Eine kleine Gruppe junger Menschen reist zu einem abgelegenen See im Wald. Als sie an einem Lagerfeuer zusammensitzen, erzählt man sich die mysteriöse Geschichte dieses Ortes, bei der es um einen Jungen geht, der einst seine ganze Familie ermordete und daraufhin nie wieder gesehen wurde. Kurz darauf kommt es zu unheimlichen Ereignissen. Offensichtlich ist man nicht alleine…

Die Story des auf dem gleichnamigen Kurzfilm von 2002 basierenden Sam’s Lake könnte der Blaupause für einen Horrorfilm entstammen, klingt sie doch ganz nach einem Plot, den man so ähnlich schon hunderte Male serviert bekommen hat. Autor und Regisseur Andrew C. Erin, der bislang hauptsächlich für Kurz- und Fernsehfilme mit so einfallsreichen Titeln wie Metal Tornado oder Ice Twister verantwortlich zeichnete, baut hier jedoch noch recht raffiniert eine weitere Ebene ein, die den Grusler dann doch ein wenig aus der Masse herausstechen lässt. Aber eins nach dem anderen…

Zu Beginn nimmt der Film sich die Zeit um die Charaktere vorzustellen und die Atmosphäre aufzubauen. Es folgt die bereits erwähnte Szene am Lagerfeuer und kurze Zeit später eine mit der Geschichte des Sees einhergehende Mutprobe: Die Gruppe geht zu dem Haus, in dem der Junge einst seine Eltern ermordet hat und findet dort ein Buch. Bereits seit Tanz der Teufel weiß man als Freund anständiger Horrorkost, dass es in der Regel nichts Gutes mit sich bringt, aus einem Buch vorzulesen, welches man in einer einsamen Hütte gefunden hat. Da es unsere Protagonisten allerdings nicht besser wissen, geben sie ihrer Neugier nach. Was dann folgt, soll aufgrund von akuter Spoilergefahr nicht verraten werden. Nur so viel: Durch den Inhalt des Buches kommt es unmittelbar und tatsächlich einmal unerwartet zu einem Twist, der die Jagd von einer auf die andere Sekunde eröffnet. Aber wer wird gejagt? Und warum? Auch hier möchte ich nicht zuviel vorwegnehmen. Interessant bleibt es aber auch nach dem ersten Aha-Effekt, denn während die Gruppe sich in den Wald flüchtet, werden die Jäger selbst zu Gejagten.

Gemütlich entspannen...Gemütlich entspannen, bevor die Jagd beginnt…

Diese Konstellation beschert dem Film einen doppelten Boden, den ich so tatsächlich nicht erwartet hätte. Ohne diese Idee wäre Sam’s Lake wahrlich nur ein Genre-Vertreter nach dem Rezept 08/15. Dabei hätte man aus den Geschichten der einzelnen Charaktere tatsächlich noch ein bisschen was rausholen können. Diese haben nämlich aufgrund der schweren Zeiten, die jeder von ihnen durchlebt hat, zusammengefunden. Da wäre beispielsweise der homosexuelle Dominik (Salvatore Antonio), dessen Eltern ihn nach seinem Outing verstoßen haben, oder Melanie (Megan Fahlenbock) und Franklin (Stephen Bishop), die auf der Straße gelebt haben und drogensüchtig waren. Kate (Sandrine Holt) kommt gerade aus einer schweren Beziehung mit einem Kerl, der sie schlecht behandelt hat. Diese Einzelschicksale werden jedoch leider nur am Rande erwähnt und haben sonst keine weitere Bedeutung für den Verlauf der Story, was besonders deswegen schade ist, weil die Schauspieler allesamt eine gute Leistung abliefern. Die Jump Scares sind größtenteils vorhersehbar, was den Film jedoch auch für zartere Gemüter zugänglich machen dürfte.

Sam’s Lake ist trotz dieser Kritikpunkte definitiv einen Blick wert. Am besten sollte man ihn abends im Dunkeln und mit der Freundin im Arm genießen.

Prädikat: Leichte Gruselkost mit erfrischenden Ideen.

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