85%
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (1 Judge)
100%

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