Paranormal Activity: Ghost Dimension | Cover | © Paramount (Universal Pictures)Nach acht Jahren war es 2015 schließlich soweit und Paranormal Activity ging mit Ghost Dimension in die von vielen herbeigesehnte letzte Runde. Ob die Reihe nach immerhin schon sieben Teilen (inklusive der Remakes/Spin-Offs Tokyo Night und Die Gezeichneten) nun wirklich ein Ende gefunden hat, dürfte sich erst noch zeigen, aber für den Moment ist erstmal der Deckel drauf. Das ist auch kein Wunder, schließlich haben mit jedem neuen Streifen immer mehr Horrorfans nur noch genervtes Kopfschütteln für das Franchise übrig gehabt, was sich auch gnadenlos in den Einspielergebnissen niederschlug. Lediglich das zweite Sequel konnte mehr Einnahmen als das Original erzielen, ansonsten ging es stetig bergab. Ich für meinen Teil habe mir jeden der Filme gerne angesehen. Zum Einen, weil ich wissen wollte, wie die Story weitergeht, aber auch, um das typische Paranormal Activity Feeling erneut zu erleben. Schlussendlich konnte mich jedoch, abgesehen von dem zweiten Spin-Off (Die Gezeichneten), keines der Werke mehr so umhauen, wie das Original. Die Reihe schien zunehmend von ihrem großen Namen und weniger von neuen Ideen zu leben. Mit Ghost Dimension sollte sich das allerdings ändern. Schon in den Trailer wurde damit geworben, dass man jetzt nicht nur außer Kontrolle geratene Haushaltsgegenstände, sondern auch “den Schrecken” höchstpersönlich zu Gesicht bekommt. Aber reicht das aus, um nochmal die Qualität des Erstlings anno 2007 zu erreichen?

Bevor ich auf die Inszenierung eingehe, erst ein paar Worte zur Story. In diesem Punkt ist Regisseur Gregory Plotkin, der hier sein Spielfilmdebüt gibt, dem Franchise treu geblieben: Eine Familie, ein Haus und ein Dämon auf Freigang. Das Resultat: Flackernde Lichter, wackelnde Kronleuchter und Türen, die sich scheinbar selbstständig machen. Dieses Mal hat es der paranormale Störenfried namens Toby auf Töchterlein Leila (Ivy George13 Hours) abgesehen, deren Eltern (Chris J. Murray und Brit Shaw) zwar früh merken, dass mit ihrer Kleinen irgendwas nicht stimmt, aber viel zu spät ernsthafte Schritte unternehmen, um ihr zu helfen. Bis dahin stellen sie einfach zahlreiche Kameras auf, in der Hoffnung, mehr über das Phänomen zu erfahren (außerdem soll der Zuschauer ja wieder schön brav die Nächte durchzählen können;). Parallel dazu sichtet Familienvater Ryan mit seinem Bruder Mike (Dan Gill) einige alte Videokassetten, die zusammen mit einer seltsam ausgestatteten Kamera wie aus dem Nichts aufgetaucht sind. Die Aufnahmen zeigen, wie es mit den beiden zentralen Figuren der Reihe (Katie und Kristi) nach Paranormal Activity 3 weiterging. 

Und damit wäre ich bei den beiden Aspekten, die aus Ghost Dimension in meinen Augen einen tollen Nachfolger machen. Während nämlich mithilfe der Videokassetten gekonnt die Brücke zwischen den Ereignissen aus Teil 3 und Teil 2

bzw. 1 geschlagen wird (nähere Infos zu der chronologischen Reihenfolge gibt es unten), ermöglicht es die modifizierte Kamera (deren Ursprung weitestgehend ungeklärt bleibt) endlich, unseren paranormalen Freund zu sehen. Dabei ist es vor allem einem inszenatorischen Kniff zu verdanken, dass mich der Streifen fast so stark zu packen vermochte, wie einst das Original: Während man in den Mitschnitten der gefundenen Kamera beobachten kann, wie der (mal in glibberiger und mal in rauchähnlicher Form erscheinende) Toby allerhand gruseligen Schindluder treibt, sieht man in den Bildern der anderen Kameras einfach nur einen stinknormalen Raum. Als Zuschauer weiß man demnach, was tatsächlich vor sich geht und ist den ahnungslosen Eltern einen Schritt voraus. Gleichzeitig ist der Dämon aber eben auch nicht ständig zu sehen, sodass es oft Situationen gibt, in denen man ungefähr erahnen kann, wo er jetzt sein müsste. Dies hat einen ganz besonderen Nervenkitzel und einen sehr intensiven Spannungsaufbau zur Folge. 

Meine Befürchtung, dass der Film jetzt weniger gruselig ist, weil man mehr sieht, hat sich demnach nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil: Plotkin weiß mit diesem neuen Werkzeug sehr gut umzugehen!

Lobenswert ist außerdem, dass Ghost Dimension so schnell zur Sache kommt, wie kein Teil zuvor und dabei die tolle Atmosphäre bis zum Ende hin aufrechterhält. Doch trotz dieser tollen Inszenierung dürfte der Effekt des Originals, welches mich seinerzeit nachhaltig beeindrucken konnte, nicht noch einmal eintreten. Das erneut zu schaffen, ist aber sicherlich auch ein Ding der Unmöglichkeit, weil man ja grundsätzlich weiß, worauf ich man sich einlässt und der “WOW-Effekt” des zuvor noch nie Gesehenen nicht mehr funktioniert. 

Stellt sich noch die Frage, ob Gregory Plotkin uns hier einen würdigen und endgültigen Abschluss der Reihe präsentiert. Dies kann ich mit einem klaren Jain beantworten. Zunächst einmal sind er und sein Team sich den Wurzeln ihres Werkes bewusst, was angesichts der Tatsache, dass Plotkin seit Teil 2 und Produzent Oren Peli bereits seit dem Original an Bord sind, auch nicht schwergefallen sein dürfte. Und obwohl man das Ende des Films auch als endgültiges Finale sehen könnte, bleibt noch genügend Spielraum, um einen weiteren Nachfolger rauszuhauen. Da es aber mittlerweile genügend weitere und vor allem innovativere Found Footage Reihen gibt, kann wegen mir jetzt gerne Schluss sein…aber wer fragt mich schon;)

 


Paranormale Chronologie

Wer sich die Filme in der gemäß Story chronologisch korrekten Reihenfolge anschauen möchte, der sollte sich die Dics wie folgt in den Player kloppen:

Paranormal Activity 3 (die Vorgeschichte von Katie und Kristi – die beiden sind hier noch Kinder)

Paranormal Activity 2 (Katie als Studentin und Kristie als werdende Mutter – nach deren Kindheit die ersten paranormalen Ereignisse. Zeitlich gesehen spielt dieser Teil vor dem Erstling, zum Ende überschneiden sich die beiden jedoch. Wenn man sich das Ende von Teil 1 nicht spoilern möchte, empfehle ich, diesen zuerst zu schauen)

Paranormal Activity (Spielt parallel zum Ende von Teil 2, allerdings sollte man diesen hier zuerst sehen, da im Nachfolger direkt am Anfang das Ende von diesem hier gespoilert wird)

Paranormal Activity 4 (zeigt die Ereignisse nach den ersten beiden Teilen)

Paranormal Activity: Ghost Dimension (sowohl in der Reihe, als auch chronologisch der abschließende (?) Kampf gegen Toby)

Paranormal Activity: Die Gezeichneten (da dieser Teil nicht ganz außerhalb der Reihe steht, empfehle ich, ihn frühestens nach Teil 3 zu schauen, da man sich auch sonst spoilern könnte)

Paranormal Activity: Tokyo Night (das Remake/Spin-Off kann man schauen, wann man möchte;)

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA| Originaltitel: Paranormal Activity: The Ghost Dimension | Regie: Gregory Plotkin | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 96 Min. | Verleih: Paramount Home | DVD/BD VÖ: 03.03.2016 | 3D BD VÖ: 10.03.2016
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https://www.youtube.com/watch?v=aa-pCnqXjiE
Paranormal Activity: Ghost Dimension (2015)
Prädikat: Sehr spannend und endlich auch mal mit ein paar Neuerungen! Wer auf Found Footage steht, kommt an dieser Reihe nicht vorbei!
Story65%
Schauspieler75%
Spannung90%
Inszenierung80%
78%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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