Stung | CoverJeden verdammten Sommer erlebe ich die gleiche Situation: Da sitze ich mit Freunden oder der Familie schön draußen in der Sonne, haue mir leckeren Kuchen oder ein saftiges Steak mit einem gekühlten Bier rein und schon geht es los: Etwas summt an meinem Ohr oder jemand sagt “Achtung, da ist eine Wespe!” und ich drehe voll am Rad. Ja, ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich eine Phobie gegen die Biester habe und immer, wenn mir eines zu nahe kommt, tanze ich den Veitstanz. Vor einigen Jahren (überspringt den Teil ruhig, wenn euch meine tiefgreifende Geschichte nicht juckt;) habe ich mal einen Versuch gewagt, mich in solchen Momenten ganz still und ruhig zu verhalten. Das Ergebnis war, dass eines schönen Tages eine Wespe seelenruhig über mein Gesicht Richtung Auge gekrabbelt ist. Das war es dann auch schon mit meiner Selbsttherapie…

Lustigerweise machen mir die Hautflügler (oho, der feine Herr wirft mit Fremdwörtern um sich! Und jetzt nehmt das: Man sagt auch Hymenoptera…ich schließe mal wieder Wikipedia…) in Filmen überhaupt keine Angst. Ganz anders ist das bei Spinnen, die ich im realen Leben wiederum nicht so gruselig finde, aber das ist ein anderes Kapitel. Was beide gemeinsam haben: Als XXL Monster finde ich sie großartig und jeder Streifen, der die entsprechenden Creature Effects gut umsetzt, wandert sofort in meine Sammlung. Daher war es auch gar keine Frage, ob das Langfilmdebüt Stung von dem deutschen Regisseur Benni Diez irgendwann in meinem Player rotiert. Auf den Bildern und dem vorab durch den Internetäther schwirrenden Trailer waren die handgemachten Effekte einfach eine Augenweide und gepaart mit einem guten Schuss Humor hatte ich die Hoffnung, mir eine Art Arac Attack 2.0, nur eben mit Hautflüglern (‘tschuldigung), ins Haus zu holen. Wie mein Eindruck nach der Sichtung war, erfahrt ihr jetzt sofort in den folgenden Zeilen (endlich hört der mit dem Gelaber auf!)…

Paul (Matt O’Leary) ist jemand, der das Leben eher locker nimmt und in den Tag hinein lebt. Diese fluffige Einstellung pflegt er auch in seinem Job bei dem Cateringservice seiner Freundin und heimlichen Flamme Julia (Jessica Cook). Dabei läuft der Laden ohnehin schon nicht so gut, weshalb die junge Geschäftsführerin auch für jeden noch so kleinen Auftrag dankbar sein muss und sei es nur die stinklangweilige Gartenparty auf dem abgelegenen Anwesen einer alten Dame. Und so kommt es, dass Julia voller Eifer versucht, die Gäste zufrieden zu stellen, während Paul sich Dope reinhaut und mit den Gästen herumwitzelt. Das Lachen vergeht ihm jedoch abrupt, als ein Schwarm riesiger Wespen über die Gesellschaft herfällt. Aus den gerade noch scheintot wirkenden Damen und Her- 

ren wird in Sekundenschnelle ein wild um sich schlagender und kreischender Mob, der mindestens so chaotisch durcheinander wuselt, wie die summenden Angreifer. Doch es kommt noch schlimmer: Kaum ist jemand gestochen, schlüpft in kürzester Zeit eine neue und noch deutlich größere Wespe aus dem Körper des Opfers. Die “Party” wäre also gelaufen und die Überlebenden suchen verzweifelt nach einem Ausweg aus der Misere…

Damit wäre die Story im Großen und Ganzen schon zusammengefasst, denn danach kommt inhaltlich bis auf ein wenig Charakterentwicklung und der Kampf gegen die Monsterviecher nicht mehr viel. Das braucht es aber auch gar nicht, denn…

Benni Diez’ Werk besticht (*ahem*) vor allem durch seine nahezu makellose Inszenierung, die ganz im Zeichen meiner heißgeliebten 80er Jahre Creature Features steht.

Dieses Lob geht in erster Linie an die Special Effects-Abteilung, wo man zugunsten von Animatronics größtenteils auf CGI verzichtet hat. Die so zum Leben erweckten Killerwespen sehen richtig schön eklig aus. Da ist es fast schon bedauerlich, dass nicht alles von Hand gemacht wurde und man Effekte, die am Computer entstanden sind, auch als solche erkennt. Da das Niveau aber immer noch weit über Streifen der Marke Sharknado oder Mega Piranha liegt, tut das dem Film keinen großen Abbruch. Hinzu kommt, dass man Stung in jedem Moment ansieht, mit welcher Hingabe die ganze Crew das Projekt gestemmt hat. Das Produktionsdesign ist äußerst gelungen, die Soundkulisse (insbesondere die Insektengeräusche) wurde mit viel Einfallsreichtum umgesetzt (schaut euch diesbezüglich unbedingt die Extras an) und die Schauspieler (inklusive the one and only Lance Bishop Henriksen als launiger Kriegsveteran) hatten offensichtlich viel Spaß beim Dreh. Kein Wunder also, dass das wohldosierte Maß an Selbstironie und die daraus entstehende Situationskomik sitzen. Alles zusammengenommen, ist Benni Diez hier ein sehr unterhaltsamer Streifen gelungen, welcher sich nicht vor ähnlich gearteten und meist deutlich höher budgetierten Filmen verstecken muss. Zum Schluss möchte ich auch das grandiose Cover nicht unerwähnt lassen, welches ich mir sofort einrahmen und an die Wand hängen würde. Das sticht einem ja quasi ins Auge…so, jetzt ist aber Schluss mit den unterirdischen Wortwitzen…

 

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland, USA| Originaltitel: Stung | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 87 Min. | Verleih: E-One / WVG Medien | DVD/BD VÖ: 26.02..2016
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https://www.youtube.com/watch?v=F65oWSDGViY
Stung (2015)
Prädikat: Hat meine Phobie nicht geheilt, mich dafür aber sehr gut unterhalten!
Story70%
Schauspieler80%
Spannung80%
Inszenierung90%
80%Wertung
Leserwertung: (1 Judge)
100%

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