We Are Still Here - Haus des Grauens | CoverEin Kind zu verlieren ist wohl mit das Schlimmste, was einem Menschen widerfahren kann. Wenn es dann noch der einzige Nachwuchs ist, trifft die Eltern das besonders hart. Mit eben einem solchen Schicksalsschlag müssen Anne (Barbara CramptonYou’re Next) und ihr Mann Paul (Andrew SensenigI Love You Phillip Morris) umzugehen lernen. Um das traurige Ereignis hinter sich zu lassen, ziehen sie aus der Stadt in ein gemütliches und fernab vom Schuss gelegenes Landhaus im verschneiten New England. Ihre Trauerbewältigung wird jedoch jäh von seltsamen Vorkommnissen unterbrochen: Unheimliche Flüsterstimmen, Türen, die sich wie von Geisterhand öffnen und ein Keller, in dem höllische Temperaturen vorherrschen kratzen an ihrem Nervenkostüm. Offensichtlich stimmt hier irgendetwas nicht. Da die Bewohner des nahe gelegenen Dorfes mit ihren Schauergeschichten rund um das neu erworbene Haus der beiden die Stimmung nicht gerade zum Besseren wenden, laden Anne und Paul ihre Freunde May (Lisa MarieSleepy Hollow) und Jacob (Larry FessendenVampire Nation) zu Besuch ein. Der Gedanke ist jedoch nicht ganz uneigennützig, denn das Hippiepärchen hat einen Hang zum Übernatürlichen und so wollen sie dem Spuk gemeinsam ein Ende bereiten. Kurze Zeit später überschlagen sich die Ereignisse und die vier geraten zwischen die Fronten einer übernatürlichen und einer sehr weltlichen Macht… 

Ein Haunted House Film…echt jetzt? Schon wieder? In den letzten Jahren hat neben dem Zombiefilm kaum ein anderes Genre so viele neue Streifen hervorgebracht, wie dieses. Doch während die Geschichten mit wandelndem Gammelfleisch immer wieder zu fesseln wissen, was insbesondere an so hochkarätigen Produktionen wie The Walking Dead liegt, dümpelt das Haunted House Genre so vor sich hin. Das mag natürlich daran liegen, dass diese Filme stark ortsgebunden sind. Es geht eben immer um ein Haus und um eine Gruppe von Menschen, die von meist übernatürlichen Ereignissen heimgesucht werden. Gleichwohl hat das auch wieder seine Vorteile. So braucht es beispielsweise kein großes Budget, weil man eigentlich “nur” einen Schauplatz, gute Schauspieler und eine Crew mit einem Ge-

spür für die richtige Gruselatmosphäre braucht. Und am Ende hätte sich dieses Genre wohl kaum so lange gehalten, wenn es nicht immer wieder mal großartige Werke hervorbringen würde. Zu nennen wären da The InnkeepersHouse on Haunted Hill oder Lucio Fulci‘s Klassiker Das Haus an der Friedhofsmauer

Von letzterem hat sich auch Regisseur und Drehbuchautor Ted Geoghegan bei seiner Idee zum hier besprochenen Film We Are Still Here inspirieren lassen. Daraus macht er in Interviews keinen Hehl und hat das auch absolut nicht nötig, denn anstatt einfach nur einen lauwarmen Aufguss von Fulci’s Genremeilenstein zu schaffen, verneigt er sich mit seinem Werk zugleich vor der atmosphärischen Faszination des Horrorkinos der 80er Jahre. Diesen Stil authentisch hinzubekommen ist heutzutage eine Kunst für sich, die Geoghegan jedoch sehr gut beherrscht. So atmet sein Streifen zu jeder Sekunde den Hauch vergangener Filmtage. Dies liegt vor allem an der Ausstattung der Drehorte und der Schauspieler. Ob kabelgebundene Telefone, olle Tapeten, Sonnenbrillen, die das halbe Gesicht verdecken oder Tischlampen, die Omis guter Stube entstammen könnten – die klassische Atmosphäre ist allgegenwärtig und wird noch zusätzlich vom winterlichen Setting unterstützt. Auch die Leistung der Schauspieler konnte mich vollkommen überzeugen und zum Ende hin gibt es sogar für Gorehounds nochmal ein paar blutige Schauwerte, die in dieser Härte für das Genre des Haunted House Films eher unüblich sind, sich hier aber sehr gut einfügen, ohne als Fremdkörper zu wirken. Lediglich in Sachen Bild hätten Geoghegan und sein Kameramann Karim Hussain noch eine kleine Schippe drauflegen können. Es gibt da diesen eine Szene im Film, wo man eine Nahaufnahme des vor Grauen erstarrten Gesichts eines Mannes sieht. Diese Closeups habe ich schon bei Fulci’s Meisterwerk unglaublich gemocht und auch We Are Still Here hätten ein paar mehr solcher effektiven Schreckensmomente gut getan. Dies ist aber meckern auf hohem Niveau, denn hier wurde mit einem kleinen Budget ein toller Film geschaffen, der einen in diesem viel zu warmen Winter wenigstens für knapp 90 Minuten unter die Decke kriechen und frösteln lässt.

 

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: We are still here | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 84 Min. | Verleih: Tiberius Film | DVD/BD/3D BD VÖ: 04.01.2016
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https://www.youtube.com/watch?v=2f3CEcV6OBA
We are still here - Haus des Grauens (2015)
Prädikat: Definitiv einer der besseren Haunted House Filme!
Story70%
Schauspieler80%
Inszenierung90%
Spannung80%
80%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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