S-VHS aka V/H/S 2 Mediabook | CoverIm Jahr 2012 erschien mit V/H/S – Eine mörderische Sammlung eine Horroranthologie, die man bis dato so noch nicht gesehen hatte. Die Idee, mehrere Kurzfilme mit einer Rahmenhandlung zu verknüpfen und so einen abfüllenden Streifen zu schaffen war an sich ja nicht neu. Hier aber konzentrierte man sich ausschließlich auf das Found Footage Genre und produzierte alle einzelnen Werke mit geringem Budget und dem entsprechenden Independentlook, der alleine das Ergebnis schon deutlich dreckiger, weniger glatt rasiert und daher umso erschreckender wirken ließ. Anno 2013 traten die maßgeblich beteiligten Produzenten hinter diesem Streifen wieder zusammen, um einen zweiten Teil auf das Filmvolk loszulassen. Immer noch mit einem kleinen Team besetzt, sollte dieses Mal jedoch alles etwas Extremer werden. Das dies nicht immer auch gleichbedeutend mit “besser” ist, soll die folgende Besprechung zeigen. 

In S-VHS aka V/H/S 2 dringen Privatdetektiv Larry (Lawrence Michael Levine) und seine Kollegin Ayesha (Kelsy Abbott) auf der Suche nach einem vermissten Studenten in ein vermeintlich leerstehendes Haus ein. Anstatt des Gesuchten finden Sie nebst einer Sammlung von VHS Kassetten und zahlreichen Fernsehern, die den Raum mit grau-blauem Rauschen beflimmern, jedoch nur einen Laptop. Hierauf befindet sich ein Video, in dem der vermisste Student recht kryptisch über den Inhalt der VHS Kassetten redet. Larry und seine Partnerin werden neugierig und während er den Rest des Hauses durchsucht, beginnt sie mit der Sichtung des mysteriösen Inhalts…

Die erste Kassette (Phase I Clinical Trials) erzählt von Herman (Adam Wingard, welcher hier auch Regie geführt hat), der sich einen Chip ins Auge implantieren lässt. Dies stellt sich als mäßig gute Idee heraus, denn plötzlich sieht er die Geister von Verstorbenen und jenen gefällt es ganz und gar nicht, wenn man sie beobachtet. Die zweite Geschichte (A Ride in the Park) packt die Zuschauerperspektive auf die Rübe eines Zombies und lässt uns aus dessen Sicht ein sowohl lustiges als auch ziemlich brutales Splatterfest beobachten. Als nächstes besucht eine Crew von jungen Dokumentarfilmern eine Sekte, beweist jedoch ein bescheidenes Timing, weil die fanatischen Damen und Herren 

an just diesem Tag den Teufel beschwören möchten (Safe Haven). Zu guter Letzt geht es in Slumber Party Alien Abduction um den Besuch extraterrestrischer Besucher, die in einem Haus am See etwas Terz machen. 

S-VHS versucht in vielerlei Belangen nochmal eine ganze Schippe auf den Vorgänger drauf zu legen und schafft dies mitunter auch.

Der Film ist insbesondere in der zweiten und der dritten Episode deutlich brutaler und so scary wie Phase I Clinical Trials war keine einzige Erzählung in V/H/S.

Würde man daraus einen ganzen Spielfilm machen, könnte Paranormal Activity seinen Meister finden. Eines schafft die zweite Ausgabe der Anthologie jedoch leider nicht: Sie fühlt sich nicht mehr so unmittelbar an. Beim ersten Teil hatte ich immer das Gefühl, etwas anzuschauen, das wirklich irgendwo dort draußen geschehen sein könnte. Natürlich weiß ich, dass dies nicht der Fall ist, aber dieser intensive Eindruck entstand und entwickelte einen ungemein starken Sog. Zeitweise konnte ich gar vergessen, dass ich mir einen Film ansehe…verrückt. Bei S-VHS schafft dies gerade mal die erste Episode. Die anderen drei sowie die Rahmenhandlung, welche im Übrigen den Titel Tape 49 trägt, sind entweder zu glatt, nur mäßig gespielt oder versuchen so sehr eine Horrorstimmung zu erzeugen, dass dies teilweise gar in ungewollte Komik abrutscht. 

Nun möchte ich den Film jedoch nicht nur an dem Original messen. Der zweite Teil ist für sich genommen immer noch eine spannende, blutige und abwechslungsreiche Angelegenheit, die gute 1 1/2 Stunden lang anständig zu unterhalten weiß. Diese Erfahrung setzt allerdings auch voraus, dass man unliebsame Schnitte umgeht und sich die österreichische Fassung kauft, die entgegen der deutschen uncut ist.

 


Zusatzinfos | Herkunftsland: Indonesien, Kanada, USA | Originaltitel: V/H/S 2 | Freigabe: FSK 18 | Uncut: Nein (Deutschland) und ja (Österreich) | Spieldauer: 92 Min. | Verleih: Ledick Film (uncut) / Tiberius Film (cut) | DVD/BD VÖ: 19.12.2014
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https://www.youtube.com/watch?v=is-_yg2rqE4
S-VHS (2013) uncut
Prädikat: Home Video Horror die Zweite - nicht mehr ganz so groß, wie der Vorgänger, aber immer noch eine Klasse für sich.
Story75%
Schauspieler70%
Spannung85%
Inszenierung85%
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