Als ich die Vorschau zu The Philosophers gesehen habe, war ich hin und weg. Eine Schulklasse macht mit ihrem Philosophielehrer vor Abschluss des Kurses ein letztes Gedankenexperiment: Die Welt geht in einem Atomkrieg zugrunde und kurz bevor die nukleare Strahlung die Gruppe erreicht, müssen sie eine alles andere als leichte Entscheidung treffen, denn in dem nahegelegenen Bunker kann nur ein Teil der Anwesenden solange überleben, bis die Strahlungswerte draußen wieder ungefährlich sind. 10 Mitschüler sollen nun bestimmt werden, die in den Bunker dürfen, alle anderen werden im nuklearen Fallout zugrunde gehen. Als Entscheidungshilfe bekommen sie alle einen Beruf zugeteilt. Sie müssen sich also nun die Frage stellen, ob ein Dichter für den Fortbestand der menschlichen Rasse wichtiger ist, als beispielsweise ein Agrarbauer. Im späteren Verlauf wird das Experiment wiederholt, wobei den Personen weitere Eigenschaften zugewiesen und Aufgaben auferlegt werden. So muss innerhalb des einen Jahres, das sie im Bunker verbringen sollen, mindestens ein Kind gezeugt werden. Plötzlich ist der Agrarbauer nicht mehr so wichtig, wenn man weiß, dass er homosexuell ist.

Soweit die Story, die an sich zwar das Rad nicht neu erfindet, aber mit philosophischem Gedankengut als Grundlage durchaus einen interessanten Ansatz hätte bieten können. Leider wirft der Film sein Potential schon sehr früh über Bord. Machte es im Trailer nämlich noch den Anschein, als würde die Klasse tatsächlich zu einem Bunker gehen um das Experiment dort durchzuführen, handelt es sich dabei nur um eine Visualisierung ihrer Gedanken. Die Schüler und ihr Lehrer verlassen den ganzen Film über nicht den Klassenraum. Dies ist vor allem deswegen schade, weil dadurch die Brisanz des Szenarios plötzlich ziemlich zahnlos wirkt. Dennoch hätte Regisseur und Autor John Huddles mit dem philosophischen Denkansatz die Kurve bekommen können. Jedoch gelingt ihm auch dies nicht, denn anstatt sich damit auseinanderzusetzen, welche Auswirkungen die Entscheidungen der Schüler haben, wird das Experiment ständig von persönlichen Auseinandersetzungen unterbrochen. Ausgangspunkt dieser Probleme ist zu allem Überfluss auch noch der Lehrer selbst, der im Übrigen ein ziemlich unsympathischer und stets auf seinen eigenen Vorteil bedachter Arsch ist.

2 GruppenSchwere Entscheidung: Wer darf Leben und wer muss sterben?

Aber auch jetzt hätte man zumindest mit einem überraschenden Twist am Ende noch was reißen können. Eine Wendung gibt es zwar, aber diese hat rein gar nichts mit dem eigentlich interessanten Teil des Films zu tun, sprich dem apokalyptischen Szenario und der durch diese Vorgabe erwirkten Kausalität.

Schauspielerisch möchte ich John D’Arcy hervorheben, der dem selbstverliebten Lehrer gekonnt eine nahezu unausstehliche Aura verleiht. Die restlichen Darsteller (u.a. Sophie Lowe und Daryl Sabara) bieten eine gute Leistung.

Ganz für die Katz ist The Philosophers wahrlich nicht. Die Drehorte in Indonesien wissen durchaus zu gefallen und auch die Effekte sind alles andere als billig. Auf visueller Ebene wird also voll abgeliefert. Umso bedauerlicher ist es, dass ich das Gefühl nicht los werde, das John Huddles selbst nicht so recht wusste, wo er mit seinem Film hin möchte. Auch den Darstellern konnte er das offensichtlich nicht so recht vermitteln, stammeln diese doch ziemlich inhaltsloses Zeug zusammen, als sie in den Interviews Fragen zu dem Film gestellt bekommen. Wer sich also durch die Extras etwas Aufklärung zum durchwachsenen Inhalt erhofft, der dürfte auch hier enttäuscht werden.

Als Film für einen verregneten Sonntagnachmittag dürfte The Philosophers etwas taugen. Man sollte sich jedoch darauf einstellen, hier anstatt eines interessanten Weltuntergangsszenarios mit philosophischen Ideen, ein recht flaches Beziehungsdrama geliefert zu bekommen. Wer sich also einfach nur berieseln lassen möchte, der kann sich auf das Experiment einlassen…

Prädikat: Optisch super, Story naja…

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