Der Raum liegt in Trümmern. Überall sind Leichen in bizarren Positionen verstreut. Der Geruch von Schießpulver liegt in der Luft. Heiße Patronenhülsen kullern über den Boden. Unsere Lebenspunkte sind gefährlich niedrig, die Wiederbelebungsspritzen alle verbraucht und ein Erste-Hilfe-Koffer weit und breit nicht in Sicht. Zum Planen einer Strategie bleibt uns allerdings nicht viel Zeit, denn die Uhr tickt: 60 Sekunden noch, bis die Bomben hochgehen und uns ins Nirwana pusten. Und dann ist auch noch Verstärkung für unsere Widersacher auf dem Weg. Die Lage könnte besser sein. Aber Jammern hilft nicht, also laden mein Partner und ich unsere Wummen durch und öffnen die vor uns liegende Doppeltür mit einem koordinierten Tritt. Dahinter befinden sich weitere Druggies und nehmen uns ins Visier. Mein Waffenbruder schlittert in Zeitlupe durch den Raum, um die Gegner im Nahkampf auszuschalten. Ich leere ein ganzes Magazin, dessen Projektile sich langsam in ihre Ziele bohren und sie leblos gegen die Wand schleudern. Fenster gehen zu Bruch, Bildschirme zerbersten, Holzsplitter segeln durch die Luft. Die Aktion dauert nur wenige Sekunden und wir erhalten die erlösende Botschaft, dass der Raum gesäubert wurde. Das Problem: Die zu entschärfende Bombe muss sich woanders befinden und unsere Wunden können wir hier auch nicht versorgen. Dann fliegt neben uns krachend eine Tür auf und eine Gruppe Maskierter stürmt hinein…

Solche und ähnliche Situationen erlebt man in Ground Shatter‘s (SkyScrappers) neuem Titel RICO früher oder später zuhauf. Das Ziel ist dabei stets das Gleiche: Man befindet sich in einem Gebäudekomplex und muss sich Raum für Raum gegen Drogendealer behaupten, bis man das ganze Gesocks zur Strecke gebracht hat. Die Level sind dabei stets zufällig generiert, sodass sie sich trotz der wenig abwechlungsreich gestalteten Innenausstattung doch immer wieder etwas anders spielen. Außerdem erhält man neben dem bloßen Erledigen aller Gegner in aller Regel noch Nebenaufgaben, wie beispielsweise x Kopfschüsse zu erzielen, Geld einzusammeln oder das Level abzuschließen, ohne Munitionspäckchen aufzunehmen. Auch spontan kann man auf Zwischenziele stoßen, welche nicht unterschätzt werden sollten. So können etwa die oben erwähnten Bomben ganz schnell das Aus eines Durchlaufs bedeuten. Findet man einen dieser tickenden Koffer, taucht oben links eine Angabe zu der Menge an verbleibenden Sprengsätzen und der Zeit, die einem zum Entschärfen bleibt, auf. Spätestens jetzt sollte man sich ranhalten, denn es kann stets der Fall sein, dass die Dealer Verstärkung bekommen, welche einem im ungünstigsten Moment in den Rücken fällt. 

Neben den immer neuen Leveln und Aufgaben sowie dem schnellen, schnörkellosen Gameplay, ist es aber vor allem die Bullet Time, welche zu gefallen weiß. Sagt dir nichts? Na, du hast doch sicherlich schonmal den Film The Matrix gesehen oder eines der Max Payne-Games gespielt (falls nicht, solltest du dies sofort nachholen…jetzt…gleich!)? Wenn in diesen Werken die Zeit so stark verlangsamt wird, dass man sogar fliegende Pistolenkugeln genau beobachten kann, dann spricht man von Bullet Time. Und exakt dieser Effekt tritt in RICO dann auf, wenn man die Tür zu einem neuen Raum eintri…ich meine öffnet (im Koop sollten dies allerdings beide Spieler gleichzeitig tun, um in den Genuss der Zeitlupe zu kommen). Nun bleiben einem 5-6 Sekunden, um sich so vieler Gegner wie möglich zu entledigen. Danach läuft die Geschwindigkeit wieder normal und es wird deutlich schwerer, ohne Schaden davon zu kommen. Denn auch, wenn die KI nicht die cleverste ist, hält sie doch voll drauf, wenn sie einen einmal im Visier hat.
 
Die zur Verfügung stehenden Spielmodi kann man alle alleine oder mit einem Mitstreiter angehen (online und im Split-Screen). Da wäre beispielsweise das “Schnelle Spiel”, hinter dem sich u.a. eine Art Horde-Modus versteckt, bei dem es gilt, gegen Wellen von Gegnern zu bestehen. Der “Fallmodus” kommt dem Rogue-Like-Genre am nächsten, denn nach Abschluss eines Levels erhält man hier neben Erfah-

rungspunkten sogenannte Verdienste, mit denen man neue Waffen, Modifikationen, Lebenspunkte, Panzerung usw. einkaufen kann, um damit schließlich direkt die nächste Runde zu bestreiten. Wie in dem Genre üblich, steigt dabei der Schwierigkeitsgrad stetig an und kann bereits nach kurzer Zeit schon angenehm knackig werden. Hat man genügend Erfahrungspunkte für eine neue Stufe gesammelt, wird eine neue Fähigkeit freigeschaltet, die man einem von drei zur Verfügung stehenden Slots zuweisen kann. So lässt man den Polizisten länger rutschen oder die letzte Kugel im Magazin richtet mit äußerster Präzision verheerenden Schaden an. Dies ermöglicht es dem Spieler, seinen Charakter nach und nach zu individualisieren. Klasse! Anders als bei den gekauften Waffen, sind diese Skills übrigens für das ganze Spiel gültig (die Wummen verliert man nach jedem Durchlauf).
 
Zu guter Letzt hätten wir da noch die “Täglichen Herausforderungen”. Hier findet man (wie der Name schon ansatzweise erahnen lässt *naff naff*) jeden Tag neue Aufgaben in allen drei Schwierigkeitsgraden, wobei “schwer” mitunter richtig hart ist und einem selbst zu zweit mächtig Probleme bereiten kann. Gespielt wird immer nur ein Level und die Waffen werden stets vorgegeben. Hat man eine Challenge bestanden, erhält man dafür “RP”, welche für neue Waffenskins ausgegeben werden können (einen ingame-shop gibt es übrigens nicht!). 
 

Alles in allem bieten die zur Veröffentlichung gebotenen Spielmodi schon einige Abwechslung, allerdings wäre es wünschenswert, wenn man noch weitere Belohnungen freispielen könnte.

 
Warum gibt es beispielsweise keinen Charaktereditor oder freischaltbare Skins? Den Look der Waffe ändern und neue Fähigkeiten erspielen zu können ist toll, reicht aber nicht, um mit einem stetigen Erfolgsgefühl belohnt zu werden. Hier sollte dringend nachgebessert werden. 
 
Kommen wir zu einem weiteren Kritikpunkt: Bugs. Diese hätten in meiner Review eigentlich keine Rolle gespielt, da sie meist nur zu amüsanten, wenig hinderlichen Situationen führen…das dachte ich zumindest. Dann gab es aber gestern einen Fehler, der KernelPanic42 und mir einen echt guten Lauf versaut hat: Es ging um ein Level mit drei Stockwerken. Unten waren wir durch und als nächstes sollte es ganz nach oben gehen. Für mich war Kernel aber in der zweiten Etage, während er in seinem Spiel direkt neben mir in der dritten stand. Er konnte auch auf Gegner schießen oder mit Gegenständen agieren, die sich auf meiner Ebene befanden (es war tatsächlich ein bisschen spooky, als vor mir wie aus heiterem Himmel eine Tür aus den Angeln flog). Dann wurde er plötzlich aus dem zweiten Stockwerk attackiert und konnte nichts dagegen machen, da er bei sich ja im dritten Obergeschoss herumlief. Ein seltsamer und sehr nerviger Fehler!
 
Abgesehen davon hat RICO mich aber außerordentlich positiv überrascht, denn obwohl es nur ein Spiel für zwischendurch ist, fesselt es mich doch seit dem Kauf jeden Abend auf’s Neue. Es wird einfach nicht langweilig, sich in Zeitlupe durch die Gegner zu kämpfen und sie in teils zum Schreien komischen Posen durch die Luft fliegen zu sehen. Wie so viele Koop-Titel entfaltet natürlich auch dieses Game erst mit einem Mitspieler sein volles Potential, aber alleine hatte ich ebenfalls eine Menge Spaß! 
 
Wenn du also mal wieder auf der Suche nach einem lockeren und saulustigen Spiel mit Style bist, dann darfst du hier getrost zuschlagen!

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RIIIIICOOOOO iiiiiiim Traaaaiiiiilllllleeeeer

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https://www.youtube.com/watch?v=Yxj9pkYbfl8

Review: RICO (2019)
Prädikat: Ein überaus spaßiger Titel mit hervorragender B-Note. Wir brauchen mehr Spiele mit Bullet Time!
Grafik80%
Gameplay85%
Sound75%
Story30%
Pro
  • Tolles Gameplay (bullet time!!)
  • Ansprechende Grafik
  • Klasse Multiplayer
Contra
  • Wenige Möglichkeiten zur optischen Anpassung der Spielfigur
  • Bugs
68%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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