Escape Rooms: Höchstwahrscheinlich hast du zumindest schonmal davon gehört. Doch für den Fall, dass du jetzt ein großes Fragezeichen über dem Kopf hast (wenn es in einem Kasten hängt, dann spring dagegen…da kommen Münzen raus!), hier mal eine kurze (wer’s glaubt!) Beschreibung, worum es sich dabei handelt: Als Teil einer Gruppe (am besten kennt man sich untereinander) wird man in einen Raum gebracht, wo es gilt, innerhalb einer vorgegebenen Zeit alle versteckten Rätsel zu lösen. Das finale Ziel kann es sein, aus dem Raum zu entkommen (quasi der Klassiker), einen Edelstein zu stehlen oder einen Verbrecher zu schnappen. Dabei hat jeder Raum auch ein Thema, welches beispielsweise von der Endzeit, der Großstadt oder den Geschichten um Sherlock Holmes inspiriert sein kann. Die Aufgaben sind in der Regel vielfältig und erfordern sowohl die volle Aufmerksamkeit, als auch die Zusammenarbeit aller Teilnehmer. Bis auf eine Geschichte, welche man vom Spielleiter vor Beginn mit auf den Weg bekommt, ist man in dem Raum zunächst einmal auf sich allein gestellt und muss sich genau umschauen, um die ersten Anhaltspunkte zu finden (Schubladen öffnen, Hinweise auf Bildern suchen, Gegenstände ausprobieren…so Zeugs eben). Geht es gar nicht voran, schaltet sich der “Game Master” über Lautsprecher ein und hilft ein wenig. Ansonsten bleibt er passiv und beobachtet das Geschehen einzig über Kameras. Diese Spielidee hat in den letzten Jahren weltweite Kreise gezogen und mittlerweile dürfte es nur noch wenige Länder geben, in denen man keine Escape Rooms findet. Es gibt sogar Fans, die über den ganzen Globus reisen, nur um möglichst viele dieser Herausforderungen zu schaffen. 

So, die Einführung wurde dann (wie bei mir üblich) doch länger, als geplant (du wurdest gewarnt). Aber jetzt hast du zumindest schonmal das Grundwissen für die nun endlich folgende Review zu einem Film, der sich um genau jene Escape Rooms dreht und deswegen auch so heißt. Die bunt zusammengewürfelte Truppe, welche sich in Adam Robitel‘s (Insidious: The Last Key) Regiewerk in den Räumlichkeiten der Minos Escape Rooms einfindet, freut sich mehr oder weniger auf die vor ihr liegende Herausforderung. Die Teilnehmer sind der Ober-Nerd Danny (Niko Dodani), die ex-Soldatin Amanda (Deborah Ann Woll), der unscheinbare Mike (Tyler Labine), der Business-Typ Jason (Jay Ellis), der junge mehr-oder-weniger-Alkoholiker Ben (Logan Miller) und zu guter Letzt die hochintelligente, aber sehr introvertierte Zoey (Taylor Russell). Das die Sechs sich untereinander nicht kennen, ist, wie bereits oben erwähnt, keine allzu gute Voraussetzung für das, was ihnen bevorsteht. Viel Zeit, sich kennen zu lernen, bleibt ihnen auch nicht, denn noch während sie im Wartezimmer hocken und auf den Game Master warten, ahnen sie nicht, dass das Spiel längst begonnen hat…

Mehr will ich nicht verraten und obwohl ihr unten der Vollständigkeit halber den Trailer zu dem Streifen findet, lege ich euch nahe, diesen nicht anzuschauen, da er meines Erachtens, wie eigentlich viel zu oft, Dinge vorwegnimmt, die nicht sein müssten. Das ändert aber nichts daran, dass es sich bei Escape Room und einen klas-

se Film handelt, der so ziemlich alles richtig macht. Nehmen wir zum Beispiel einmal die Protagonisten: Obwohl diese zu Beginn nur ganz kurz eingeführt werden und ergo ziemlich blass wirken, erfährt man im Laufe der Geschichte auf eine Art und Weise mehr über sie, die neugierig macht und einen den Gesamtzusammenhang hinterfragen lässt. Zwar sollte man hier keine tiefgründige Charakterzeichnung erwarten, aber für mich hat es gereicht, um mit den Figuren fühlen und leiden zu können.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Geschichte: Sie ist keineswegs ein Meisterwerk, genügt aber vollkommen, um mitzureißen. Ähnlich wie in manchen “echten” Escape Rooms, spielen sich die Teilnehmer auch hier durch mehrere Szenarien, wobei diese sich signifikant voneinander unterscheiden und deutlich aufwendiger gestaltet sind, als man das im “RL” erwarten würde. Das Drehbuch aus der Feder von Bragi F. Schut (Der letzte Tempelritter) sorgt also für eine Menge Abwechslung, vergleichbar mit den tödlichen Aufgaben aus der SAW-Reihe. Der große Unterschied liegt jedoch darin, das sich Adam Robitel’s Streifen nicht auf die Frage stützt, wer denn als nächstes möglichst brutal dahingerafft wird. Stattdessen interessierte mich, abgesehen von dem weiteren Verlauf der Story, vor allem, was die Protagonisten hinter der nächsten Tür erwartet. Und enttäuscht wurde ich nie, was neben den kreativen Ideen des Autors auch und insbesondere an der klasse Inszenierung liegt. Die Raumgestaltung reicht von bizarr bis fantastisch und dient ein ums andere Mal als hervorragende Bühne für einen Überlebenskampf, dessen Spannungsschraube mich mehrfach tief im Kinosessel hat sinken lassen. Da braucht es letztlich auch gar keine ausufernden Gore-Effekte, weshalb es auch eine gute Entscheidung war, auf diese gänzlich zu verzichten. Blut gibt es durchaus zu sehen, aber eben auch nicht mehr, als unbedingt sein muss.

Und wie sieht es mit Kritikpunkten aus? Diese sind, was mich anbelangt, sehr rar gesät. Einzig an den oben noch so hochgelobten Charakteren muss ich ein wenig herummäkeln. Während diese nämlich über weite Teile überraschend frisch und gegen den Strich gebürstet erscheinen, verwandelt sich so mancher Protagonist im letzten Drittel dann doch in einen Stereotypen, wie man ihn aus zahllosen anderen Filmen mit ähnlicher Storyline kennt. Das ist schade und unnötig, gleichwohl aber im Gesamtzusammenhang noch einigermaßen nachvollziehbar, zumal sich unter enormem Stress bekanntermaßen das wahre Gesicht eines Jeden offenbart (oho, jetzt wird er hier auch noch poetisch!).

Das war es aber auch schon. Ansonsten konnte Escape Room mich auf ganzer Linie überzeugen und obwohl das Ende nicht zwingend nach einer Fortsetzung schreit, hat man sich doch eine gute Vorlage für eine ebensolche zurechtgelegt. Deswegen hat es mich auch umso mehr gefreut, zu erfahren, dass ein Sequel bereits nächstes Jahr in den hiesigen Kinos anlaufen soll (Quelle: BlairWitch.de). Also ich würde mir da gerne schonmal einen Platz im Kino reservieren (bitte mit einem Eimer Popcorn und ‘nem Bier!).

In diesem Sinne: Lasst uns weiterspielen!

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Verbotene Bildeindrücke vom Escape Room

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Zusatzinfos | Herkunftsland: Südafrika, USA | Originaltitel: Escape Room | Regie: Adam Robitel | Drehbuch: Bragi F. Schut, Maria Melnik | Darsteller: Taylor Russell, Logan Miller, Jay Ellis, Tyler Labine, Deborah Ann Woll, Nick Dodani | Produktion: Ori Marmur, Neak H. Moritz, Donovan Roberts-Baxter | Freigabe: FSK 16 | Uncut: ja | Spieldauer: 100 Min. | Verleih: Sony Pictures | Produktionsjahr: 2018 | Kinostart Deutschland: 28.02.2019

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https://www.youtube.com/watch?v=fYsHs6FVAQ4
Escape Room (2019)
Prädikat: Stark inszeniert und spannend bis zum Ende. Der Nachfolger kann kommen!
Story75%
Schauspieler75%
Unterhaltung90%
Inszenierung85%
81%Wertung
Leserwertung: (1 Judge)
100%

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