Vorspann

Gary (Calvin Reeder), Zak (Lane Hughes), Brad (Adam Wingard) und Eox (Kentucker Audley) filmen gerne ziemlich kindischen Kram: Mal ziehen sie einer Frau im Parkhaus das Shirt nach oben, und halten die Linse auf die entblößten Brüste, dann nehmen sie sich beim vanadlieren in einem verlassen Haus auf. Ein selbstgedrehter Amateur-Sexfilm darf natürlich auch nicht fehlen…der Klassiker quasi. Die Tapes werden dann vertickt, allerdings lässt sich mit solchem Schweinkram nicht viel Geld verdienen (ok, das sei mal dahingestellt). Sehr gelegen kommt da das lukrative Angebot von einem Unbekannten: Die Herrschaften sollen ein ganz bestimmtes Band besorgen und dafür eine Menge Asche abstauben. Gesagt, getan. Also begibt man sich in das zunächst verlassen wirkende Anwesen, in dem sich besagtes Tape befinden soll. Die Suche gestaltet sich allerdings schwerer als gedacht und so teilt man sich auf…wer Scream gesehen hat, müsste eigentlich wissen, dass das eine echt Kackidee ist, aber das nur am Rande. Der Bewohner des Hauses, welcher ziemlich locker, aber auch ziemlich tot in einem Sessel gefunden wird, scheint ein großer Freund ausgefallener Amateurfilme zu sein und so haben unsere Jungens eine Weile zu tun. In eben jenes Zimmer, in dem unser im späteren Verlauf recht ungewöhnlicher Toter rumhängt, verschlägt es die Burschen einen nach dem anderen. Die Neugier obsiegt, man schaut sich ein paar der herumliegenden Filme an und wünscht sich am Ende, man hätte das Haus nie betreten.

There is someone sitting behind you…

Horroraufschnitt

V/H/S ist ein waschechter Episodenfilm. Die Rahmenhandlung bildet Tape 56, also die oben beschriebene Story. Diese wird jedoch immer wieder unterbrochen von den Schauerstreifen, die sich die 4 Fragezeichen, äh Freunde zu Gemüte führen. Jeder dieser Kurzfilme wurde von einem anderen Regisseur inszeniert, von denen die meisten noch recht unbekannt sind, was sich jedoch nach V/H/S hoffentlich bald ändert, leisten sie doch durch die Bank sehr gute Arbeit. Besonders nennen möchte ich Ti West (The ABSs of Death, Cabin Fever 2, The Innkeepers), der für Second Honeymoon auf dem Regiestuhl saß, Adam Wingard (You’re Next, S-VHS aka V/H/S 2), der Tape 56 stemmte. Das soll aber keineswegs heißen, dass es sich hierbei um die besten Episoden des Films handelt. Wie schon angedeutet, fand ich sie alle richtig gut, und möchte daher auch kurz auf jede einzeln eingehen. Ich werde im Folgenden nicht spoilern, aber wer sich lieber komplett überraschen lassen möchte, der sollte direkt zum zusammenfassenden Abspann ganz nach unten springen.  

Amateur Night

Clint (Drew Sawyer) zieht mit seinen Jungs durch die Straßen. Das heißt Alkohol, Drogen, Party und natürlich Sex. Um dem Ganzen noch einen besonderen Reiz zu geben, trägt er eine Brille mit eingebauter Kamera. Während seine Homies schließlich alle schon in weiblicher Begleitung sind, steht unser Quotennerd noch alleine da. Es kommt ihm also ganz gelegen, dass Lily (Hannah Fierman) sich plötzlich an ihn heranschmeißt. Allerdings scheint die Gute nicht ganz koscher zu sein. Egal, schließlich will man ja poppen. Also ab ins Motel, wo sich seine Freunde letztendlich komplett abschießen bis…ja, bis die Nacht eine gar unschöne und blutige Wendung für unsere Aufreißer nimmt…

Was, ich? Nein, ich fühle mich nicht beobachtet…

Second Honeymoon

Stephanie (Sophia Takal) und ihr Freund Sam (Joe Swanberg) unternehmen einen Road Trip und da darf die Kamera natürlich nicht fehlen. Mal filmt sie das Geschehen und mal Sam, der gerne einmal ein Schäferstündchen mit ihr aufzeichnen möchte, was Stephanie jedoch gar nicht passt. Und während die beiden noch ausdiskutieren, ob der Camcorder zuschauen darf oder nicht, klopft es plötzlich an der Tür. Ok, es ist spät, lieber nicht aufmachen. Soweit, so vernünftig. Blöd nur, dass der nächtliche Besuch es scheinbar gar nicht nötig hat hereingebeten zu werden, denn während unser Pärchen schon schläft, geht die Kamera an und der Unbekannte Voyeur treibt so manchen Schindluder im Motelzimmer. Klingt noch relativ unschuldig und so wirkt es auch zunächst, aber dann wird unversehens bitterer Ernst daraus mit einem Twist, den sicher nur wenige vorhersehen dürften.

Ein schöner Urlaub zu zweit…wenn da nicht der nächtliche Besuch wäre.

Tuesday the 17th

So, jetzt  erstmal eine kurze Rechenstunde: Wenn Dienstag der 17. ist, welches Datum hatte dann der vorangegangene Freitag? Richtig, es wäre der 13. und diese Episode trägt nicht nur einen Titel, bei dem man erst einmal kurz nachdenken muss, was das eigentlich bedeuten könnte. Nein, auch der Kurzfilm selbst dürfte so manches what the fuck? aus dem Zuschauer kitzeln. Ganz Blair Witch Projekt-like gehen Joey (Daw Moerlein), Wendy (Norma C. Quinones), Samantha (Jeannine Yoder) und Spider (Jason Yachanin) mit einer Handkamera in den Wald und wir hätten es hier nicht mit einer Episode von V/H/S zu tun, wenn alles mit rechten Dingen zugehen würde. Nachdem die Kamera in Störbildern immer wieder Leichen aufzeichnet, die plötzlich wieder verschwunden sind, gehen kurze Zeit später auch schon die ersten beiden Protagonisten hops. Wendy und Joey sind also nur noch zu zweit…wobei, nicht so ganz…oder doch? Man weiß es nicht, denn die Kamera zeichnet zunehmend so wirren Kram wie beispielsweise eine Gestalt auf, deren Erscheinung von Bildstörungen verzerrt wird, sodass sie teils kaum zu erkennen ist, bis…ja, bis sie dann hinter einem steht…Ein sehr cooler Streifen, der einfach mal anders und tatsächlich einer meiner Favoriten für die Übertragung in einen Spielfilm ist.

Irgendetwas stimmt nicht mit dieser Kamera…

The Sick Thing that happened to Emily when she was younger

Alter, was ein Titel schon alleine. Auch wenn es sicher nicht geschadet hätte, diesen etwas abzukürzen, beispielsweise in TSTTHTEWSWY, verbirgt sich dahinter der Beitrag, bei dem es mich von allen Episoden am meisten gegruselt hat. Das liegt aber auch an der sehr interessanten Herangehensweise an das Thema Found Footage: Emily (Helen Rogers) und James (Daniel Kaufman) führen eine Fernbeziehung und unterhalten sich regelmäßig per Videochat miteinander. Und genau hiervon sieht der Zuschauer den Mitschnitt, was alleine deswegen schon sehr geil ist, weil man stets sieht, was sich hinter den beiden abspielt, während derjenige das selbst nicht mitbekommt. Bei James ist das Geschehen im Hintergrund sehr fade, was aber auch egal ist, da seine Aufzeichnung ohnehin nur als kleines Fenster unten rechts eingespielt wird. Die Webcam von Emily hingegen zeichnet da teilweise gar gruseliges Zeugs auf, was in den besten Moment relativ unerwartet geschieht. Das da irgendwas in ihrer Bude im Argen liegt merkt sie allerdings schon vor den geisterhaften Erscheinungen. Als sich die Lage zuspitzt und Emily endgültig von der Angst gepackt wird, läuft sie durch die stockdustere Bude, hält den Laptop vor sich und macht die Augen zu, sodass James sie durch die Zimmer dirigieren kann…buhu, das ist mal eine schöne Idee! Auch diese Episode wartet mit einem überraschenden Finaltwist auf und rundet das Erlebnis von TSTTHTEWSWY ab…

Wenn sie sich umdrehen und durch die Tür sehen würde, könnte sie dort einen ungebetenen Gast erblicken…

10/31/98

An diesem Punkt von V/H/S ist die Hauptstory um unsere 4 Vandalen eigentlich schon beendet und ich habe mich bereits auf den Abspann vorbereitet. Umso schöner, dass es mit 10/31/93 nochmal eine ziemlich coole Haunted House Dreingabe gibt. Der Titel sagt es ja schon: Es ist Halloween im Jahre 1993 und die Jungs aus Tape 56 wollen eine Party besuchen. Das Haus, in dem diese stattfinden soll ist aber ziemlich verlassen. Völlig unbeirrt durchsucht man die Zimmer und gibt sich auch von manch seltsamen Ereignissen, wie sich selbst öffnenden Türen oder flackernden Lichtern, ziemlich unbeeindruckt, hält man sie doch für Special Effects der Gastgeber. Relativ schnell wünscht man sich jedoch, dass man damit recht behalten hätte, denn hier läuft schon bald einiges komplett aus dem Ruder. Alles weitere würde an dieser Stelle auch schon an der Grenze zum Spoiler kratzen, daher nur soviel: Die Effekte, die einem bei der Flucht von dem Anwesen geboten werden sind schon ziemlich klasse und haben mir mal schön geschmeidig die Kinnlade nach unten gezogen.

Ja, noch lachen sie…

Abspann

Nach dieser letzten Episode flimmert dann der Abspann über die Mattscheibe, der für sich genommen es aber definitiv auch nochmal wert ist, genossen zu werden. Nicht, dass hier irgendetwas passiert, aber ganz originalgetreu werden die Credits in mieser Qualität und mit dem leisen Geräusch des sich drehenden Videobands präsentiert. Großartig, dass auf dieses Detail geachtet wurde und man so auch nicht gleich komplett aus der Atmosphäre gerissen wird, sondern noch einmal etwas darin schwelgen kann. Eines ist klar: Wer sich V/H/S anschauen möchte, der sollte sich auf echte Camcorder Qualität und Wackeloptik gefasst machen. Für Filmfreunde, denen bei Blair Witch Projekt, Chronicles, Cloverfield und wie sie alle heißen ob der Kameraführung schwummrig wird, der sollte hier lieber die Finger davon lassen. Allen anderen, die zudem vielleicht noch auf guten Oldschool Horror stehen, möchte ich diesen Streifen wärmstens empfehlen. Beim Genrepublikum hat der Film offensichtlich voll eingeschlagen und ich wundere mich ehrlich, warum er so lange bei mir auf Halde lag, bis ich meinem BluRay-Player dieses kleine Meisterwerk zum Fressen gab. Uns beiden hat V/H/S jedenfalls geschmeckt und wer jetzt ebenfalls interessiert ist, für den habe ich noch eine gute Nachricht zum Abschluss: Das Teil gibt es nämlich in Deutschland komplett unzensiert, entgegen dem leider geschnittenen Nachfolger S-VHS.

V/H/S - Eine mörderische Sammlung (2012)
Prädikat: Fucking great oldschool horror shit (oder FGOHS)
Story80%
Schauspieler75%
Spannung90%
Inszenierung90%
84%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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