Vergangenen Samstag war es mal wieder Zeit für’s Kino. Also habe ich meine Freundin eingepackt und bin mit ihr spontan in den Film The Signal gegangen. Vorher hatte ich nur wenig über die Story in Erfahrung bringen können: Die beiden MIT-Studenten Nic und Jonah begleiten Haley bei dem Umzug in ihre neue Wohnung. Die Fahrt wird überschattet von einer Beziehungskrise zwischen Nic und Haley, sowie von Nomad, einem Hacker, der beinahe den Verweis der 2 MIT-Kommilitonen verursacht hätte, als er in die Netzwerke der Elite-Uni eingedrungen ist. Das wollen Nic und Jonah nicht auf sich sitzen lassen und nachdem sie sein Signal bis zu einem nicht weit entfernten Ort zurückverfolgt haben, beschließen sie ihm einen Besuch abzustatten. Dort finden sie jedoch nur ein verlassenes Haus vor. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse…

Es gibt nicht viele Filme, die mich so in ihren Bann ziehen, wie es die meist außergewöhnlich guten Beiträge auf dem alljährlichen Fantasy Filmfest vermögen. Und schon alleine deswegen hat The Signal mich von Anfang an begeistert: Das Gefühl, Kino in Reinform zu erleben, einen Film, der bereits nach wenigen Minuten fast schon physisch spürbar ist. Dies erreicht Regisseur William Eubank, welcher bereits für den großartigen Love auf dem Regiestuhl saß, zum Einen durch Szenen, die visuell und akustisch unheimlich gut auf den Punkt gebracht sind. Hinzu kommt ein doppelter Genrewechsel nach nicht einmal 30 Minuten, der den Zuschauer schlussendlich in einen vollkommen anderen Film schickt. Auf den kurzen Ausflug in das Horrorgenre folgt zunächst Dunkelheit…und was dann kommt, ist bis zum Ende nur schwer zusammen zu setzen. In nur ganz kleinen Dosierungen sickern Informationen zu den Geschehnissen durch die Leinwand, und so braucht es letztlich gar nicht mehr viel um die Spannung durchweg aufrecht zu erhalten.

Wenn man dem Film nun unbedingt etwas vorwerfen möchte, dann ist es zum Einen, dass er im letzten Drittel etwas den Atem verliert. Er wird nicht langweilig, gibt dem Zuschauer aber zu viel Zeit um das Puzzle zusammen zu setzen. Etwas mehr Tempo wäre hier in meinen Augen effektiver gewesen. Und auch, wenn die Theorien hinsichtlich der Auflösung, die sich der grübelnde Zuschauer bis zu diesem Zeitpunkt zurechtgelegt haben mag, zum Ende hin noch einmal kräftig durcheinandergewürfelt werden: Manch einer wird dann doch schon die finale Aufklärung richtig erahnen. Zudem ist es genau diese, die einen leicht faden Beigeschmack zurücklässt, da sie ob des vorangegangenen Spannungsaufbaus etwas ausgefallener hätte sein dürfen.

Das ist wohlgemerkt Kritik auf sehr hohem Niveau, denn gegen diese Punkte steht eine Fülle an Argumenten, die dafür sprechen sich den Film im Kino anzusehen! Nebst der bereits erwähnten, audiovisuellen Pracht, sind es die tollen Schauspieler Brenton Thwaites, Olivia Cooke, Beau Knapp und Laurence Fishburne, die den Film sehr gut tragen und voranbringen. Hinzu kommen insbesondere im späteren Verlauf einige unerwartete Actionsequenzen, die dem Film einen weiteren Wechsel, dieses Mal in das Superheldengenre, bescheren. Auch der Soundtrack weiß zu gefallen, schiebt sich nie in den Vordergrund, ist aber präsent genug um mehr als belanglose Dudelei zu sein. Am Wichtigsten ist jedoch, dass der Film einmal ein paar neue Wege geht und dem vom Popcornkino verwöhnten Zuschauer etwas Anderes, als die ewig gleichen Umsetzungen präsentiert. Genau darum geht es nämlich: Die Idee ist nicht neu und wird keinen vom Hocker hauen. Vielmehr ist es der Mut, Versatzstücke unterschiedlicher Genres zu nehmen und zu einer neuen Form zusammen zu setzen, der belohnt werden sollte. Ihr habt vielleicht gemerkt vielleicht, dass ich mit inhaltlichen Informationen zu The Signal sehr sparsam bin. Das hat seinen Grund und wer möglichst viel von dem Streifen haben möchte, dem sei geraten, möglichst wenig vorher darüber zu lesen. Ich kann ihn euch nur wärmstens ans Herz legen, denn solch eine Kunst bekommt man auf der großen Leinwand wahrlich viel zu selten geboten.

Prädikat: Sehr gut.

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