Sommerkälte | Der Tod

 

Dieser Film handelt von einer Seele, die ihren Körper verließ und die unendliche Trauer fühlte“.  

Mit diesen Worten beginnt Sommerkälte, der erste offizielle Kurzfilm von Regisseur und Drehbuchautor Dorian Valentino. Neben diesem Einleitungstext lässt auch der Titel des Werks keine leichte Kost erwarten. Und tatsächlich haben wir es hier mit einem bedrückenden und sehr melancholischen Film zu tun. Während der Laufzeit von knapp 40 Minuten begleiten wir einen jungen Mann (Maximilian Winter), der offensichtlich eine schwere seelische Last mit sich herumträgt und auf der Suche nach jemandem oder etwas ist. Er schleicht durch seine Wohnung, besucht einen Friedhof und wandert durch eine Burgruine, wo er auf den Tod (Christian Fernández) trifft, der ihn von nun an verfolgt. In dieser ganzen Zeit verliert er nicht ein Wort. Er ist still in Gedanken versunken, die uns aus dem Off von Thomas Goersch vorgetragen werden. 

Allein schon dieser poetisch verfasste Text und die spezielle Art und Weise, wie Goersch ihn verliest, sind zwei Aspekte, die aus Sommerkälte einen Film der etwas anderen Art machen. Besonders gefallen hat mir, dass die Stimme des Sprechers wie aus einem Film der 60er/70er Jahre klingt. Das verpasst dem Werk ein klassisches Flair, welches ihm sehr zugute kommt. Dann wäre da noch die zugleich schöne als auch tieftraurige Musik, welche die Stimmung der Gedichte sehr gut unterstreicht. Bedauerlich ist lediglich, dass die Tonabmischung teilweise etwas unausgewogen ist und die Stimme des Sprechers untergeht. Da es sich jedoch um 

eine Independentproduktion handelt, möchte ich mit dem Film an dieser Stelle einmal nicht ganz so hart ins Gericht gehen. Anders sieht das allerdings bei manchen Szenen aus, die ich dem Streifen nicht durchgehen lassen möchte. Da gibt es beispielsweise Sequenzen, in der eine lebende Fliege an einem Spiegel zerquetscht, oder eine Hummel an einem Stein zerrieben wird, nachdem man sie vorher erst noch ein Weilchen am Flügel festgehalten hat. Der Gipfel des Ganzen ist der Moment, in dem mit einem Stock in einem zerquetschten Igel herumgestochert wird. Wo diverse Fäkalszenen noch unfreiwillig komisch wirken, kann und möchte ich solche Tierszenen, ob es sich nun um verstorbene oder nahe am Tod befindliche Lebewesen handelt, nicht für gut befinden. Nennt mich kleinlich, aber da hört die Kunst für mich einfach auf. Sicher gibt es Hardliner, die hier etwas reininterpretieren können. Ich möchte es schlichtweg nicht und bin der Meinung, dass, was immer man damit sagen wollte, es sicher auch einen anderen Weg gegeben hätte. 

Dorian Valentino möchte hier vielleicht provozieren, tut seinem Werk, dem ich ansonsten eine gewisse Tiefe nicht absprechen möchte, jedoch keinen Gefallen. Dies ist insbesondere deswegen bedauerlich, weil mich solche Szenen immer wieder von den bereits erwähnten Stärken des Films abgelenkt haben. Hier wäre weniger einfach mehr gewesen…

 


Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Originaltitel: Sommerkälte | Freigabe: k.A. | Uncut: Ja | Spieldauer: 37 Min. | Verleih: Animusfilm | DVD VÖ: 15.01.2016 | Facebookseite: Klick mich!
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https://www.youtube.com/watch?v=iW8xUiR9eCM
Sommerkälte (2016)
Prädikat: Ein grundsätzlich interessantes Werk, dass mit der Kunst jedoch mitunter zu weit geht.
Story50%
Schauspieler40%
Sprecher85%
Inszenierung25%
Musik80%
56%Wertung
Leserwertung: (1 Judge)
15%

2 Responses

  1. lili

    Offenbar ein Review, das sich Herr Goersch wünschte, warum sonst sollte jemand dem Sprecher so viel Aufmerksamkeit widmen?Immerhin wurde der restliche Film differenzierter betrachtet. Für mich gut zu wissen, dass Tiere umgebracht wurden, dann schau ich mir den Scheiss erst gar nicht an.

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    • anawak

      Vielen Dank für das Feedback! Es ist schade, wenn es so wirkt, als ob die Besprechung allzu sehr zugunsten von Thomas Goersch ausgefallen ist. Gleichwohl möchte ich bei meinem Lob an den Sprecher bleiben, weil mir seine Leistung einfach gefallen hat. Der Film hat in meinen Augen nunmal diese sehr ambivalenten Aspekte. So steht die sehr gute akustische Leistung (neben der Stimme von T. Goersch im Übrigen auch die bereits erwähnte Musik) gegen das Visuelle. Das ich die Tierszenen absolut nicht in Ordnung finde, schlägt sich ja auch in der Wertung für die Inszenierung nieder. Schlussendlich sollte m.E. noch in Betracht gezogen werden, dass es sich hier um ein Indieprojekt handelt, was zwar kein Freifahrtschein für alles ist, aber doch in die Bewertung einfließen muss, um fair zu bleiben.

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