LV-426. Xenomorphs. Ellen Ripley. „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“. Der Film aus dem Jahre 1979 setzte Standards im Science Fiction Genre wie kaum ein anderer. Er zog nicht nur 3 Fortsetzungen nach sich, sondern begeistert seine Fans bis heute. Ich selbst habe die ersten 3 Teile rund um das von H.R. Giger erschaffene und von Ridley Scott in die Film-Realität importierte „unheimliche Wesen“ garantiert schon 20-30 mal gesehen. Umso größer war die Hoffnung, dass irgendwann einmal ein anständiger Nachfolger, besser noch ein Prequel folgt, welches einmal darüber aufklärt, wo die Aliens eigentlich herkommen. Sind sie nur eine Laune der Natur oder stammen sie doch von einem fremden Planeten ab? Kein anderer Film lässt mich auch nach so häufigem Anschauen noch immer jedes Detail in mich aufsaugen, denn ohne Frage sind insbesondere die ersten beiden Teile so detailverliebt, dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt, egal, wie oft man sie schaut. Also mache ich mich hie und da erneut Neue auf die Suche nach versteckten Hinweisen über den Ursprung des fremden Wesens während ich die fantastische Atmosphäre des Alien-Universums in mich aufsauge.

Aber zurück zum lang ersehnten Prequel. Vor einigen Jahren tauchten im Internet die ersten Gerüchte über einen neuen „Alien“-Film auf. Ähnlich wie bei dem bis vor Kurzem immer noch andauernden Hin und Her bezüglich eines neuen „Ghostbusters“-Films gab es auch bei den potenziell Beteiligten rund um einen weiteren Streifen mit den Xenomorphs widersprüchliche Aussagen. Irgendwann wurde es dann klarer: Ein neuer „Alien“-Film wird kommen, sich aber nicht mehr um die glatzköpfigen Monster drehen, sondern lediglich im von Ridley Scott geschaffenen Universum angesiedelt sein. Wie jetzt? Keine Außerirdischen mehr? Was für eine Fortsetzung/Vorgeschichte soll das denn werden? Später meldete sich dann auch nochmal Sigourney Weaver persönlich zu Wort und meinte, der neue Film solle sich um die Vorgeschichte der ehemals von ihr dargestellten Ellen Ripley drehen. Na denn, das klang doch schonmal ganz interessant. Als dann die Katze aus dem Sack gelassen und der Filmtitel bekannt gegeben wurde gab es wieder einige Verwirrung. „Prometheus – Dunkle Zeichen“ sollte er heißen. Hm…was sollte man davon jetzt wieder halten? Der Name sagte ja mal so ziemlich gar nichts aus. Also doch wieder ein lauwarmer Aufguss, der nur im Vorfeld mit dem H.R. Giger-Geschöpf etwas PR machen wollte? Einziger Hoffnungsschimmer: Ridley Scott, das „Alien“-Urgestein sollte erneut als Regisseur verantwortlich zeichnen.

Ganz ehrlich, ich war hin und hergerissen, verfolgte regelmäßig die News im Internet und da gab es doch tatsächlich ein paar weitere „Verrückte“ wie mich, die Bilder vom Dreh-Set genau unter die Lupe nahmen und nach Parallelen zu den „Alien“-Filmen suchten. Es blieb aber spannend und im letzten Jahr war es dann endlich soweit. Prometheus kam in die Kinos – absolutes Pflichtprogramm für mich. Also die Freundin eingepackt (die noch relativ skeptisch war, weil sie sich so schnell erschreckt), Kinokarten und Popcorn gekauft, im Sitz bequem gemacht. Das Licht ging aus, der Vorhang auf und die ersten Bilder flimmerten über die Leinwand.

Gute 2 Stunden später ging ich mit einem angenehm wohligen Gefühl aus dem Kino. Ridley Scott hatte es geschafft sein eigenes Universum erfolgreich in die Gegenwart zu transportieren – und das mit vollem Erfolg wie ich meine.

Für alle, die „Prometheus“ noch nicht gesehen haben hier eine kurze Zusammenfassung:

Die beiden Wissenschaftler Elizabeth Shaw (wieder ganz groß: Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) finden auf der ganzen Welt Höhlenmalereien, die allesamt großgewachsene Gestalten zeigen, welche auf ein immer gleiches Sternenbild deuten. Wie es der Zufall so will gibt es in einem 40 Lichtjahre entfernten Sonnensystem eine Planetenkonstellation, die exakt diesem Bild entspricht. Die „Zeichen“ als Einladung deutend und gesponsert von der (aus den „Alien“-Filmen bekannten) Weyland Corporation machen sie sich mit dem Schiff Prometheus auf den Weg zu LV-223, den Shaw und Holloway als den Heimatplaneten der Wesen auf den Zeichnungen vermuten. Dort erhoffen sie sich die „Konstrukteure“ anzutreffen, die einst die Menschheit erschaffen haben sollen. Auf LV-223 finden Sie ein labyrinthartiges Höhlensystem, dessen verborgene Geheimnisse ihre Hoffnungen zu Befürchtungen werden lassen. Die „Konstrukteure“ waren hier und haben ihren Tod gefunden. Aber was hat sie umgebracht? Was war ihre Mission? Zu spät stellt sich heraus, dass sie zwar die Schöpfer der Menschheit sind, der von ihnen geschaffenen Rasse jedoch keineswegs freundlich gesinnt gegenüber stehen…

„Prometheus“ hat die Fangemeinde gespalten. Die Einen sind hellauf begeistert, die Anderen werfen dem Film fehlende Logik, Unentschlossenheit und sogar ein mieses Drehbuch vor. Dem ersten Kritikpunkt kann ich mich teilweise anschließen. Es gibt da so eine Szene gegen Ende des Films, wo das Raumschiff der „Konstruktuere“ (das gleiche, welches Ellen Ripley in „Alien“ auf LV-426 findet) auf E. Shaw und Meredith Vickers (Charlize Theron) zurollt. Anstatt einfach zur Seite zu laufen rennen die beiden schnurstracks geradeaus, während das riesige Raumschiff immer näher kommt. Dämlich, diese Szene hätte wirklich besser gedreht werden können und wirkt in dieser Form eher so, als wolle man unnötigerweise mehr Spannung erzwingen. Auch die Technik des Raumschiffes wirft so ein paar Fragen auf. „Alien“ spielt im Jahre 2122, „Prometheus“ im Jahre 2089. Dennoch scheint die Technik im zeitlich vorher angesiedelten Prequel viel weiter fortgeschritten. Während der Hauptrechner in „Alien“ noch einen ganzen Raum füllt und es sonst auch keine tragbaren Computer gibt, scheint die Technik 33 Jahre zuvor schon 50 Jahre weiter zu sein?! Häh? Die Besatzung der „Prometheus“ rennt nämlich schon mit Tablets rum und arbeitet mit der Hilfe von Hologrammen. Das könnte man jetzt so erklären, dass es sich bei der „Nostromo“, also dem Schiff aus dem 1979er „Alien“, nur um einen Rohstofftransporter handelte und hier eben nicht soviel Technik gebraucht wird. Das erklärt aber nicht den extremen Technik-Unterschied. Hier hat Mr. Scott wohl einen faulen Kompromiss geschlossen um seinen aktuellen Film zeitgemäßer wirken zu lassen. Ich persönlich kann ihm diese Logiklöcher verzeihen, verstehe aber auch, wenn sich eingefleischte Fans darüber aufregen.

Unentschlossenheit ist auch so ein Kritikpunkt, der des Öfteren genannt wird. Damit ist gemeint, dass „Prometheus“ nicht so ganz weiß, wo die Reise hingehen soll. Ist es nun ein Alien-Film oder etwas komplett Neues? Diese Kritik kann ich persönlich gar nicht nachvollziehen. Man bedenke: „Prometheus“ ist der erste Teil einer Trilogie! Der 2. Teil „Paradise“ soll 2014/2015 das Licht der Spielhäuser erblicken. Für mich ist auch ganz offensichtlich, dass hier noch etwas kommen wird. Außerdem: Der Film weist etliche Parallelen zu „Alien“ auf. Da ist beispielsweise die Melodie/das Thema, welches übernommen wurde. Dann die Raumschiffe der „Konstrukteure“, die Monster, die Ausstattung der Film-Sets (alleine das Interieur der Prometheus erinnert doch stark an die Nostromo) und dann natürlich auch noch die Schlusssequenz. Wer nach dieser noch behauptet, der Filme spiele nicht im Alienversum, der hat schlichtweg nicht aufgepasst.

Das Drehbuch: Ich finde hieran nichts auszusetzen. Jon Spaihts („The Darkest Hour“) und Damon Lindelof („Lost“, „Star Trek – Into Darkness“) haben ganze Arbeit geleistet und Ridley Scott eine Vorlage geliefert, aus der er etwas ganz Großes geschaffen hat. Der Film lässt sich Zeit um seine Charaktere vorzustellen, gewinnt im späteren Verlauf hier und da an Tempo, atmet aber zu jeder Zeit die Atmosphäre und den Geist eines reinrassigen Science-Fiction-Films. Und die sind eben meistens ruhig, wenn man jetzt nicht gerade episch angelegte Streifen wie „Star Wars“ oder die neueren „Star Treks“ zum Vergleich heranzieht.

Für mich ist „Prometheus“ einer der besten Weltraumfilme der letzten Jahre. Er zeichnet sich durch eine ganz eigene, mit nichts zu vergleichende Atmosphäre aus, bei der man sich als „Alien“-Fan sofort wohl fühlt – und das, obwohl es (fast) keine Aliens gibt! Und auch, wenn der Plot auf einem Planeten angesiedelt ist spürt man zu jeder Zeit die Leere des Weltraums. Die Einsamkeit. Die Fremdartigkeit dessen, was die Crew auf LV-223 findet. Dazu trägt auch bei, dass nicht unbeträchtliche Teile der Story irgendwie vage, Fragen unbeantwortet bleiben. Auch das war ein Kritikpunkt vieler. Aber bitte! Nur, weil wir heute in einer Zeit leben, in der die meisten teuren Blockbuster einem die ganze (meist schmale) Story mitsamt aller Antworten auf dem Silbertablett präsentieren, heißt das doch noch lange nicht, dass es schlecht ist, wenn ein Film mal nicht alle Fragen beantwortet, wenn man sich nochmal seine eigenen Gedanken machen kann. Ich finde es gerade so großartig, dass „Prometheus“ einem die Chance gibt zu interpretieren, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Alles Andere hätte mich ehrlich gesagt enttäuscht. Ich liebe die „Alien“-Filme so sehr, weil stets das Unbekannte darin mitschwingt. Es geht hier nicht um irgendein Monster, welches für 4 Teile hinweg etliche Menschen tötet. Für mich lässt sich das schwer in Worte fassen, aber die Stimmung dieser Filme vermittelt immer das Gefühl: Da steckt eine Welt dahinter, die man spürt, aber nie sieht. Ich meine damit jetzt nicht irgendwelche philosophischen oder religiösen Theorien, sondern, wie oben schonmal angedeutet, die Welt aus der das fremde Wesen stammt. Und Prometheus, interessanterweise der Film, der am wenigstens „Alien“ zeigt, gibt nun endlich einmal ein wenig Aufschluss darüber, woher es kommen könnte. Gleichzeitig, und das finde ich so unglaublich faszinierend, wird das Tor zu einer anderen Welt geöffnet, die der „Konstrukteure“. Jetzt mal ganz ehrlich: Wenn Ridley Scott einfach nur einen weiteren Alien-Film gedreht hätte – die Kritik wäre wahrscheinlich noch harscher ausgefallen. Sigourney Weaver hat in einem Interview mal gesagt, dass man keinen reinen „Alien“ mehr drehen möchte, weil das Wesen mit der Zeit an Schrecken verloren hat. Check! Alleine diese Aussage zeigt doch, dass man den Zeitgeist erfasst und endlich einmal richtig „gelesen“ hat. Was hätte denn nach dem doch sehr auf Mainstream ausgelegten (und schlechtesten aller Teile) „Alien – die Wiedergeburt“ und den 2 „Alien vs. Predator“-Filmen noch kommen sollen? Andere Filmemacher hätten vielleicht „nur“ ein Remake ihres erfolgreichen Films oder eine nur auf Effekte ausgelegte Fortsetzung gedreht – Ridley Scott beweist Mut indem er den Zuschauern und Fans soviel Begriffsvermögen zutraut, dass sie auch mit mehr Inhalt anstatt nur mit mehr CGI, mehr Bum-Bum umgehen können. Welche Fortsetzung von heute kann denn noch wirklich frische Faszination entfachen? Faszination, die über ein „krasse Action“ hinaus geht und stattdessen zur Diskussion anregt, dem Cineasten etwas zum „arbeiten“ gibt? Ich kann mich noch gut an die üble Kritik an den beiden Fortsetzungen von „The Matrix“ erinnern. Sicher, die waren teilweise arg wirr und auch vielmehr auf Effekte ausgelegt als der grandiose Erstling. Allerdings, und da muss ich mal eine Lanze für die Wachowskis brechen, in „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ stecken mehr Story und Tiefgang, als viele meinen. Und so verhält es sich auch mit „Prometheus“, der allerdings nicht den Fehler begeht und meint, mehr Effekte und Action würden auch einen besseren Film machen. Oftmals ist das Gegenteil der Fall – zuviel Action kann gerade einem solchen Streifen auch ganz schnell mal das Genick brechen! „Prometheus“ legt in meinen Augen genau das richtige Gewicht auf Effekte und Tiefgang.

Scott schafft hier etwas Ähnliches wie J.J. Abrams mit „Stark Trek“. Er konstruiert eine Parallelgeschichte zu den Ereignissen, die man bereits kennt, nimmt Versatzstücke aus den bereits gedrehten Filmen, macht sich aber neue Gedanken, schafft etwas, woran die Zuschauer zu knabbern haben, anstatt das Gesehene 5 Minuten nach Abspann schon wieder zu vergessen.

Ich werde mir „Prometheus“ sicher noch oft ansehen und ich bin mir sicher, dass auch im ersten Teil dieser neuen Trilogie immer neue Details zum Vorschein kommen, die man beim ersten Mal schauen noch gar nicht bemerkt hat.

Für alle, die auf große und leicht anspruchsvolle Science-Fiction (oder einfach auf „Alien“) stehen: Schaut euch diesen Film an.

Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen. Über Kommentare würde ich mich freuen.

Bis demnächst,

euer /anawak

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