Erinnert ihr euch noch an den ersten Teil der Ghostbusters Realverfilmungen? Sicher (und wenn nicht – schnellstens nachholen)! Dann ruft euch doch mal eben die Stelle in Erinnerung, wo die Geisterjäger das Nobelhotel betreten, um Slimer zu fangen (der Bill Murray vorher noch eine Schleimdusche verpasst hat…ach, herrlich!). An diese Szenen fühlte ich mich zu Beginn von Ti Wests The Innkeepers erinnert. Keine Spur von einem “Hotel des Schreckens” oder gar davon, dass es sich hier um “Einen der […] gruseligsten Horrorfilme” handelt, wie das Zitat von Eli Roth es auf der Verpackung noch behauptet. Stattdessen sieht man die beiden Hotelangestellten Claire (Sara PaxtonThe Last House on the Left) und Luke (Pat HealyMagnolia), die vor lauter Langeweile nicht wissen, wohin mit sich. Dies ist bekanntermaßen kein Zeichen für ein florierendes Geschäft und tatsächlich läuft das “Yankee Pedlar” so schlecht, dass es nach dem bevorstehenden Wochenende geschlossen wird. Anlass genug für die beiden Faulenzer, im Internet zu surfen oder auf der Couch rumzuliegen, anstatt sich um die wenigen Gäste zu kümmern. Aber nicht nur damit vertreiben sich Claire und Luke die Zeit: Schon lange suchen sie nach Beweisen für paranormale Phänomene, konkret Geister (hatte ich schon die Ghostbusters erwähnt?). In diesen letzten zwei Tagen soll es nun endlich funktionieren. Das Tonbandgerät liegt bereit und kaum ist es dunkel geworden (achtung Wortwitz!), geistern sie durch die Hotelflure in der Hoffnung (achtung Zugabe!), ein Lebenszeichen der hier verstorbenen Madeline O’Malley aufzeichnen zu können. Zunächst passiert erst einmal gar nichts, aber dann kippt abrupt die Stimmung…

Entschuldigung, was machen Sie in meinem Bett…?

The Innkeepers spaltet die Genrefans und insbesondere die von Ti West: Die einen finden den Film sterbenslangweilig, die anderen sehen in ihm einen Gruselstreifen alter Schule. Verstehen kann ich irgendwo beide, denn wer hier einen Schocker erwartet, der wird zwei Drittel der Laufzeit überstehen müssen, bis dann mal ein paar Jump-Scares zum Zuge kommen. Der mittlerweile wohl eingeschlafene Zuschauer, wird davon wahrlich nichts mehr mitbekommen. Für diejenigen, die den Film im Internet zerreißen, muss ich an dieser Stelle auch mal eine kleine Lanze brechen, denn The Innkeepers wird, wie leider so viele Genrefilme, falsch vermarktet. Selbst, wenn man einmal vom inspirationsfreien Cover absieht, welches alleine schon dafür gesorgt hat, dass ich mit der Sichtung des Werkes bis jetzt gezögert habe, dann leitet zumindest der bereits zitierte Satz von Eli Roth, als auch die rote Plakette der FSK den Käufer in die Irre. Dieser hat

 

eventuell sogar den zwei Jahre vorher entstandenen “Cabin Fever 2: Spring Fever” vom gleichen Regisseur gesehen und erhofft sich jetzt ein Splatterfilmchen mit reichlich Schockmomenten. Ähm, nö…da sind sie hier ganz falsch, bitte weitergehen… Stattdessen ist der Streifen vor allem eines: Angenehm anzuschauen. Das liegt zunächst an dem fast schon unschuldigen 80er Jahre Stil, der vor allem durch das tolle Setting transportiert wird. Da macht es auch überhaupt nichts, dass der Film bis auf ganz wenige Szenen ausschließlich in besagtem Hotel spielt. Die Kamerafahrten führen den Zuschauer passenderweise ganz gemächlich und ohne Hetze durch das Gebäude und verzichten gänzlich auf die heute schon übliche Wackeloptik. Ebenso verhält es sich mit der Musik, die genauso unaufregend daherkommt, aber gerade deshalb so wunderbar zu dem Rest passt.

All das wäre jedoch nur die halbe Miete, wenn die Hauptdarsteller der Atmosphäre einen Strich durch die Rechnung machen würden. Dem ist glücklicherweise nicht so.

Ganz im Gegenteilt, Sara Paxton und Pat Healy tragen den Film fast alleine über etwas mehr als 1 1/2 Stunden – und das mit Bravour! Ja, ihre Charaktere sind langweilig und tatsächlich tun sie die ganze Zeit über relativ wenig, aber umso erstaunlicher ist es, dass sie es schaffen, Claire und Luke ebenso normal wie interessant zu verkörpern. Es handelt sich bei den beiden einfach um ganz schlichte Menschen, die nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen und sich an die Hoffnung klammern, irgendwann einmal etwas ganz Besonderes zu erleben. Als dies dann eintritt, sind sie genauso verängstigt, wie es jeder andere auch wäre. Sie wollen nur noch weg, denken nicht mehr rational und deshalb kann auch manch unlogische Handlung verschmerzt werden. Und wisst ihr was? Ich habe es dermaßen vermisst, einfach mal nur ganz normale Menschen auf der Mattscheibe zu sehen. Ich mag Hollywoodfilme und diesem ganzen Glamourhorror kann ich meistens auch was abgewinnen, aber man wird im Kino mittlerweile von überzüchteten Stereotypen förmlich zugeballert, sodass es einer Hirnmassage gleichkommt, wenn man einfach mal nur Filmcharaktere zu sehen bekommt, die so gar nichts Besonderes an sich haben. Und ironischerweise ist das dann wieder ein Alleinstellungsmerkmal. The Innkeepers gelingt somit der Spagat zwischen lockerer, anspruchsloser Unterhaltung und Gruselszenen, die diesen Namen auch verdienen. Nach einer guten Stunde nimmt die Spannung an Fahrt auf und Ti West platziert gekonnt Schreckmomente, bei denen auch ich mal wieder Aufschreien musste, weil ich sie an dieser Stelle einfach nicht erwartet hätte. Und während dieser Nervenkitzel zuvor fehlte, fühlte ich mich durch das trollige Gehabe von Claire und Luke bestens unterhalten. Im Fazit gibt es daher wenig zu kritisieren. Lediglich manche Handlungen, die so nicht ganz nachvollziehbar waren und die Promotion hätten besser ausfallen können. Abgesehen davon, darf sich jeder, der noch unsicher ist, gerne einen Ruck und dem Film die verdiente Chance geben.

 

 

Zusatzinfos | Originaltitel: The Innkeepers | Freigabe: FSK 18 | Uncut: ja | Spieldauer: 101 Min. | Studio (Verleih): Tiberius Film | BR/DVD VÖ: 17.01.2013
The Innkeepers (2011)
Prädikat: Grusel mit Retro-Atmosphäre.
Story75%
Schauspieler90%
Spannung82%
Atmosphäre92%
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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